15.05.2008 – Martina Meißner spricht mit Tugsal Mogul im Juni-Stadtgeflüster: Wanderer zwischen zwei Welten

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15.05.2008 – Martina Meißner spricht mit Tugsal Mogul im Juni-Stadtgeflüster
Wanderer zwischen zwei Welten

Eine der Standardfragen beim gelangweilten Small-Talk ist: Was machen Sie denn so beruflich? Tugsal Mogul hat darauf eine spannende Antwort. Nö, er führt weder erfolgreich ein kleines Familienunternehmen, noch hängt er als Doppel-D-Promi im Dschungel ab. Tugsal Mogul hat die exotische Berufskombi aus Anästhesist und Schauspieler. Wie prima diese beiden Welten zusammenpassen, zeigt er jetzt auch noch als Regisseur in seinem Theaterstück „Halbstarke Halbgötter“.

Wie wird man gleichzeitig Arzt und Schauspieler?
Ich habe schon in der Schulzeit – ich bin ja in Neubeckum aufgewachsen, also um die Ecke – in der Theatergruppe Filou gespielt, habe erste Erfahrungen mit dem Theater gesammelt und das hat Riesenspaß gemacht. Nach dem Abitur habe ich in Lübeck Medizin studiert, aber immer so geliebäugelt mit einer Schauspielaus­bildung. Nach dem Physikum habe ich mich an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover beworben und bin auch genommen worden.

Haben Sie dann Ihr Medizinstudium geschmissen?
Nein, ich hatte gute Dozenten und mit deren Einverständnis habe ich es hinbekommen, parallel zu studieren. Ich habe mich für zwei Urlaubsemester befreit und dann erst mal an der Schauspielschule bis zum Vordiplom gearbeitet und studiert, also ich habe insgesamt neun Jahre studiert und habe dann beide Abschlüsse gemacht.

Ging’s dann erst in den OP oder auf die Bühne?
Zunächst habe ich lange Zeit Theater in Berlin, Hannover und Erlangen gespielt, habe aber auch gesehen, dass mir das Naturwissenschaftliche, Medizinische und Handfeste fehlte, sodass ich dann gesagt habe, okay, die Medizin gebe ich nicht ganz auf. Dann habe ich angefangen, in Berlin im Krankenhaus zu arbeiten, hab’ gedreht und ab und zu einen kleinen Kurzfilm gemacht.

Eine ungewöhnliche Berufswahl …
So ungewöhnlich auch nicht. Die Theater­welt ist ja sehr klein, und da kriegt man schon mit, dass viele noch ein zweites Standbein haben, unter anderem auch Mediziner sind oder so.

Spielen da auch finanzielle Gründe eine Rolle?
Ja, auf jeden Fall. Auch bei mir spielt das unter anderem eine Rolle, mit Medizin weiter zumachen. Man muss nicht jedes Angebot annehmen und muss nicht jeden Mist spielen, der einem angeboten wird. Den Luxus habe ich. Ich spiele gerade in Bonn als Schauspieler und arbeite halbtags in der Raphaelsklinik in Münster. Das Thema, was ich jetzt inszeniere, verbindet gut diese beiden Lebensläufe.

Wovon handelt Ihr Stück „Halbstarke Halbgötter“?
Ich habe über die Jahre hinweg Geschichten von Arztkollegen gesammelt. Geschichten aus dem OP-Alltag, aus dem Alltag auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und was da so passiert an skurrilen Situationen.

Also eine Komödie?
Nein, nein. Es ist beides drin. Teilweise wird es sehr humoresk werden, aber es wird auch um Geschichten gehen, die tragisch waren oder die die Leute sehr zum Nachdenken gebracht haben. Es soll kein Doku-Theater werden, so nach dem Motto „jetzt erzählen wir euch mal Arztgeschichten, so wie es ist, und die Ärzte packen aus“, nein, es wird eher eine Collage.

Aus welchen Elementen besteht die Collage?
Da sind einmal die vier Arztfiguren, dargestellt von Bettina Lamprecht, Carmen Dalfogo, Stefan Otteni und Dietmar Pröll, die ihre Geschichten erzählen, und ergänzt wird das mit Zitaten aus der Literatur, von der Antike über Tschechow bis zur Moderne. Es geht vor allem um das Innenleben der Personen. Deshalb werden die Schauspieler zum Beispiel EKGs bekommen. Ihre Werte wie Herzfrequenz, Puls und so werden auf Monitoren zu sehen sein.

