22.04.2010 – Marieluise Jeitschko in tanznetz.de: Wuchtiger Auftakt mit Lisbeth Gruwez‘ Solo „Birth of Prey“

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22.04.2010 – Marieluise Jeitschko in tanznetz.de
Wuchtiger Auftakt mit Lisbeth Gruwez‘ Solo „Birth of Prey“

„Statements. Das Festival. Der Tanz. Das Theater. 25 Jahre Theater im Pumpenhaus“ steht unten auf der Vorderseite des grünen Faltblatts zu der Deutschen Erstaufführung von Lisbeth Gruwez‘ Solo „Birth of Prey“ (Geburt der Beute) in Münster. So wuchtig wie der selbstbewusst lakonische Jubiläumstitel geht die Reihe der Tanzperformances zur Sache. Als hätte die irische Vulkanaschewolke sich in dem hundertjährigen urigen Industriegebäude an der Peripherie zur City der altehrwürdigen westfälischen Domstadt verfangen, wabert dichter, bräunlicher Nebel im Bühnenraum. Irgendwo dahinter scheint ein Lichtspot vom Himmel zu fallen. Urplötzlich durchschneidet ein Trommelschlag ohrenbetäubend die beklemmend atemlose Stille. Gegenüber kreischt die E-Guitarre auf. Schemenhaft ist im Hintergrund Bewegung auszumachen – eine Raupe, ein Fleischklumpen? Mal menschlicher Rücken, mal Fratze, mal Kriechtier, mal gerupfte, gestutzte Federviehflügel – dann schwarz verhüllte menschliche Gliedmaßen, ein schwarzer Lockenkopf, ein Gesicht. Die Beleuchtung spielt den Zuschauern die unheimlichsten Phantasmagorien eines Etwas zwischen Mensch und Tier, Torso und Diva vor. Szenen schierer Körperlichkeit – unglaublich gereckt, gekrümmt, gedehnt – wechseln mit sinnlichen Momentaufnahmen, die Man Ray alle Ehre machen würden. Hier ist der Lichtdesigner Koen Raes Zauberer faszinierender Ästhetik am Rande optischer Täuschung zwischen Illusion und Wirklichkeit. Harsche Motorik enervierend monotoner Schlagzeug- und Guitarrensequenzen umzingeln das Wesen wie ein Käfiggitter, wenn es plötzlich zur majestätischen, nervös tändelnden Wildkatze auf der Suche nach Beute wird. Blitzartig zeigt sich das Opfer, geriert sich als Rockröhre, vereint sich mit den beiden Musikern (Maarten Van Cauwenberghe und Dave Schroyen) zum schrillen Punkkonzert – brüllt ins Mikrophon Fetzen, die am Ende der Show als bizarrer Todesgesang verstehbar werden: „I wanna be loved by you….“ 
Ein Beifallsorkan setzt danach wie ein Befreiungsschlag ein – für die beiden Musiker, die Technik und ganz besonders für Lisbeth Gruwez, die sich spätestens mit dieser zweiten eigenen Choreografie von ihrem früheren Meister Jan Fabre (er choreografierte für sie „Quando L’uomo…“ und „Je suis sang“) emanzipiert. 
Ein perfekter Auftakt, ideal für dieses Ambiente, dem die NRW-Landesregierung gerade sozusagen den Ritterschlag verlieh als westfälisches Pendant zu den Tanzhäusern in Düsseldorf und Essen (PACT Zollverein), mit denen es seit Jahren koproduziert. Die Kulturpolitiker genehmigten eine Finanzspritze von 80 000 € p.a. für die nächsten drei Jahre, je hälftig für die Tanz- und Theatergastspiele. Weitere „Statements“ von Pumpenhaus-Geschäftsführer Ludger Schnieder, des international agierenden Tanz- und Theatermanagers, zu seinem Tanzkonzept sind u.a. Auftritte von Helena Waldmann (Berlin), Samir Akika (Essen), Rosas (Brüssel), Daniel Léveillé (Montréal) und Ko Murobushi (Tokio). 

www.pumpenhaus.de

 

20.04.2010 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten: Alle diesselbe Rasse: Menschen

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20.04.2010 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten
Alle diesselbe Rasse: Menschen

Theater T1 brachte schauspielerischeSchwergewichte ins Pumpenhaus

Münster – Der Abend begann bittersüß mit Texten von Italo Svevo und steigerte sich alsbald zu ungeahnter Lautstärke: Das Überraschungspaket vom Theater T1 zum 25. Geburtstag des Pumpenhauses hatte es in sich – und das, obwohl Viviane DeMuynck wegen des Flugverbots fast nicht erschienen wäre, aber doch noch kurz entschlossen gegen halb neun mit dem Bus nach Münster angereist war.

