17.05.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Lotosblume bringt den Tänzern Glück

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17.05.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Lotosblume bringt den Tänzern Glück

Gelungenes Finale für Mark Sieczkarek

Seine Choreografie “Oblivion Sauve” für das Tanzfestival “Tanz NRW”, das im Theater im Pumpenhaus stattfand, wurde im ausverkauften Haus gefeiert.

Im Prinzip ist es eine Blumentapete. Unzählige Lotosblüten reihen sich auf der Rückwand der Bühne eng aneinander. Alle von Mark Sieczkarek in monatelanger Kleinarbeit selbst gepinselt und alle von großer symbolischer Bedeutung im Buddhismus, jener östlichen Weisheitslehre, der der schottische Choreograf und Tänzer auch im Leben anhängt. Für absolute Selbstlosigkeit und Reinheit steht die Pflanze dort, aber auch für Schönheit und Glück Es sind also durchweg positive Kräfte, die „Oblivion Sauve“ bestimmen.

Das Stück ist eine Neuinszenierung der 2009 in Wuppertal entstandenen Choreografie „Waiting in Vain“ und hatte am Sonntag in Münsters Pumpenhaus Premiere. Für das achtköpfige Ensemble ist der Weg hier eindeutig das Ziel. Der Tanz gestaltet sich wie ein Fluss, der irgendwo in den Bergregionen des Unbewussten entspringt, sich als sprudelnder Bach seinen Weg ins Tal sucht, dabei immer breiter wird und schließlich als mächtiger, sich selbst bewusster Strom von der Unendlichkeit des Meeres aufgenommen wird – metaphorisch gesprochen.

Paare finden sich

Konkret sieht es so aus, dass die Protagonisten scheinbar ungeordnet auf die Bühne purzeln und dort ihre Übungen absolvieren. Zunächst jeder für sich, ohne Bezug zu dem, was ihn umgibt. Aber bald wird man aufeinander aufmerksam, erkennt den anderen als Spiegelung des eigenen Ichs und tritt mit ihm in Kontakt. Paare finden sich, agieren erst nebeneinander, später miteinander, bis sich auch andere Paare in das Spiel mischen und man zusammen eine Gemeinschaft bildet.

Poesie und Anmut bestimmt die Atmosphäre. Das gilt für die Musik wie für den Tanz, der sich immer wieder beim fernöstlichen Figurenrepertoire bedient. Filigran bewegen sich Arme und Beine, die Hände deuten kleine Vögel an, die sich in die Lüfte schwingen wollen. All das verdichtet sich im Lauf des Abends und versetzt den Zuschauer in eine meditative Stimmung. Bis kurz vor Schluss die Musik verstummt und die Tänzer noch ein paar Sekunden wie auf einer Probebühne weitermachen. Dieser kleine Kunstgriff holt das Publikum nach 60 Minuten perfekt wieder zurück in das, was man gemeinhin Wirklichkeit nennt.

13.05.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Mark Sieczkarek im Takt der Liebe

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13.05.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Mark Sieczkarek im Takt der Liebe

Etwas scheint ihm in den Fingern zu jucken. Flatterig bewegt er sie hin und her, während aus den Lautsprechern frühlingshaftes Vogelgezwitscher ertönt.
Dann greift die Bewegung auf den ganzen Menschen über. Entspannt tänzelt er jetzt zu leichtfertigem Klaviergeklimper über die Bühne, in legerer Sommerkleidung, einen Hut auf dem Kopf, der ihn ein bisschen wie einen Gärtner aussehen lässt. Oder wie Hermann Hesse, der in Montagnola durch sonnenbeschienene Hänge streift, auf der Suche nach der lang ersehnten Einheit von Körper und Geist.

Dass Mark Sieczkarek es gerne harmonisch hat, konnte man schon bei seinem letzten Münster-Besuch im Dezember vermuten, als er die Choreografie „Eu estive aqui“ (Ich war hier) vorstellte, ein von südländischer Leichtigkeit geprägtes Tanzstück, das in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Tanzgruppe Porto Alegre entstanden ist. Harmonie und Einklang der Bewegungen prägen auch seine neue Produktion „In Person“, die am Mittwoch im Pumpenhaus Premiere hatte – als erster münsterscher Beitrag zum Festival „Tanz.NRW“, das zurzeit in acht Städten des Landes stattfindet.