Die liegen also auf ’ner Trage und sind am EKG festgestöpselt?
Ne. Die kriegen einen kleinen Computer um die Hüfte und werden mit verkabelt wie diese Microports, die man aus Musicals kennt, was man dann so an die Wangen oder an den Kopf klebt. Und dann sendet das an die Hardware Signale, die dann per Beamer an die Wand projiziert werden. Die hängen also nicht am Kabel wie so ’n Hund. Die Schauspieler haben übrigens alle bei mir einen Tag lang im Krankenhaus hospitiert, um sich auf die Rolle vorzubereiten.

Keiner umgekippt?
Ne. Die durften nicht so nah rangehen. Aber sie haben sich schon die OP-Kleidung angezogen und waren im OP und auf der Intensivstation. Es geht aber in dem Stück nicht um den Alltag in der Raphaelsklinik.

Bekommen Sie für Drehtage oder lange Bühnenproben Urlaub im Krankenhaus?
Ja, das habe ich jedes Mal gleich verhandelt. Ich habe mich immer mit beiden Lebensläufen beworben und auch gesagt, dass die Schauspielerei kein Hobby ist. Gott sei Dank hat das mit Urlaubstagen immer gut geklappt. Wenn man Theater macht, dann hat man natürlich so sechs Wochen Probenzeit, da kann man nicht noch nebenbei im Krankenhaus Narkosen machen.

Wie reagiert denn so ein Chefarzt bei einem Bewerbungsgespräch auf Ihren Lebenslauf?
Prinzipiell waren die Chefärzte immer angetan. Sie finden es gut, dass ich noch etwas anderes habe und nicht diese eingeschränkte Sicht eines Arztes auf das Leben. Durch die extreme Arbeitsbelastung gehen vielen Ärzten die Träume verloren. Ich glaube, diese Sehnsucht nach musischen oder künstlerischen Tätigkeiten ist bei vielen enorm. Man hat ja immer so ein Bild vom Arzt als Halbgott. Es ist aber nicht wie bei Emergency Room oder Grey’s Anatomy.

Sondern?
In diesen Serien wimmelt es von sehr hübschen, schönen Menschen, die stark sind, die gesund sind, verantwortungsvoll sind. Und wenn sie mal ne Schwäche haben, dann sind sie sympathisch in ihren Schwächen. Ich möchte jetzt die Ärzte nicht schlecht machen, aber schon zeigen, dass sie keine unantastbaren Persönlichkeiten sind. Und während es in den Arztserien immer total spannend zugeht, kann es im Krankenhaus schon mal sehr langweilig sein.

Echt?
Ja. Wenn man zum Beispiel eine OP macht, dann ist das schon eine sehr konzentrierte Arbeit, aber dabei passiert es natürlich nicht ständig, dass da ein Herzstillstand ist oder so. Es geht auch um Leben und Tod, auch hier in Münster, aber das ist dann doch eine andere Art, wie man untereinander redet in solchen Situationen.

Wie denn?
Die Sprache in den Krankenhäusern hat sich sehr verändert. Durch die Gesundheitsreform und Umstrukturierung geht es jetzt mehr um Kunden, um Risikomanagement, Fehlermeldung und Qualitätsmanagement. Also Begriffe aus der Wirtschaft. Auch dieses Thema wird im Stück aufgegriffen.

Wie werden Ihre Arztkollegen auf das Stück reagieren? Eher amüsiert oder werden sie sich entlarvt fühlen?
Das Beste wäre, wenn beides passiert. Auf der einen Seite will ich die Kollegen feiern, weil es ein toller, ehrenwerter Beruf ist, den sie machen. Auf der anderen Seite zeige ich die Diskrepanz, zum Beispiel, wie wir mit Patienten reden, wie wir über Patienten reden, sie auf Organe reduzieren.

Zum Beispiel?
Wir sagen nicht mehr: Frau Meier von Zimmer drei hat Bauchschmerzen,
sondern: Die Galle von Zimmer drei hat Beschwerden. Oder: Der Schilddrüse geht’s ganz gut und das Rektum kann morgen nach Hause gehen. Wegen der kurzen Zeit, die man hat, passieren solche Fauxpas. Ich will aber nicht den Beruf demontieren. Das Schönste wäre, wenn man bei dem Stück ein bisschen zum Nachdenken kommt, trotzdem schmunzelt und sagt: So ist es.

Vielen Dank für das Gespräch!