 Zuerst las der Schauspieler Josef Ostendorf, eine markante Erscheinung auf der Bühne, aus „Zenos Gewissen“ des italienischen Autors Italo Svevo. Hier bestätigte sich: Mit dem Rauchen aufzuhören ist einfach. Immerhin hat der Protagonist es auch bereits gefühlte einhundert Male geschafft . . . Schließlich, und das erleichtert seine Seele, stellt er fest, dass er weniger am Nikotin, als vielmehr an den guten Vorsätzen leidet. Als es im Text um den Tod des Vaters geht, tröpfelt nach und nach Schwere in die Lesung – die Ostendorf aber mit seiner aufmerksam-munteren Vorleseart nicht zu düster werden lässt.
Nach einer kurzen Pause begann der wildere Teil des Programms, programmiert vielleicht schon durch das Zebrakleid, in dem Viviane DeMuynck die Aufmerksamkeit auf sich zog. Lebendig und ungezähmt zupfte Jean Paul Bourelly seine Gitarre, Willi Kellers spielte mit geschlossenen Augen am Schlagzeug und Gilbert Diop trommelte mit Leidenschaft und Kraft auf dem Sabar. Es war ein freies Spiel der Kräfte, eine ungezügelte Improvisation. Wenn kurz ein Instrument dominierte, fügte es sich alsbald wieder in den Sog des gemeinsamen Sounds ein. Es war ein ungewöhnliches Klangbild, das Viviane DeMuynck noch steigerte, indem sie sich immer wieder zu schrillen Schreien hinreißen ließ, in die Diop einstimmte.
Es dröhnte, schepperte, quietschte, und wenn es richtig laut wurde, bebte der Boden im Pumpenhaus. Dazwischen las DeMunyck kurze Texte, wie „This Is Just To Say“ von William Carlos Williams.
Er habe extra Deutsch gelernt, um mit Willi Kellers und dem Publikum „Guter Gatte sein“ aus Nestroys „Häuptling Abendwind“ singen zu können, freute sich Diop, und nach mehreren Anläufen gelang es tatsächlich. Die drei Musiker und die Schauspielerin zeigten bei ihrer Improvisation durch Klang, Gestik und Mimik Humor, so dass es immer wieder Lacher im Publikum ertönten. Diop hatte zum Abschluss noch eine Botschaft fürs zahlreich erschienene Publikum: „Wir sind alle dieselbe Rasse – wir sind Menschen“.
 

20.04.2010 – Westfälische Nachrichten: Guten Morgen!..

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20.04.2010 – Westfälische Nachrichten
Guten Morgen!…

Die besten Komplimente sind immer die, die gar nicht als Kompliment gemeint sind — und von denen man auch gar nichts erfährt.
Also, bei einem Empfang standen jüngst einige kulturinteressierte Münsteraner zusammen und besprachen, was es Neues “in der Szene” gibt. Geradezu überschwänglich wurde die Veranstaltungsreihe”Statements” im Pumpenhaus-Theater gefeiert. Dem Pumpenhaus-Geschäftsführer Ludger Schnieder, so die einhellige Meinung, gebühre ein großes Lob.
Mit am Stehtisch stand auch ein Kulturexperte aus dem Ruhrgebiet, der zu den führenden Köpfen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gehört. Er kommentierte die “Personalie Schnieder” so: “Schade, dass er eine so große Liebe zu Münster hat!” Als er die irritierten Blicke der anderen Festgäste sah, schob der Ruhrpöttler hinterher: “Sonst hätten wir Ludger Schnieder schon längst abgeworben.”