Unverschämt leicht

Es ist, wie der Titel schon sagt, ein sehr persönliches Solostück, das frühere Arbeiten aufgreift, verändert, weiterführt. Und bei dem die Liebe eine tragende Rolle spielt. In zarten Liedern und in mehreren Sprachen wird sie besungen. Einmal ist sie so schmerzlich, dass Sieczkarek in den Tönen förmlich zu waten scheint, ein andermal wirkt sie belebend und animiert ihn zu weichen Bewegungen, die wie ein Strom von Gefühlen aus ihm herausfließen. Immer aber ist der Tanz von großer Eleganz geprägt und wirkt trotz der Exaktheit der Bewegungen unverschämt leicht.

Dazu passen auch die Landschaftsbilder, die Oliver Iserloh auf die Rückwand der Bühne projiziert. Üppige Regenwälder sieht man da, pittoreske Wasserfälle oder einen antik anmutenden Säulengang, durch den der Tänzer als überlebensgroße Videoprojektion direkt auf das Publikum zuläuft, wobei die Zeitlupe die Kraft, die in den Bewegungen steckt, eindrucksvoll herausarbeitet.

Tanz mit Armen und Händen

In weiten Teilen absolviert Sieczkarek seinen Tanz nicht mit den Beinen, sondern mit Armen und Händen. Die sind ständig in Bewegung, kreisen, winden sich um den Körper und korrespondieren auf geheimnisvolle Weise miteinander. Damit werden sie Ausdruck einer irgendwo im Spirituellen angesiedelten Sinnhaftigkeit, die zu erschließen Aufgabe des Publikums ist. Oder man lehnt sich einfach zurück und genießt die Aufführung. 

12.05.2011 – Sabine Müller / Münstersche Zeitung: Interview mit Mark Sieczkarek: “Ich habe immer getanzt”

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12.05.2011 – Sabine Müller für dei Münstersche Zeitung
Interview mit Mark Sieczkarek: “Ich habe immer getanzt”

Mark Sieczkarek ist einer der eingeladenen Choreografen beim Tanzfestival NRW, das bis zum 15. Mai in acht Städten stattfindet. Er zeigt im Theater im Pumpenhaus drei Stücke. Im Interview erzählt er von seiner Arbeit, von Pina Bausch und wie er Buddhist wurde.

Was ist Tanz für Sie?
Da fallen mir spontan zwei Aussagen ein. Eine stammt von der amerikanischen Tänzerin und Choreografin Martha Graham. Sie sagte, es gebe nur zwei Arten von Tanz: den der Freude und den des Schmerzes. Und Pina Bausch sagte: „Mich interessiert nicht so sehr, wie sich Menschen bewegen, als was sie bewegt“. Das kann ich beides so unterschreiben. Tanz ist mein Leben. Er war immer da. Wie ein Ruf, eine Berufung.

Wann haben Sie angefangen zu tanzen?
Da war ich sehr jung, acht Jahre etwa. Es gab in der Schule eine so genannte kreative Stunde, da konnte man malen oder basteln. Ich habe getanzt.

Haben Ihre Eltern das unterstützt?
Ja, mein Vater hat selbst Geige gespielt. Meine Eltern haben gesehen, dass ich immer getanzt habe, sobald irgendwo Musik lief. Ich stamme ja aus Schottland, also haben sie mich zuerst zum schottischen Volkstanz geschickt. Aber das hat überhaupt nicht geklappt. Dann kam ich auf die Ballettschule. Meine Lehrerin damals hat gesehen: Da ist etwas! Also schickte sie mich nach London, und ich war schon mit elf Jahren an der Royal Ballet School.

Welcher Tanz hat Sie denn interessiert?
Anfangs dachte ich, es gibt nur Ballett! Es waren die 70er Jahre, da gab es im Fernsehen keinen modernen Tanz, erst nach und nach habe ich gesehen, dass es auch so etwas wie modernes Tanztheater gibt. Ich ging nach Amsterdam und Rotterdam, wo ich auch die Lust an der Choreografie entdeckte. Mehrere Leute rieten mir dann, ich sollte zu Pina Bausch gehen. Es gab in der Rotterdamer Gruppe auch einen Kontakt zu Pina. Drei Jahre war ich fest bei ihr engagiert und drei Jahre als Gast.

Wie haben Sie die Zeit mit Pina Bausch und dem Wuppertaler Tanztheater erlebt?
Es war eine sehr wichtige Zeit. Ich konnte den Prozess von Pinas Arbeit direkt erleben. Ich habe gesehen, wie viel und wie hart man arbeiten muss, um es wirklich gut zu machen. So wie Pina sich bewegt hat, was sie bewegt hat, das was mir sehr nah: So bewege ich mich auch! Und Pina hat auch immer Leute gesucht, die wie sie waren. Wenn Leute heute über meine Arbeiten sagen, es sieht aus wie bei Pina Bausch, ist das also kein Zufall.