Tugsal Mogul
Wird am 13. Juli 1969 in Neubeckum geboren. Nach dem Abitur studiert er Medizin und Schauspiel. Er arbeitet zurzeit in Münster in der Raphaelsklinik als Anästhesist und Notarzt. Seit Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Hannover 1997 arbeitet er gleichzeitig als Schauspieler am Theater und im Film. „Halbstarke Halbgötter“ ist sein erstes Stück als Regisseur. Es hat am 15. Mai Premiere im Pumpenhaus.

14.05.2008 – Kaufen und Sparen schrieb: Die „Adam Riese-Show”: Politisch unkorrekt mit viel Sex-Appeal

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14.05.2008 – Kaufen und Sparen schrieb:
Die „Adam Riese-Show”: Politisch unkorrekt mit viel Sex-Appeal

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel” sang Connie Francis bereits 1960. Für die „Adam Riese Show” am vergangenen Samstag im ausverkauften Theater im Pumpenhaus wäre es der passende Titelsong gewesen. Denn fast alles kreiste um das Thema „Liebe”.
Erfolgsautorin Sandra Lüpkes verließ ihren Mann auf Juist, weil der erotische Wortwitz von „Wilsberg”-Erfinder Jürgen Kehrer sie verzauberte. Die bildhübsche Neumünsteranerin
gab sich im blumigen Strandkleid schön politisch unkorrekt.
Adam Riese (Ex-Kolumnist der „Münsterischen Sonntagszeitung”) entlockte ihr im goldglänzenden Designeranzug nicht nur Top-Tipps aus ihrem Trennungsratgeber, sondern fragte sie auch, wer denn ihr Trennungs-Seminar auf Spiekeroog besuchen soll, ohne das es dem Partner auffällt. „Nun jeder. Offiziell erhalten die Teilnehmer Zertifikate für einen Töpferkurs.”
Auch im weiteren Verlauf der 150-minütigen Show wurden die Zwerchfelle gut geölt. Etwa wenn Comedian Carsten Höfer von seinen Internet-Kontakten erzählte und schon am Passwort scheitere: „Ich gab einfach Penis ein. Doch das war zu kurz. Als ich Penisverlängerung eingab, klappte es.”
Siggi Mertens sorgte nicht nur für smoothige Gitarrensounds in der Showband „Markus Paßlick  und seine Original Pumpernickel”. Nach seinen prägnanten „Satisfaction”- Riffs war klar, warum seine Gitarrenschule im Internet innerhalb der vergangenen Wochen bereits 1,5 Millionen Mal angeklickt wurde.
Neben Sidekick Markus Paßlick avancierte der ultracoole Johnny Ketzel zum Publikumsliebling. Mit blinkenden Namensgürtel, schlagfertiger Selbstironie und schön abgefackelter Münster-Hymne bewies er, dass er mehr ist, als nur die deutsche Stimme von Johnny Cash. Der gelernte Zimmerer  verblüffte etwa bei den „Ikea-Bauanleitungen”, eines der flotten Spiele, mit denen Adam Riese seine Talks auflockerte.

Einer der romantischen Höhepunkte: Sandra Lüpkes singt im Duett mit Johnny Ketzel den Carter/Cash-Klassiker „Jackson” in einer neuen, prickelnden Version.

Das Gesangduett von Ketzel und Lüpkes besaß ähnlichen Sex-Appeal wie weiland Robbie
Williams und Nicole Kidman. Spätestens mit dem Improvisations-Theater-Finale, in dem Riese als thailändischer Kung-Fu-Kämpfer sowie Paßlick und Höfer als rappende Zähneputzer begeisterten, war klar: Selbst bei heißem Pfingstbadewetter und „DSDS”-Konkurrenz: Talk-Unterhaltung kann so schön sein, wenn sie wie bei der Adam Riese Show von Herzen kommt.

13.05.2008 – Friedemann Bieber in den Westfälischen Nachrichten: Adam-Riese-Show im Pumpenhaus zum Talk-Thema “Liebe”

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13.05.2008 – Friedemann Bieber in den Westfälischen Nachrichten
Adam-Riese-Show im Pumpenhaus zum Talk-Thema “Liebe”

Münster. Die Szene wirkt perfekt: eine graumelierte Talk-Couch, eine Assistentin in Rot, die Wassergläser serviert, eine vierköpfige Show-Band. Adam Riese könnte in einem Fernsehstudio moderieren. Doch der Showmaster trägt den schnieken Anzug für keine Kamera. „Das hat nichts vom ZDF – mein Publikum ist jünger!“ Die Show läuft live auf der Bühne im Pumpenhaus. Der Reihe nach bittet Riese die Münster-Prominenz auf sein Sofa: Autorin Sandra Lüpkes, Musiker Johnny Ketzel und Comedian Carsten Höfer. Ihr Talk-Thema: Liebe.