 

Jürgen Fischer (Programmkoordination RUHR.2010) in einer E-Mail vom 21.04.2010

Lieber Ludger Schnieder,
 
der Eröffnungsabend von „Kulturgebiet Münster 2010“ am vergangenen Freitag im Stadttheater hat mir sehr gut gefallen: eine aufregende Show, gute Gespräche und ein Wiedersehen mit vielen „alten Bekannten“. Ich habe mir jetzt noch einmal ausführlich das Festivalprogramm „Statements“ zum 25. Geburtstag des Pumpenhauses angesehen. Kompliment dazu! Das ist wirklich stark und schon die große Zahl an Deutschen Erstaufführungen, Uraufführungen und Europäischen Erstaufführungen zeigt, wie sehr es hier gelungen ist, ästhetische Entdeckungen, innovative Präsentationsformen und theatralisches Neuland zum Prinzip dieses außergewöhnlichen Festivals zu machen.
 
Aus der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 wünsche ich den „Statements“ deshalb den großen Erfolg, den das Pumpenhaus und vor allem Du ganz persönlich, lieber Ludger, verdient haben!
 
Jürgen Fischer (der „Ruhrpöttler“, siehe WN)

 

20.04.2010 – Helmut Jasny / Münsterschen Zeitung: Über schlechte Angewohnheiten und gute Vorsätze

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20.04.2010 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Über schlechte Angewohnheiten und gute Vorsätze

Lesung: Josef Ostendorf im Pumpenhaus

Zeno Cosini fasst immer wieder gute Vorsätze, um dann grandios an ihnen zu scheitern. Erfunden hat ihn der italienische Autor Italo Svevo (1861 -1928) in seinem Roman “La Coscienza di Zeno”, der in Deutschland erstmals 1928 und dann 2000 in einer Neuübersetzung von Barbara Kleiner unter dem Titel “Zenos Gewissen” erschienen ist. Diese zweite Fassung wählte der Schauspieler Josef Ostendorf für seine Lesung im Pumpenhaus.
Ostendorf ist eine imposante Erscheinung, wenn er mit mächtiger Leibesfülle und federnden Schritten die Bühne betritt. Er beherrscht die feinen ironischen Untertöne, die den Text bestimmen. Besonders deutlich wird das, wenn Svevos Held beschließt, sich das Rauchen abzugewöhnen. Er ist so begeistert von seinem guten Vorsatz, dass er sofort wieder zu rauchen anfängt, um es sich erneut abgewöhnen zu können. Bis er am Ende erkennt, dass nicht die Zigaretten das Laster sind, sondern die guten Vorsätze.
Ostendorf geht den Text mit souveräner Gelassenheit an und entwickelt die Gedanken, als entstünden sie gerade in seinem Kopf. Geschickt baut er Verzögerungen ein, mimt den Nachdenklichen, freut sich über eine gelungene Formulierung und steigert so die Wirkung des Gelesenen. Das funktioniert in den lustigen Passagen ebenso wie an den ernsten Stellen, in denen es um die Beziehung Zenos zu seinem im Sterben liegenden Vater geht.

Beat-Poetry

Im zweiten Teil des Abend stand die Musik im Vordergrund. Der amerikanische Jazzgitarrist Jean-Paul Bourelly, der afrikanische Trommler Gilbert Diop und der aus Münster stammende Schlagzeuger Willy Kellers formierten sich mit Viviane De Muynck, der Grand Dame des belgischen Theaters, zu einer Session. Aus Klang und Sprache entstand ein viel- und mitunter auch lauttönendes Impro-Spektakel, das durch De Muyncks ausdrucksstarken Gesang über Strecken an Beat-Poetry der 50er Jahre erinnerte und schließlich in eine Eine-Welt Botschaft mündete.

 

19.04.2010 – Heike Hano / MZ: Morgenstund hat Gezwitscher im Ohr

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19.04.2010 – Heike Hano / MZ
Morgenstund hat Gezwitscher im Ohr

Das Pumpenhaus verneigte sich mit einem Birdwatcher Breakfast vor den Rieselfeldern

5.30 Uhr aufstehen – an einem Samstagmorgen – das ist hart. Die Entschädigung, die die Gäste des Birdwatcher Breakfasts am Samstagmorgen in den Rieselfeldern jedoch enthielten, wog alle Müdigkeit um das Tausendfache auf.

Bei Nebel und Temperaturen knapp über Null Grad kamen rund 150 Natur-, Kultur- und Vogelfreunde um 6.30 Uhr an der Biologischen Station der Rieselfelder zusammen, um den Tag mit einem ausgedehnten Spaziergang durch das Biotop zu beginnen. Das Theater im Pumpenhaus feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen und verneigte sich mit dem Frühstück vor dem großen Vogelschutzgebiet und vor der Arbeit, die hinter dem Erhalt steht.