Warum sind Sie weggegangen?
Wenn ich länger geblieben wäre, wäre ich mein Leben lang dort geblieben. Das ist wie eine Familie, selbst nach Pinas Tod, und ich gehöre auch immer noch dazu. Aber ich wollte damals einen Schnitt, wollte mein eigenes Ding machen. Pina riet mir, ich solle zum Folkwang-Tanzstudio gehen. Ich habe viel freischaffend gearbeitet und dann 1998 meine eigene Compagnie gegründet.

Beschreiben Sie, was beim Tanzfestival NRW in Münster von Ihnen zu sehen sein wird.
Ich zeige drei Stücke und alle haben eine bestimmte Poesie. Sie sind ruhig. Nicht dass sie langsam sind, sie haben eher eine innerliche Ruhe. Richtig beschreiben kann ich das gar nicht. Ich habe eine Idee von dem, was ich mache, aber ich finde es gut, wenn es nicht so klar ist. Es ist meine Welt, die auf die Bühne kommt. Ich lade das Publikum ein, hineinzukommen in meine Welt. Das kann schön sein. Aber auch schwierig.

Warum schwierig?
Ich mache kein Entertainment, keine Unterhaltung. Man muss sich einlassen, bereit sein zu einer Reise.

Können Sie das konkreter machen?
Ich war im Januar gerade im Urlaub in Brasilien, als ich den Anruf von meiner Agentin bekam, ich solle drei Stücke für das Pumpenhaus machen. Da waren schlagartig die Ferien vorbei. Ich war oft im Botanischen Garten in Rio de Janeiro, das war wunderschön. Da kam mir die Idee, dort zu filmen. Die Videos, die in enger Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Oliver Iserloh entstanden sind, sind jetzt ein Element in dem Solo „In Person“, das ich in Münster tanze. Die Musik ist brasilianisch, eine Collage, die ich selbst zusammengestellt habe. Es wird melancholisch, aber auf eine schöne Art.

Das zweite Stück, das Sie in Münster zeigen, heißt „Moon Song“ – Mondlied. Worum geht es?
Es ist wie eine Liebesgeschichte, erzählt auf eine sehr einfache Art. Jeong Lee aus Korea – eine große Entdeckung für mich – tanzt mit mir zusammen, fast eine Stunde lang, aber wir berühren uns fast nie. Es ist sehr fein gezeichnet, es geht um das Erspüren von Stimmungen.

Bei „Moon Song“ gibt es auch einen Sänger.
Ja, Ömer Temizel, Tenor an der Düsseldorfer Oper, wird türkische Volkslieder singen. Es ist aber auch Musik von John Adams und Philip Glass zu hören. Auch die koreanische Kultur hat mich bei dem Stück stark beeinflusst. Ganz besonders wird das Kleid von Jeong Lee: Sigrit Lachnitt hat zwei Monate daran gearbeitet. Es ist ein Kunstwerk.

Das dritte Stück „Oblivion Sauve“ ist nicht ganz neu.
Nein, das gab es schon mal, aber ich habe für Münster mehr als die Hälfte neu choreografiert. Acht Tänzer sind auf der Bühne. Das Bühnenbild ist eine Wand aus Papier, die mit Hunderten von Lotusblumen bemalt ist. Bei dem Stück hat mich Volkskunst und Musik aus Japan, Pakistan, Indien, Korea und Tibet beeinflusst. Es ist meditativ, obwohl es viel Bewegung gibt. Ich zeige hier den Kontrast zwischen Ruhe und Aktivität. Das ist wie beim Meditieren: Man sieht ruhig aus, als ob man schläft, aber man ist sehr wach und bewusst. Ich will kein Stück über das Meditieren machen, aber in meinem Privatleben beschäftige ich mich viel damit.

Meditieren Sie selbst?
Ja, ich bin Buddhist.

Wie sind Sie Buddhist geworden?
Ich war sechs Monate lang arbeitslos, lebte von Hartz IV, befand mich in einem tiefen, dunklen Loch. Irgendwann habe ich gedacht, ich sollte nicht mehr so hilflos sein, sollte mein Leben selbst in die Hand nehmen. Klar, dass Künstler immer ein hartes Leben haben. Aber ich habe nie geglaubt, dass man leiden sollte, um Kunst zu machen. Wenn ich glücklich bin, kann ich besser und kreativer arbeiten. Eine Freundin von mir ist Buddhistin. Ich habe mich damit beschäftigt und ich habe in dieser Religion etwas gefunden. Ich wollte stark sein, nicht von anderen abhängig. Seit ich Buddhist bin, ist alles leichter geworden, ich bin tatsächlich stärker geworden. Seitdem war ich nie mehr arbeitslos.