„Ich bin jetzt Trennungsexpertin“, konstatiert Lüpkes. Die Autorin verließ ihre Familie, entdeckte dabei eine „Marktlücke“ und schrieb den Trennungsratgeber „Ich verlasse dich“. Die Geschiedene lässt keine Frage offen. Nach ihrem Bestseller plant sie ein „Undercover-Trennungsseminar“ auf Spiekeroog. Offiziell bescheinigt sie den Teilnehmern einen Töpferkurs. Ihre eigene Liebe zog die Ostfriesin von Juist nach Gievenbeck. „Mit seinem Wortwitz“ eroberte Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer die Autorin.

„Abschiedslieder sind meine Spezialität“ – Johnny Ketzel hat schon einige Beziehungen hinter sich, doch Freundin Simone ist „die erste Frau, von der ich Liebesgedichte bekommen habe“. Neben ihr liebt der Musiker Jonny-Cash-Hits, die er auf Deutsch interpretiert. Zwischendurch stürmt der Rebell auch mal den Rathaussaal, packt den Sicherheitsbeamten an der Krawatte und beißt ihm „leicht“ in den Hals.

Höfer wurde von seiner Frau verlassen. Der Comedian dachte die historische Entwicklung weiter: Lebensgefährte, Lebensabschnittsgefährte – er nennt sich „Tagesabschlussgefährte“. Den Namen seines aktuellen Programms verraten die bedruckten Kniestrümpfe. In einer Kostprobe schwadroniert der Glatzkopf über Singlebörsen und ein banales Problem: Welche Haarfarbe soll er nur angeben? Rieses Gäste füllen den Abend mit lustigen Anekdoten. Zwischendurch stellen sie sich Quizfragen zu den Themen „Masematte“, „Münster“ oder „Ikea-Bauanleitungen“. Lüpkes singt Chansons, Ketzel rockt mit rauer Stimme seine Münster-Hymne, die Band „Pumpernickel“ begleitet. Showmaster Riese meistert den kurzweiligen Abend genauso souverän wie eine Einlage als Improvisations-Schauspieler. Der 41-jährige präsentiert rund drei Stunden spritziges Entertainment mit kräftigem lokalem Bezug. Wer Talk-Shows mag, dem bietet Riese einen Ehrenplatz – direkt vor seiner Couch.

12.05.2008 – Wolfgang Halberscheid in www.echo-muenster.de / Perfekt gemacht: Adam Riese entlockt den Talk-Gästen überraschende Interna

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12.05.2008 – Wolfgang Halberscheid in www.echo-muenster.de
Perfekt gemacht: Adam Riese entlockt den Talk-Gästen überraschende Interna

Was tun, wenn SIE von IHM, dem Gatten, die Nase gestrichen voll hat? Regel Nummer 1: frühzeitig alles kopieren, was an Kreditverträgen oder Kontoauszügen greifbar ist – um später an den Ex fundierte Ansprüche zu richten. Moderator Adam Riese verleitet Interviewpartnerin Sandra Lüpkes während der gleichnamigen Unterhaltungsshow im Pumpenhaus zu etlichen praktischen Alltagstipps.

So veröffentlichte die Wahl-Münsteranerin (s. Duett-Foto mit Johnny Ketzel) jüngst ein bundesweit registriertes Nachschlagewerk, wie hoffnungslos entliebte Pärchen ihre Verhältnisse ad acta legen können. Die „Trennungsexpertin“ hat aber am Vorabend des Pfingstfestes noch weitaus mehr zu bieten: Als Chanson-Sängerin, die zudem eine höchst saubere Trompete bläst, zeigt die Autorin und Liedermacherin beachtliche Talente.

Beziehungs-Dschungel

Vielseitig begabt, weiß sie sich charmant darzustellen. Verrät dabei sogar persönliche Geheimnisse – etwas jenes, auf welche Weise Berufskollege Jürgen Kehrer, der neue Lover an ihrer Seite, Punkte sammelte. „Der hat mich mit Wortwitz `rumgekriegt.“ Die ideale Partner-Konstellation – ganz allgemein? Da braucht die Pastorentochter nicht lange zu überlegen, grinst gleich schelmisch in die Runde: „Hypochonder trifft auf Helfer-Syndrom…“-

Dass im komplizierten Beziehungs-Dschungel häufig nur der Tagesabschlussgefährte favorisiert wird, darüber philosophiert beredt Frauenversteher Carsten Höfer (s. Foto links). Ehemals Sport- und Germanistik-Student – bis er Mitte der Neunziger, im besten Sinne, auf der Bühne hängen blieb. Seitdem zieht er bundesweit durch die Republik – und bringt es inzwischen fertig, dass sich seine Zuhörer nach dem Auftritt, beim Absacker an der Theke, völlig begeistert die Gags nacherzählen.