An der Entstehung des autonomen Mikrokosmos‘ hat das Pumpenhaus maßgeblichen Anteil: Seit 1901 wurden über 70 Jahre hinweg Abermillionen Liter Schmutzwasser von der Adresse des Theaters, Gartenstraße 123, in die gut sechs Kilometer entfernten Rieselfelder gepumpt. So entstand das einmalige Biotop.

Führung mit „Gezwitscher-Profilern“

In jeweils zwei Gruppen wurden die Frühaufsteher von Ornithologen, so genannten „Gezwitscher-Profilern“, durch das riesige Naturschutzgebiet geführt – stets mit einem wachsamen Ohr für die vielen Vogelstimmen, die die kühle und frische Luft erfüllten.
Das „Fütterungsteam“ des Pumpenhauses sorgte zusammen mit der Roestbar und der Bäckerei Cibaria dafür, dass die Gäste ausreichend mit Kaffee und Brötchen versorgt waren.

Das Konzept – ein soziales und relaxtes Event zu kreieren – ging auf. Nach der Führung saßen die unterschiedlichsten Menschen nebeneinander, hielten ihr Gesicht in die Sonne und tauschten sich über ihre Beweggründe für die Teilnahme am Birdwatcher-Breakfast aus.

Veranstalter von Resonanz überwältigt

„Das ist einfach so schön und toll hier“, tat Besucherin Natalie Schönleber ihre Begeisterung kund und fuhr fort: „Sonst würde ich nie auf die Idee kommen so früh aufzustehen und hierhin zu fahren. Super, dass das Pumpenhaus diese Aktion organisiert hat.“ Ludger Schnieder, Leiter des Pumpenhauses, war von der großen Resonanz überwältigt: „Wir hatten gedacht, dass diese Aktion 20 bis 30 Leute anspricht. Aber jetzt sind hier ja über hundert Menschen.“ 

 

19.04.2010 – Brigitte Heeke / Westfälischen Nachrichten: Wenn Rita im Regen steht

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19.04.2010 – Brigitte Heeke / Westfälischen Nachrichten
Wenn Rita im Regen steht

Ursina Lardi spielt “Die Kleider der Frauen” von Brigitte Kronauer / Devid Striesow erkrankt

Münster – „Gehört denn zur Liebe, dass man sich zufrieden gibt?“ Mühelos füllt Ursina Lardi mit großen Fragen an das Leben die Bühne im Pumpenhaus bis in den letzten Winkel. Unmöglich, sich dem zu entziehen, was „Die Kleider der Frauen“ der Wirklichkeit abgelauscht hat, zumal in der eindringlichen Inszenierung von Thorsten Lensing und Jan Hein. Die Produktion des Theaters T1 (Berlin/Münster) beruht auf einem Band mit Erzählungen von Brigitte Kronauer.

Das Stück enthält Momentaufnahmen der Hauptfigur: Rita als Kind, mit Stubenarrest wegen eines verloren gegangenen roten Schals – eine Nichtigkeit angesichts dessen, was Erwachsene mitunter anrichten. Rita als rebellische Jugendliche zur Untermiete bei Schrebergartenbesitzern. Rita im hohen Alter, so einsam, „dass die Möbel im Zimmer anschwellen“. Ihr Blick auf die Welt ist jederzeit geschärft, überdeutlich, von einem naiven „Verstehen-wollen“ der Erwachsenenwelt im Kindesalter über die pauschale Ablehnung ihrer spießigen Vermieter bis hin zu ihrem späteren Zynismus. Ursina Lardi zeichnet diesen Weg so authentisch nach, dass einem zwischendrin fast angst und bange wird.

Bühnenbild und Beleuchtung nutzten gekonnt die Besonderheiten des Ortes. Durch das große Fenster unterstrich das abnehmende Tageslicht das fortschreitende Alter der Hauptfigur. Ein Rasensprenger im Zentrum der Bühne diente als Sinnbild für den Frühling, aber auch für Ritas Gefühl, in den Regen hinaus- geschubst zu werden. Nebenbei spielte diese Requisite auf die Geschichte und die ursprünglich Nutzung des Pumpenhauses an, bevor hier Theater gespielt und getanzt wurde. Einen entsprechend herzlichen Szenenapplaus bekam eine vierköpfige Crew des Pumpenhauses, die die Bühne zum dritten Akt wieder trockenlegte. Die Robert-Walser-Lesung „Man braucht nicht allzu brauchbar sein“ von Oscar-Preisträger Devid Striesow für den zweiten Teil des Abends musste wegen einer kurzfristigen Erkrankung des Schauspielers abgesagt werden. Willi Kellers sprang in die Bresche und stellte mit einem kurzweiligen Solo unter Beweis, dass auch ein Schlagzeug einiges zu erzählen hat. Die Aufführung war Teil der Reihe „Statements“, die das 25-jährige Bestehen des Pumpenhauses feiert.