Was macht Sie stärker?
Das Chanten zum Beispiel. Der Ausdruck kommt vom englischen „to chant“: singen. Das sind meditative Gesänge, die ich täglich wiederhole. Ich übe den Nichiren-Buddhismus aus. Nichiren war ein buddhistischer Mönch, der im 13. Jahrhundert in Japan lebte. Nach seinen Lehren soll man die Silben „Nam-Myoho-Renge-Kyo“ immer wieder rezitieren. Wenn man dieses so genannte Mantra ständig wiederholt, kommt man tatsächlich manchmal in eine Art Trance-Zustand.

Wie machen Sie das genau?
Es ist sehr rituell: Ich habe zu Hause einen Platz, wo ich einen kleinen Schrank habe, darin ist eine Schriftrolle, in der das Mantra steht, ich verbrenne Räucherstäbchen, es gibt eine Blume und ein Glas Wasser, auch Klangschalen.

Steht da auch eine Buddha-Figur?
Nein, in diesem Buddhismus haben wir kein Bild, wir sind alle Buddha.

Und vor dem Schrank beten Sie?
Genau. Ich lasse meine Gedanken gehen oder auch nicht gehen, das ist sehr entspannend.

Wie oft machen Sie das?
Eigentlich sollte man das jeweils eine halbe Stunde morgens und abends machen, aber ich mache das meistens nur morgens. Ich will nicht das Gefühl haben, ohne das kann ich nicht leben, ich möchte nicht abhängig sein davon. Es ist wichtig, es unterstützt mich, aber auch nicht mehr.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, das bin ich.

09.05.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Je 333 Euro Preisgeld für drei Sieger

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09.05.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Je 333 Euro Preisgeld für drei Sieger

Im Tennisdress springt die Tänzerin über die Bühne, holt weit mit den Armen aus. Ulrike Reinbott kämpft gegen eine unsichtbare Gegnerin; in ihrem 5-Minuten-Solo ist sie in die Rolle von Tennislegende Steffi Graf geschlüpft, mal als Siegerin, mal in Verliererposition. „Brief an Steffi“ ist eine von insgesamt 20 Kurzchoreografien, die beim ersten Tanzwettbewerb „Fünf Minuten – Das beste Münsteraner Tanzsolo“ im voll besetzten Pumpenhaus zu sehen waren. Für ihr dramaturgisch wie tänzerisch ausgereiftes Tanztheater-Stück hat Ulrike Reinbott, die schon mit Samir Akikas „Unusual Symptoms“ auf der Bühne stand, einen der drei Jury-Preise gewonnen.

Eigentlich hätten es ein erster, ein zweiter und ein dritter Preis werden sollen, doch die Entscheidung fiel der dreiköpfigen Jury schwer. Zu unterschiedlich seien die Genres gewesen, erklärte Jurymitglied Christiane Winter, bekannt als Leiterin des Festivals „Tanztheater International“ in Hannover. Gemeinsam mit Mark Sieczkarek, Tänzer und Choreograf, sowie Christa Reißmann vom Tanztheater Hagazussa hat sie sich daher entschlossen, den Preis in drei gleiche Teile zu teilen.

Neben Ulrike Reinbott wurde Katharina Drobny, Tanzpädagogin an der Ballettschule Heidi Sievert, der mit je 333 Euro dotierte Preis für ihre versiert getanzte, zeitgenössische Tanzperformance „Wo komme ich her, wo gehöre ich hin?“ verliehen. Die dritte Auszeichnung ging an Tarek Naboulsi von der Hip Hop Academy für sein szenisch wie tänzerisch gelungenes Stück „Not a Normal Human Being“. Über den undotierten Publikumspreis freute sich Katrin Banse, die eine humorvolle Marilyn Monroe-Persiflage zeigte.

Die Bandbreite der überwiegend professionellen Tänzer reichte von Hip-Hop und Breakdance, darunter der mitreißende Bruno de Carvalho von Rebeltanz, über tänzerische Jonglage (Lars Fernholz) und kunstvollen Stepptanz (Tobias Karsten) bis hin zu zeitgenössischem Tanz und Tanztheater-Produktionen, wie Gabrio Gabriellis charmantem Stück über seine erfolglose Wohnungssuche in Münster. Unterhaltsam und kurzweilig ging der dreieinhalbstündige Wettbewerb über die Bühne; die Teilnehmenden bewiesen bei diesem Wettbewerb durchweg Niveau und legten ein kreatives Potenzial vor, das sich sehen lassen kann – im nächsten Jahr hoffentlich wieder.

09.05.2011 – Helmut Jasny/ Münstersche Zeitung: Wer tanzt am besten?

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09.05.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Wer tanzt am besten?