Pate im Allwetterzoo

Der Kabarettist offenbart, quasi nebenher, noch zusätzliche Qualitäten: In der Rolle des Lehrmeisters animiert er Talk-Master Riese, aber auch dessen musikalischen Leiter Markus Paßlick zu amüsantem Improvisations-Theater, outet sich zudem als engagierter Pate über die Pfauen-Welt des Allwetterzoos. Schließlich war da die Sache mit der Kaffeetesterei: Vor Urzeiten musste Höfer – er war jung und benötigte das Geld – schwarze Bohnen auf Geschmackstauglichkeit testen. Der Stand-Up-Comedian lässt sowieso keinen Zweifel daran: Um sich im Business zu behaupten, hatte er hart zu ackern. Mittlerweile kann er es sich jedoch leisten, bei einem italienischen Herrenausstatter den Ausgeh-Anzug zu ordern… genau der, den Riese seinerseits bevorzugt. Zwischen den beiden, da blüht der Flachs – wenn nicht Höfer den “geileren Gürtel” besäße…

Anekdoten aus dem Arbeitsleben

Ähnliches gilt für Wolfgang Scherbening alias Ketzel (s. Foto rechts), den Vollblut-Entertainer. Der flezt sich genüsslich in die Sofaecke, plaudert und plaudert und plaudert. Witzig, locker, schlagfertig, den flapsigen Spruch immer auf der Lippe. Gemeinsam mit Siggi Mertens, dem einstigen Rockmusikbeauftragten der Stadt, verlor er sein Herz an Johnny Cash, die US-Ikone, interpretiert die Songs des Amerikaners nun mit zunehmendem Erfolg auf deutsch.

Privates gibt Ketzel ebenfalls gerne preis: Zu Beginn der Neunziger gebärdete er sich besonders wild, sprengte zum Entsetzen der Ordner eine komplette Ratssitzung, trotzte dabei den Kommunalpolitikern per Bürgerantrag mehr Probenräume ab. Heute ist der frühere „Halbtagstischler“, jetzige „Halbtagserzieher“ erheblich ruhiger geworden. Doch für süffisante Bemerkungen über das Arbeitsleben schlechthin reicht’s bei ihm allemal. O-Ton: “Ich lasse mir nichts gefallen.”

Akribische Vorbereitung

Dank akribischer Vorbereitung entlockt Riese den Ehren-Gästen verblüffende Interna. Die stärksten Szenen aber spielen sich stets dann ab, wenn er das Gegenüber überrascht, einfach aufs Glatteis führt: So muss Holzhandwerker Scherbening IKEA-Baupläne entziffern oder beim Masematte-Quiz Begriffe wie „Bölkenpani“ erklären, Lüpkes wiederum hat beim Vergleich zwischen der Westfalen-Metropole und dem Heimatort Juist die individuellen Favoriten zu benennen, Höfer letztlich bleibt klarer Sieger beim MS-Wissens-Check. Und zwischendurch, von Bandleader Paßlick souverän betreut, swingen die Original Pumpernickel durch das Programm.

Fazit unterm Strich: Zum Schluss spart das Publikum nicht mit Applaus. Es war zweieinhalb Stunden lang Zeuge eines perfekt gestylten Vergnügens. Auf Wiedersehen im Herbst.

Wolfgang Halberscheidt

12.05.2008 – Helmut Jasny: Warum Sandra Lüpkes Juist verließ

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12.05.2008 – Helmut Jasny
Warum Sandra Lüpkes Juist verließ

MÜNSTER Der Liebe wegen, klar. Warum sonst sollte man den vertrauten Mikrokosmos der Insel Juist gegen die brausende Großstadt Münster eintauschen.

Nein, nein, Johnny Ketzel ist nicht der Neue an Sandra Lüpkes Seite, auch wenn die beiden sich hier verliebt in die Augen schauen. Das ist alles nur gespielt. Die Autorin verließ Juist wegen dem Mann, der Wilsberg Leben einhauchte…
Die Arbeit kann es nicht gewesen sein. Sandra Lüpkes schreibt Bücher, und diese Tätigkeit lässt sich bekanntlich überall ausüben. Sogar in Gievenbeck, wo sie zusammen mit Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer eine neue Heimat gefunden hat. Und weil das den Münsteraner interessiert, hat Adam Riese sie zu seiner Talkshow ins Pumpenhaus eingeladen.