» Das nächste Statement der Reihe gibt es bereits am Mittwoch. Um 20 Uhr tanzt Lisbeth Gruwez (Antwerpen) mit ihrer Gruppe „Voetvolk“ eine deutsche Erstaufführung mit dem Titel

“Birth of Prey“. Karten unter ‘ 23 34 43.

 

19.04.2010 – Sabine Müller / Münsterschen Zeitung: Statements im Pumpenhaus – Der Tanz unterm Rasensprenger

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19.04.2010 – Sabine Müller / Münsterschen Zeitung
Statements im Pumpenhaus – Der Tanz unterm Rasensprenger

MÜNSTER Die Enttäuschung war groß: Nicht wenige waren Freitagabend extra ins Pumpenhaus gekommen, um Schauspieler Devid Striesow zu sehen – und dann war er nicht da. Krank. Es blieb die einzige Enttäuschung an diesem Eröffnungsabend zum 25. Geburtstag des Theaters.

Einspringer Willi Kellers streichelte das Gemüt mit einem total abgedrehten Schlagzeug-Konzert. Ein Harlekin der Trommeln auf Socken. Kellers wischte, schrammelte, strich, wedelte und kratzte mit allen Seiten und Enden von Besen und Drumsticks, mit Fingern, ja sogar mit seiner Mütze. Er trommelte auf Becken, Gong, dem Fußboden und auf seinem Körper, auf einer Art Daumenklavier sowie in, an und auf einer Plastikbox. Selbst das Schlagzeug schien sich über die kuriose Behandlung zu amüsieren: Kellers schrabbte mit einem Stick am Rand einer Trommel herum – und es ertönte ein heiseres, verschmitztes Lachen. Eine unvergessliche halbe Stunde.

Miniaturen von Brigitte Kronauer

Es war gleichzeitig die Auflösung der enormen Spannung, die Schauspielerin Ursina Lardi zuvor mit ihrem Solo über die seltsame Rita erzeugt hatte. Die Regisseure Thorsten Lensing und Jan Hein vom Theater T1 muteten dem Publikum mit Brigitte Kronauers Prosa-Miniaturen aus dem Band „Die Kleider der Frauen“ viel zu. Die Texte drücken sich vor einer stringenten Dramaturgie, klammern sich an Details, fließen scheinbar belanglos dahin und geben sich spröde, bis sie scharf aufblitzen und plötzlich ganz weich werden.

Ursina Lardi isst ein Schnitzel
Ursina Lardis Spiel packte von der ersten Sekunde an, als sie ein aufgespießtes Schnitzelstück hoch hielt und sprach: „Ein Schwein ist verunglückt.“ Sie lebte Ritas Erinnerungen an eine Kindheit, die ein gruseliges Gefühl hinterließ. Sie zeigte Rita als junge Frau mit unvergleichlicher Energie. Hass, Enttäuschung, Brutalität, Einsamkeit, Liebesglut. Lardis ganzer Körper sprach Kronauer.

Der Tod zeigt sein Gesicht

Lensing und Hein ließen Lardi zunächst noch die Freiheit des Raumes dafür, ließen sie Fahrrad fahren, hoffnungsvoll tanzen unter dem Wasserbogen eines Rasensprengers. Dann die Zäsur. Mehrere Männer mit Schrubber und Sauger trockneten den nassen Bühnenboden in einer fast meditativen Prozedur, Lardi saß derweil am Klavier und spielte. Theater und Leben, Realität und Fiktion vermengten sich hier unnachahmlich. Dieser scheinbar banale Moment war aber auch der letzte unbeschwerte Akt vor der Versteinerung. Danach rezitierte Lardi, ganz in Schwarz gehüllt, den Text „Krähen“. Rita als alte Frau, so einsam, dass „die Möbel anschwellen“. Eine halbe Stunde lang sitzt sie auf einem Stuhl. Es war, als habe der Tod sein Gesicht gezeigt. Ein großer Abend mit einer großen Schauspielerin.