Der Wettbewerb “Fünf Minuten” im Pumpenhaus kürte drei Solisten zu Siegern

Mit Vielfalt hatten die Veranstalter geworben, und die Rechnung ging auf. Modern Dance, Performance, Streetdance, Stepptanz, Jazz Dance – so ziemlich alles war beim münsterschen Tanzwettbewerb “Fünf Minuten” am Samstag im überfüllten Pumpenhaus zu sehen.

20 Solisten traten mit selbst entwickelten Choreografien gegeneinander an. Jeder hatte fünf Minuten Zeit, und nach dreieinhalb ebenso abwechslungsreichen wie unterhaltsamen Stunden standen die Sieger fest.
Gerade die Vielfalt der Darbietungen habe es der Jury nicht leicht gemacht, erklärte Sprecherin Christiane Winter. Aus diesem Grund hatte man beschlossen, gleich drei erste Preise zu vergeben, jeder mit 333 Euro dotiert.

Katharina Drobny, die mit fünf Jahren aus Polen nach Deutschland kam, überzeugte mit einer raumgreifenden Choreografie mit dem Titel “Wo komme ich her, wo gehöre ich hin”.

Tarek Naboulsi widmete sich mit “Not A Normal Human Beeing” dem Hiphop, den er mit zackigen Robot-Elementen ausschmückte. Ulrike Reinbott löste in ihrem “Brief an Steffi” die Grenzen zwischen Pantomime, Tanz und Tennis auf. Als quasi kabarettistische Einlage gebar sie dann noch einen Tennisball, den sie wie ein Baby umsorgte. Darüber hinaus wurde ein Publikumspreis vergeben. Er ging an Katrin Banse, die in ihrem rasanten Solo die Macho-Attitüden einer hormongesteuerten Männerwelt aufs Korn nahm.

Wohnung gesucht

Aber auch die nicht ausgezeichneten Beiträge konnten sich sehen lassen – sowohl durch Können wie auch durch Originalität. So interpretierte Bruno de Carvalho in “Hunger auf Beats” den Tanz als lebenswichtige Nahrung, während der Wohnung suchende Gabrio Gabrielli seine Performance als Immobilien-Inserat gestaltete. Robert Sabanovic durchlief in “Speed Waiting” die emotionalen Zustände eines versetzten Verehrers, Jennifer Ocampo Monsalve gab der klassischen Formensprache des Modern Dance eine individuelle Note, und Judith Suermann präsentierte ijgre Haare als eigenständigen Körperteil. Der gute alte Stepptanz erfuhr durch Tobias Karsten eine wohltuende Verjüngung, und Lars Fernholz verschmolz in seiner Darbietung Jonglage mit Tanz.

Ebenfalls zum Gelingen des Abends trugen Johannes Fundermanns professionell-charmante Moderation und die Einlagen der Cheerleader-Truppe der Münster Mammuts bei.

01.05.2011 – Isabell Steinböck / Westfälische Nachrichten: Tanzpädagogen unter sich

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01.05.2011 – Isabell Steinböck für Westfälische Nachrichten
Tanzpädagogen unter sich

Fünf Frauen bewegen sich in einer Reihe hintereinander durch den Bühnenraum des Pumpenhauses. Die Damen tanzen eine Lokomotive: Mal sind ihre Arme angewinkelt, bewegen sich vor und zurück wie bei einer Dampflok, mal halten sie einander an den Händen, bilden Brücken, unter denen die anderen herlaufen.

Yolanda Bertolaso demonstriert eine Tanztherapiestunde für Kinder, die an einer Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Eigentlich hätten Erkrankte teilnehmen sollen, ebenso wie in der Stunde zuvor Nicht-Tänzer gefragt waren, um sich im zeitgenössischen Tanz oder Ballett zu probieren. Doch stattdessen saßen die Veranstalter – neben Bertolaso auch Heidi Sievert, Günther Rebel und Ingeborg Kölling, allesamt namhafte münsterische Tanzpädagogen, fast allein im Theater. Als Mitglieder der Anfang des Jahres gegründeten Münster-Sektion des „Conseil International de la Danse“ (CID), des Tanz-Rates der Unesco, haben sie zum Welttanztag einen Mitmach-Tag organisiert, mit kostenlosen Schnupperstunden, die sich an Interessierte richten sollten, die bis dato kaum Tanzerfahrung hatten.

Die vier Frauen auf der Bühne haben fast alle Tanzerfahrung; als die Tanztherapeutin sie bittet, anstelle der fehlenden Kinder auf die Bühne zu gehen, sind sie sofort dabei. „Im ersten Jahr ist der Anlauf schwer“, bedauert Heidi Sievert die spärliche Resonanz. 2012 habe man einen längeren Vorlauf, wolle man den Tanztag besser bewerben. Dann stünden auch keine Osterferien im Weg und keine Hochzeit im englischen Königshaus. Doch auch als Profi lernt man dazu: Dass sie am Welttanztag Kollegen über die Schulter schauen kann, freut die Ballettschulleiterin. 