“Er war noch zu haben…”

Hier erzählte die Krimiautorin, Sängerin und Pastorentochter, wie es dazu kam („Erstens war er noch zu haben…“), und gab bei der Gelegenheit auch einige praktische Tipps für Menschen, die sich von ihrem Partner trennen wollen. Seit Erscheinen ihres Ratgebers „Ich verlasse Dich“ gilt sie nämlich als Spezialistin für so etwas. Bleibt zu hoffen, dass sie auf ihre Kenntnisse so schnell nicht wieder angewiesen ist. In den neuen Mikrokosmos Münster scheint sie sich gut eingelebt zu haben. Jedenfalls zog sie beim Einbürgerungstest den Aasee der Nordsee vor.

Bei Adam Riese auf dem Sofa

Wolfgang Scherbening, besser bekannt unter dem Künstlernamen Johnny Ketzel, treibt sich schon immer in Münster herum. Mit seiner Band „Die Schließer“ hat sich der gelernte Tischler auf deutsche Coverversionen von Johnny Cash spezialisiert. Bei Riese auf dem Sofa erzählt er, wie er 1990 mit seinem Antrag auf Proberäume für lokale Bands eine Ratssitzung stürmte. Dann gibt er seine Münster-Hymne „Das verdammte Nest“ zum besten. Beim Masematte-Test jedoch scheitert er grandios. Aber er scheint die Sache auch nicht richtig ernst zu nehmen.

“Big Balls”

Der gebürtige Essener Carsten Höfer ist einst zum Studium nach Münster gekommen und hat dann als „Frauenversteher“ und „Tagesabschlussgefährte“ die Kabarettbühnen erobert. Eine Kostprobe seines Talents gibt er als Partnersuchender im Internet, wo er aber schon am Passwort scheitert. Sein „Penis“ ist zu kurz. Punkten kann der Patenonkel von zwei Pfauen im Allwetterzoo dann beim Münster-Quiz. Auch wenn er die „Giant Pool Balls“ am Aasee zu „Big Balls“ verballhornt.

07.05.2008 – Sabine Müller in der MZ: Der Herr Doktor macht Theater

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07.05.2008 – Sabine Müller in der MZ
Der Herr Doktor macht Theater

MÜNSTER Auf dem OP-Tisch haben mehrere tausend Frauen durch einen Kaiserschnitt ihr Kind bekommen. Vier Schauspieler stehen um ihn herum: grün bekittelt, Häubchen überm Haar, der Mundschutz lässt die Augen frei. Tugsal Mogul ist ihr Regisseur. Und er ist Arzt. Facharzt. Für Anästhesie und Notfallmedizin. Halbtags. In der Raphaelsklinik in Münster.
Nein, Tugsal Mogul ist nicht halb Arzt, halb Theatermann. Er ist ganz Arzt. Und ganz Theatermann. Denn beides hat er studiert: Medizin und Schauspiel. In Hannover. In Berlin übte er beide Berufe aus. Er arbeitete in der Chirurgie, in der Psychiatrie, in der Anästhesie und in der Notaufnahme. Im oft unbezahlten Urlaub stand er dann auf der Bühne.

“Halbstarke Halbgötter”
In Münster kann Mogul zum ersten Mal beide Metiers vereinen. Und er ist zum ersten Mal Regisseur. Aus all den Geschichten und Anekdoten, die er in seinem Arztleben von Kollegen gesammelt hat, hat er zusammen mit vier Schauspielern die Theatermontage „Halbstarke Halbgötter“ geformt. „All die absurden Geschichten, die man im Krankenhaus erlebt, kommen hier zusammen“, so Mogul. Die 24-Stunden-Dienste, die oft zu 28 Stunden-Diensten wurden. Die Bauchschmerzen, die Mogul vor Hunger hatte, weil der Krankenhausalltag wieder mal kein Mittagessen zuließ. Auch das große Tabu: Wenn Ärzte Fehler machen. Schauspielerin Bettina Lamprecht (bekannt als Comedydarstellerin bei Bastian Pastewka und Anke Engelke) erklärt, was am Theatermachen mit Mogul so anders ist: „Wir probieren nicht aus, wie etwas sein könnte, er weiß einfach, wie es tatsächlich ist.“

Uraufführung im Pumpenhaus
Und alle scheinen darauf gewartet zu haben: Die Uraufführung in Münsters Theater im Pumpenhaus ist fast ausverkauft. Und auch die Folge-Vorstellungen sind stark gefragt.