 

16.04.2010 – WDR 5 Online “Statements”: Großes Tanz- und Theaterfestival in Münster

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16.04.2010 – WDR 5 Online
“Statements” Großes Tanz- und Theaterfestival in Münster

Zur Sendung vom 16.04.2010

Das Theater im Pumpenhaus Münster wird in diesem Jahr 25 Jahre und feiert mit dem größten Tanz- und Theaterfestival der Stadtgeschichte. Vom 17. April bis 13. Juni sind rund 50 Produktionen zu sehen. Die Künstler stammen aus Münster wie aus New York oder Tokyo und zeigen experimentelle, politische, mitunter auch provokative Produktionen.

Autor/in:

Isabell Steinböck

Redaktion:

Barbara Brückner

Die Radio-Sendung

15.04.2010 – Prinzipal Das Magazin der Kaufleute vom Prinzipalmarkt: Pumpenhaus, Silverstar …

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15.04.2010 – Prinzipal Das Magazin der Kaufleute vom Prinzipalmarkt 
Pumpenhaus, Silverstar …

Das Theater im Pumpenhaus war der Beginn einer neuen KulturÄra in Münster. Jahrzehnte vorher war das Haus schon einmal ein Symbol des Aufbruchs in die moderne Zeit – als Pumpenwerk der Stadt, die durch moderne Verund Entsorgungseinrichtungen zur Großstadt heranwachsen konnte. 1985 wurde das Theater im Pumpenhaus mit dem Wiedertäuferstück „Herz der Freiheit“ eröffnet und war damit das erste freie Theater in Nordrhein- Westfalen – Congratulations , Silverstar ! Wir sprachen mit Ludger Schnieder , dem Leiter des Pumpenhauses , der das Pumpenhaus zusammen mit 15 theaterbesessenen Mitgliedern der TIM ( Theaterinitiative Münster ) aus der Taufe hob. Bis heute sorgt er mit einem Mini -Team ( seinem „Lieblingstechniker “ und seinem „Lieblingsbuchhalter “ ) für das „Rauschen in den Rohren“ – und kündigt für das Jubiläum eine „kondensierte Leistungsschau “ an . 

PRINZIPAL Das Pumpenhaus feiert. Wie? 

Schnieder: Mit unserem Festival präsentieren wir wie unter dem Brennglas, was zu 25 Jahren Erfolg geführt hat . Das Publikum darf gespannt sein , es kann sich auf große Namen , stilbildende Choreographen und Regisseure freuen . Das Programm hat einen gemeinsamen Nenner : Hier geht es nicht um weichgespülte Massenware aus dem Drama -Department oder „simply – wellmade – performances“. Es geht um „ Statements“ auf der Höhe und am Puls der Zeit . 

PRINZIPAL Es sind über 50 Produktionen mit über 70 Aufführungen in 58 Tagen geplant , uns erwartet das größte Tanz – und Theaterfestival , das je in Münster stattfand – einige Beispiele ? 

Schnieder: Wir zeigen die sehr persönlichen Auseinandersetzungen mit dem Leben in der globalisierten Welt in ungewöhnlichen Facetten . Die Gästeliste reicht von Abidjan über Berlin und New York bis nach Seoul und Tokio . Das Festival im Pumpenhaus ist auch ein Fest mit Freunden. Erst unser dichtes nationales und internationales Netzwerk hat das profilierte Bühnenprogramm über 25 Jahre möglich gemacht . Und natürlich darf man nicht vergessen , dass wir für Koproduktionen materielle und ideelle Ressourcen aktiviert und so manche Karriere möglich gemacht haben . 

PRINZIPAL Dass das Pumpenhaus de- zentral arbeitet , gehört zum Konzept . Kommt ihr auch beim Jubiläum wieder gezielt „ raus aus dem Haus “ ? 

Schnieder: Natürlich ist das Programm in- spiriert durch die Stadt , ihre Menschen , ihre Räume . Wir fangen am 17. April in den Rieselfeldern morgens um 6 : 30 Uhr an und hören am 13 . Juni abends am Domplatz auf . Wir inszenieren im Großen Sitzungssaal des Landgerichts , da, wo der Bandidos-Prozess stattgefunden hat . Im Museum Hiltrup , in der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst Münster , in Jörgs CD-Forum , im Sanitätshaus Lucas und in den Wohnzimmern mehr oder minder prominenter Münsteraner . Leider sind wir bei der JVA in der Gartenstraße abgeblitzt . War einfach schlechtes Timing , die hatten gerade einen Ausbruch und echt andere Sorgen . 