Yolanda Bertolaso, eine ehemalige Bühnentänzerin, die heute an der Akademie für Musik- und Tanztherapie in Münster Studenten ausbildet, erklärt ihren Kollegen, worum es in ihrer Arbeit mit ADHS-Erkrankten geht. „Diese Kinder können ihr Tempo nicht einschätzen, laufen immer im 5. Gang. Das macht ihnen Angst.“ Um ihnen eine Struktur zwischen Langsamkeit und Schnelligkeit zu ermöglichen, lässt sie das Tempo durch Bewegung spüren. Zur Musik von Camille Saint-Saëns´ „Karneval der Tiere“ wird improvisiert: Gemütliche Schildkröten sind ebenso Thema wie schnelle Hühner oder majestätische Löwen. „Es geht darum, die Bewegung umzustrukturieren und damit den Radius der Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern“, erklärt Yolanda Bertolaso.

29.04.2011 – Isabel Steinböck / Westfälische Nachrichten: Lächerliches Computerspiel

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29.04.2011 – Isabel Steinböck für Westfälische Nachrichten
Lächerliches Computerspiel

Monster Truck und Charsoo gastieren mit “Prince of Persia” im Pumpenhaus

Ein langhaariger Mann in Boxerkluft stemmt mit unbewegtem Gesichtsausdruck einen Fernseher in die Höhe, auf dem in gnadenloser Langsamkeit zu lesen ist, was das Publikum gleich erwartet. Mit der Zeit läuft der schwächelnde Kraftprotz rot an, zittert, wirft den Fernsehapparat schließlich hinter sich, bereit zum nächsten grotesken, langwierigen Prozedere. Wie ein mittelalterlicher Ackergaul ist er nun eingespannt, dreht eine kunstvolle Kons­truktion Sand regnender Säcke stetig im Kreis. Eine originelles Bühnenbild für das nun folgende Märchen, das auch aus 1001 Nacht stammen könnte.

„Prince of Persia“ ist der Titel dieser im Pumpenhaus dargestellten Performance. Das Gießener Kollektiv „Monster Truck“ thematisiert das gleichnamige Computerspiel von 1989, ein Meilenstein des „Jump and Run“-Genres.

Als namenloser Abenteuerer gilt es, die schöne Prinzessin Farah aus den Händen eines Wesirs zu befreien. Während die Zeit unerbittlich läuft, leidet der Held in der Wüste Durst, kämpft mit Hyänen und anderen Widrigkeiten, um schließlich, als besondere Herausforderung, seinem eigenen Spiegelbild gegenüberzustehen.

„Monster Truck“ hat sich das Thema gemeinsam mit dem iranischen Theaterkollektiv „Charsoo“ vorgenommen und eine Produktion auf die Bühne des Pumpenhauses gebracht, die von Absurdität strotzt. Wie in einem Schülertheater springen die hilflosen „Helden“ über die Bühne, lassen die Arme schwingen wie Vögel oder krabbeln auf allen Vieren, mit hängender Zunge, durch Wüstensand. Infantil und komisch wirkt dies, ebenso wie das grimassierende Gesicht im Fernseher – eine Art Computer-Tierchen, das sich von dem mit schwarzer Kutte und metallenem Gesichtsschutz ausgestatteten, wenig aktiven Kämpfer, gerne streicheln lässt.

Spannung oder gar Sogkraft des Spiels bleibt dabei auf der Strecke; die an sich faszinierende Konfrontation des Egos mit sich selbst wird nur erzählt, darstellerisch nicht ausgereizt, dafür verwandelt sich das Ensemble am Ende in fünf Prinzessinnen, die jeder Romantik widersprechen. „Prince of Persia“ gibt letztlich virtuelle Computer-Märchenwelten der Lächerlichkeit preis, ohne dabei in die Tiefe zu gehen – als Gesamtkonzept kann dies nicht immer überzeugen.