Die Bühne wird im Pumpenhaus zum Operationssaal. Für Mogul ein mystischer, fast religiöser Raum: „Dort herrscht eine Atmosphäre, wie ich sie sonst nur aus Kirchen oder Moscheen kenne.“ Ein heiliger Raum, wie er sagt, in dem die Gesetze der Sterilität eingehalten werden müssen, wo das Händewaschen wie ein Ritus vollzogen wird. Und wo die Schauspieler – ganz in echt – eine OP erleben durften. Ein Erlebnis, dass ihnen den „Respekt vor dem Arztberuf“ wieder klar gemacht habe. Weil ein kleiner Schnitt über Leben und Tod entscheiden kann.

Herztöne flimmern

Da kann das Herz schon mal höher schlagen. Und die Zuschauer werden es sehen: Die Schauspieler hängen während des Stücks an EKG-Geräten, ihre Körperwerte werden auf eine Leinwand übertragen. Die Geräte sind alle echt. Wie der OP-Tisch, auf dem so viele Frauen entbunden haben.

Premiere: 15. Mai. Weitere Termine: 16., 17., 18. Mai, jeweils 20 Uhr.

24.04.2008 – Isabell Steinböck (Westfälischen Nachrichten) über Yasmeen Godder

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24.04.2008 – Isabell Steinböck (Westfälischen Nachrichten) über Yasmeen Godder
“Sudden Birds”: Sexualisierte Gewalt und Beziehungslosigkeit

Münster – Zwei Frauen stehen einander gegenüber. Eine dritte drängt sich dazwischen, liebkost erst die eine, dann die andere und stößt die beiden schließlich brutal zusammen. Dann visiert sie eine der beiden an, packt sie an den Hüften und tanzt mit ihr kreischend wie ein pubertäres Mädchen über die Bühne. Ein böser Blick, ein Schlag in die Magengrube, und der Spaß ist vorbei.
Zweier- und Dreierkonstellationen bilden sich immer wieder aufs Neue, zeigen hysterische, an den Wahnsinn grenzende Zuneigung ebenso wie abrupte Gewaltanwendung. Schrille, hohe Töne bilden den passenden Klangteppich, ergänzt durch assoziative Live-Musik eines elektrischen Cellos.
„Sudden Birds“ heißt die Produktion von Yasmeen Godder, die im Pumpenhaus zu sehen war. Die Israelin, die sich an der New Yorker High School of Performing Arts im Tanz ausbilden ließ, gehört zu den großen zeitgenössischen Choreografinnen ihres Landes. Für ihre Performances, die sich immer wieder mit extremen Emotionen auseinander setzen, ist Godder unter anderem mit dem „New York Dance and Performance Bessie Award“ ausgezeichnet worden.
Auch in „Sudden Birds“ zeigt sie Bilder sexualisierter Gewalt und Beziehungslosigkeit. Auf der weißen, leeren Bühne werden die Tänzerinnen zu Marionetten, preisen einander ihre Schönheit an, um wieder und wieder wie Fetische missbraucht zu werden.
Yasmeen Godder bringt mit ihren vier Darstellerinnen eigene Charaktere auf die Bühne, zeigt Weiblichkeit ebenso wie Androgynität oder männlich-brutale, durch sexuelle Begierde und Dominanz geprägte Gewalt. Dass die Choreografie immer wieder um dieses Thema kreist, sorgt mitunter für Längen, dafür überzeugt die Qualität des Tanzes: präzise aufeinander abgestimmte, schnelle Bewegungen, Kontaktimprovisationen und zeitgenössischer Tanz, der sich steigert, bis alle vier synchron agieren.
Gefühle, wie Verletzlichkeit oder Schmerz, werden ausgespart. Umso stärker der Schluss: verzweifelt klopft eine der Tänzerinnen an die Brust einer anderen, bettelt um Zuneigung und wird doch zu Boden geworfen. Mit verdrehten Gliedern bleibt sie liegen, weint, schmerzvoll verzerrt. So lange, bis echte Gefühle möglich werden und die anderen ihre Hand halten – ein Moment, der unter die Haut geht.