PRINZIPAL Ein Wort an diejenigen , die normalerweise nicht ins Theater gehen ? 

Schnieder: Oh Gott , ich bin doch kein Wanderprediger. Vielleicht funktioniert ja der 70er-Jahre-Werbeslogan von Langnese noch : Wer einmal leckt , der weiß , wie ’s schmeckt . Also , gönnen Sie sich das Risiko , einmal das zu machen , was ihre Nachbarn noch nie getan haben : Gehen Sie ins Theater . Gutes Theater ist wie eine ungeahnte Geschmacksexplosion : Sterneküche vs . Junk-Food-Empire . Und noch ein Wort an die ganz Modernen , die meinen , Web 2.0 wäre das „ Hotteste“. Ist es nicht . Falsch ! Die richtig heißen Sachen sind analog und in Echtzeit . Sie riechen und sind klebrig. Darauf kommt es doch an, sich Erfahrungen auszusetzen , die an die Substanz gehen können – und nicht medial sediert durch den Feierabend zu dümpeln . Und das passiert in den guten Momenten im Theater .

PRINZIPAL Vielen Dank .

13.04.2010 – Johannes Loy / Westfälischen Nachrichten: Kulturelle Saat trägt Früchte – 80 000 Euro mehr fürs Pumpenhaus

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13.04.2010 – Johannes Loy / Westfälischen Nachrichten
Kulturelle Saat trägt Früchte – 80 000 Euro mehr fürs Pumpenhaus

Münster – Das Pumpenhaus in Münster feiert in den kommenden Wochen nicht nur sein silbernes Jubiläum. Die in den vergangenen Jahren unter Intendant Ludger Schnieder geleistete und von vielen engagierten Tänzern und Schauspielern unterfütterte kulturelle Arbeit wird nun zusätzlich „versilbert“. Das Land Nordrhein-Westfalen wird von 2010 bis 2012 zusätzlich 80 000 Euro pro Saison in die münstersche Spielstätte investieren. Der CDU-Kulturpolitiker und Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg und der Kulturdezernent der Regierung Münster, Hans-Peter Boer, nutzten gestern die Gelegenheit, zusammen mit Intendant Ludger Schnieder auf erfolgreiche Theaterarbeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schauen.
Dass das Pumpenhaus Münster zur ersten Liga der so genannten Freien Theaterszene gehört, zeigt die Tatsache, dass das Land NRW nur drei Theater dieser Art landesweit zu den besonders erfolgreich und innovativ arbeitenden Spielstätten zählt und mit zusätzlichen Finanzmitteln ausstattet. Neben Münster ist noch das FFT (Forum Freies Theater) Düsseldorf und der Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr mit von der Partie.
„Das ist für uns ein Griff in den Honigtopf“, kommentierte Ludger Schnieder gestern gewohnt wortmächtig den Achtungserfolg der Spielstätte an der Gartenstraße. „Wir betrachten dies als Anerkennung unserer guten Arbeit!“ Die 80.000 Euro kommen aus zwei Fördertöpfen. Zum einen sind es 40.000 Euro für besonders herausragende und modern arbeitende Spielstätten, die anderen 40.000 Euro hatte das Pumpenhaus zur Förderung seines vielfach gelobten Tanztheater-Programms beantragt. Diese wurden nun ebenfalls durch das Land bewilligt. Thomas Sternberg und Hans-Peter Boer würdigten gestern vor allem die kulturelle Basis-Arbeit des Pumpenhauses. Neben hochkarätigen Gastspielen sei hier der Nährboden für viele hoffnungsvolle Talente der Theaterszene bereitet worden.
Ludger Schnieder weiß auch schon, wofür die Fördermittel ausgegeben werden sollen. Zum einen wird das Pumpenhaus einen zusätzlichen Raum für Tanztheaterproben im Probezentrum Hoppengarten anmieten, damit sich etwa lokale Tanzgruppen noch besser profilieren können. Außerdem soll das Geld für drei bis vier qualitativ hochwertige Produktionen pro Saison verwendet werden. Diese dürften den Ruf des Pumpenhauses als landesweit geachtete Spielstätte weiter nachhaltig stärken.