21.04.2011 – Martina Döbbe / Westfälischen Nachrichten: “Ritterschlag” Auszeichnung für schauspielenden Arzt

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21.04.2011 – Martina Döbbe für die Westfälischen Nachrichten
“Ritterschlag” Auszeichnung für schauspielenden Arzt

Operation gelungen! Ärzte sagen es gern. Patienten hören es – gern. So geht es Tugsal Mogul auch. Als Anästhesist ist dieser Satz schließlich sein täglich Brot. Als Regisseur und Schauspieler kann er ihn direkt auf sein „Theater Operation“ übertragen. Denn auch diese künstlerische Operation ist gelungen. „Halbstarke Halbgötter“ waren sein Erstlingswerk, das vor drei Jahren in Münster für Furore sorgte.
Fünf Auftritte des Ensembles sollten im PumpenhausEinblick in die Ärzte-Welt ermöglichen – geworden sind daraus bisher 42 Vorstellungen deutschlandweit. Ein Höhepunkt, über den sich Tugsal Mogul besonders freut: „Am 1. Mai dürfen wir beim Stückemarkt in Heidelberg dabei sein.“ Gleich zwei Vorstellungen an einem Abend stehen im Hörsaal des Chirurgischen Universitätsklinikums auf dem Spielplan. Unter Insidern wird so etwas gern auch als „Ritterschlag“ gewürdigt. Er nennt es bescheiden „eine tolle Auszeichnung“.

Seine Mitstreiter der ersten Stunde – die vier professionellen Schauspieler Bettina Lamprecht, Carmen Dalfogo, Dietmar Pröll und Stefan Otteni – sind auf Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum zu Hause und leben in Berlin. Und hatten anfangs eigentlich nur aus Freundschaft mitgemacht – „Für Tugsal tun wir das“ – aber nicht mit dem Gedanken, dass daraus so viel mehr werden würde. 

Aber das Interesse der Zuschauer hat uns total motiviert und uns auch bekannt gemacht“, erzählt Tugsal Mogul über den weiteren Werdegang, der im vergangenen Jahr dann mit der neuen Produktion „Somnia“ hinter die geheimnisvollen Türen der Intensivstation führte. Fazit nach acht Abenden im Pumpenhaus: alle ausverkauft. Deshalb wird es vom 15. bis zum 19. Juni noch einmal eine Neuauflage der Produktion für die Münsteraner geben.

Doch Tugsal Mogul wäre nicht Tugsal Mogul, wenn er nicht schon wieder etwas Neues im Kopf hätte. Die Medizin – ihre Entwicklung, aber auch ihre Grenzen – beschäftigt ihn als Arzt in der Raphaelsklinik täglich. Und er weiß, dass es anderen auch so geht: Im Oktober (27. bis 30.10.) ist eine Werkschau im Pumpenhaus geplant, bei der tagsüber in Vorträgen, Filmen und Diskussionen mit Ärzten, Theologen, ehemaligen Patienten, vielleicht auch mit Angehörigen Themen wie Intensivmedizin, Ethik und Ärztestress thematisiert werden.

Und abends stehen die Halbstarken Halbgötter und Somnia wieder auf dem Spielplan nach dem Motto: Theater Operation operiert weiter.

20.04.2011 – Sebastian Koch / Westfälischen Nachrichten: „Tanzräume entstehen lassen“

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20.04.2011 – Sebastian Koch für die Westfälischen Nachrichten
„Tanzräume entstehen lassen“

Münstersche Tanzensembles laden ein zum Welttanztag am 29. April

„Tanzräume überall in der Stadt entstehen lassen“, so formuliert Günther Rebel das Ziel des diesjährigen Welttanztages. Es ist eine Premiere, die damit am 29. April stattfinden wird: Zum ersten Mal wird der 1982 von der Unesco ins Leben gerufene weltweite Tag des Tanzens in Münster ausgerichtet werden.

Veranstalter dieses Tanztages ist die münstersche Sektion des Internationalen Tanz-Rates (CID). Dessen Gründungsmitglied und Präsident, Günther Rebel, sagte, durch den Welttanztag wolle man „Impulse setzen zum Tanzen, ob nur zum Zuschauen oder zum selbst mittanzen“. Man wolle die ganze Bandbreite der Tanzkunst präsentieren, um so die Besucher anzulocken.

Dafür werden den Tanzinteressierten vom klassischen Balletttanz über zeitgenössischen Tanz, bis hin zu Hip-Hop oder indischem Tanz eine Vielzahl verschiedener Tanzstile vorgeführt werden.

Am Vormittag des Welttanztages können die Besucher bei Rebeltanz am Germania Campus sowie am Stadttheater Tanz und Tanztheater erleben. Der Nachmittag steht im Zeichen des Mitmachens und Mittanzens, bei dem die Besucher im Pumpenhaus zum Ausprobieren verschiedener Tanzstile eingeladen sind.

Die Organisatoren unterstrichen, dass sich das Angebot dabei insbesondere an solche Besucher richte, die selbst keine Tänzer seien. Es sei ihnen ein Anliegen, gerade „Nichttänzer einen Zugang zum Tanz zu ermöglichen“, so Mitorganisatorin Ingeborg Kölling, einst Solotänzerin der Dresdner Staatsoper, die später lange Zeit an den Städtischen Bühnen tanzte.

An der Organisation beteiligt sind neben der Münster-Sektion CID die Fachhochschule  und Musikhochschule, verschiedene Ballettschulen und das Tanztheater der Städtischen Bühnen. Die Ausrichter betonen die gewohnt gute Zusammenarbeit zwischen den Tanzensembles, die wieder einmal beweise, dass „Münster der Boden für das Tanzen ist“, so Rebel, der sich sichtlich über die anstehende Premiere des Welttanztages freute.

Das komplette Programm des Westtanztages am 29. April soll in Kürze auf der Homepage der Sektion Münster des CID bereitstehen.

20.04.2011 – Manuel Jennen / Münstersche Zeitung: Programm am Welttanztag

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20.04.2011 – Manuel Jennen für die Münstersche Zeitung
Programm am Welttanztag: Münster tanzt unter der Fahne der UNESCO

Großes Programm zum Welttanztag

Das Weltkulturerbe-Programm der UNESCO ist geliebt und gefürchtet: Zuerst wollen alle hinein – aber wehe, man wünscht sich dann noch eine Autobahnbrücke über die Elbe. Für solche Dramen sorgt der Tanz-Rat der UNESCO zum Glück nicht. Der „Conseil International de la Danse“ (CID) vernetzt Tänzer in aller Welt auf seiner Internetseite und informiert über Kongresse, Aufführungen und Projekte.

Erstaunlicherweise hat dieses in Paris beheimatete Tanz-Gremium in Deutschland lange keine Fans gefunden. Bis der münstersche Choreograf Günther Rebel aufmerksam wurde. Er gründete im Januar mit Freunden aus der lokalen Szene die Münster-Sektion des CID.

Finanzielle Unterstützung ist mit dieser Mitgliedschaft leider nicht verbunden. Dennoch wollen Münsters UNESCO-Tänzer am 29. April der Öffentlichkeit zeigen, was in ihnen steckt – und die Bürger zum Mitmachen bewegen. Der 29. April (Freitag) ist der Welttag des Tanzes und bietet in Münster von morgens bis abends Schnupperkurse und öffentliche Proben.

Indischen Tanz genießen

Man kann in eine Probe des neuen Stücks von Stadttheater-Choreograf Daniel Goldin hineinschauen und anschließend mit den Künstlern diskutieren. Nachmittags lockt im Pumpenhaus ein Angebot nach dem anderen im 30-Minuten-Takt: klassisches Ballett für Kinder und Erwachsene, die Genüsse des indischen Tanzes oder eine Tanztherapie für Jugendliche, die die Hyperaktivitätsstörung ADHS besser kontrollieren möchten. Nirgendwo muss man sich anmelden, alle Türen stehen offen, überall kann man kostenlos mittanzen. Um abends steigt als etwas vorgezogener Tanz in den Mai eine Party.

„Nur in Münster war die Gründung einer CID-Gruppe möglich, weil wir alle befreundet sind und so gut miteinander auskommen“, sagt Günther Rebel, und die Vertreterinnen der Tanzschulen in der Runde nicken zustimmend.

DAS PROGRAMM

  • 10 Uhr, Rebeltanz am Germania-Campus: Tanz und Bewegung für Sänger und – ab 11.30 Uhr – für Musiker
  • 11 Uhr, Städtische Bühnen: Offene Probe für das neue Stück von Daniel Goldin, Treffpunkt Bühneneingang; 12.30 Uhr Nachgespräch.
  • Alle weiteren Termine im Pumpenhaus:
  • 15 Uhr: Ballettschule Heidi Sievert: Klassisches Kinderballett ab acht Jahren
  • 15.40 Uhr: Ballettschule Tenbrock: Zeitgenössischer Tanz für Teens ab 13 Jahren
  • 16.20 Uhr: Yolanda Bertolaso: Tanztherapie und Bewegungsanalyse für Kinder und Jugendliche (ADHS) von 8 bis 13 Jahren
  • 17 Uhr: Rebeltanz: Hip-Hop für Kinder ab zwölf Jahren
  • 17.40 Uhr: Prof. Kulkanti Barboza, FH Münster: Indischer Tanz für Erwachsene
  • 18.20 Uhr: Nicole Hohmeister: Choreografische Werkstatt für Erwachsene
  • 19 Uhr: Günther Rebel: Jazz/Musical für Erwachsene
  • 19.40 Uhr: Ballettschule Heidi Sievert: Klassisches Ballett für Erwachsene
  • 20.15 Uhr: Abschlussparty