18.04.2008 – Christian Steinhagen, Westfälische Nachrichten: Dem Prekariat sein Denkmal

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18.04.2008 – Christian Steinhagen, Westfälische Nachrichten
Dem Prekariat sein Denkmal

Münster. „Prekarier aller Länder, vereinigt euch!“ Laut schallt die Durchhalte-Parole durchs Pumpenhaus. Denn durchzuhalten und auszuhalten haben sie mehr als genug; Emily und Esther, die sich trotz Ausbildung durch ständige Praktika, Projekte und Gelegenheitsjobs quälen müssen. Und das ohne jegliche Aussicht auf eine reguläre Anstellung wie in den goldenen Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Konsequent hat sich das Frauenduo auf die Notlage eingestellt: Da eine Wohnung unbezahlbar geworden ist, ziehen sie in einem gammeligen Wohnwagen den Primitivjobs hinterher. Daher stammt der Name des Stückes „White Trailer Park Trash“, das mit „Wohnmobilparks für den Abschaum der Weißen“ übersetzt werden kann, und mit dem sich Theatermacher Ralf Hinterding in Münster vorstellt.
Im Winter ist es darin eiskalt, im Sommer wie im Brutkasten: „Total naturverbunden – man kriegt die Jahrezeiten direkt mit!“, so der angewandte Sarkasmus der beiden Entwurzelten. Besonders schön dabei ist der dringende Gesichtsausdruck von Emily Kraus und Esther Urbanski.
Intelligent wurde diese Zwangsmobilität dramaturgisch umgesetzt. Neben den Bühnenszenen wird auch live aus dem Wohnwagen übertragen, der hinter dem Pumpenhaus steht. In dem Pappwagen fühlen sich die beiden Frauen ungeschützt und suchen sich daher noch einen männlichen Mitbewohner – zu zeitgemäßen Konditionen: „Er ist Afrikaner und Asylant – wenn er nicht tut, was wir sagen, melden
wir ihn beim Amt, und er wird ausgewiesen!“
Dann dämmert den Damen eine unternehmerische Idee. Einen Security-Service – in „Gievenbeck, der Einfamilienhaus-Hölle“. Schnell wird noch etwas nachgeholfen und einige „Hartz-eleven-Bezieher“ als fanatische Islamisten mit schwarzem Rollkoffer umgestylt, um den Gievenbeckern die akute Bedrohung zu simulieren. Aber es hapert mal wieder am Finanziellen: Beschützen lässt sich jeder gern, aber dafür zahlen . . ..
Und weiter ziehen die Frauen den Wohnwagen mühsam durch den real existierenden Siemens- und Nokiastaat. Dabei fällt ihnen wieder etwas zum Durchhalten entgegen. Von dem Buch mit dem dynamischen Titel „Auf den Straßen des Sieges“ erhoffen sich Emily und Esther weitere Anregungen. Leider vergeblich, denn der Untertitel verweist auf einen sehr speziellen Unternehmensberater: „Mit dem Führer in Polen“. Eine Kostensenkung in eigener Sache gelingt ihnen dann doch noch auf bizarre Weise: Durch die kulinarische Verwertung eines Leidensgenossen lassen sich die Essensrationen beträchtlich erhöhen.
Ein Kompliment gebührt Andi Umpfenbach, der die Tücken von Kamera, Video und Außenübertragung komplett im Griff hatte.

04.04.2008 – Gerd H. Kock in den Westfälischen Nachrichten Schöner Realitätsverlust

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04.04.2008 – Gerd H. Kock in den Westfälischen Nachrichten
Schöner Realitätsverlust

Münster. Man möchte dazwischenrufen „Moment mal, da stimmt doch was nicht“. Doch schon spricht der Mann weiter. Und spricht. Und spricht. Und spricht. Ein fast ununterbrochener, gleichmäßiger Strom an Worten saugt und drückt die Aufmerksamkeit mächtig an sich. Dabei heißt das Stück „Still leben“.

Immerhin der Anfang ist „still“ – optisch zumindest. Das Licht im Keller des Pumpenhauses geht aus, bleibt – je nach Gemütslage – beruhigend oder beängstigend lange aus. Und dann ist der Mann da. Der spricht den Text des Briefromans „Still leben“ von Jan Peter Bremer. Den hat das Theater „Loco Mosquito“ als Monolog eingerichtet.

Die Ausgangslage hört sich total öde an: Ein Mann mit seiner Familie allein auf einer Hütte in schönster Natur – das klingt nach langweiliger Idylle. Bühnenverson nach Buchvorlage – das klingt nach langwieriger Rezitation. Ein Schauspieler monologisiert – das klingt nach langem Atem. Aber plötzlich sind gute 70 Minuten vorbei. Wie kommt’s?

Der Text ist perfide und die Inszenierung auch. Minimal-Irritationen allüberall. Patrick Wildermann hat in seiner sorgsamen Inszenierung nicht das Selbstgespräch eines Briefe schreibenden Zivilisationsflüchtlings geschaffen. Die Zuschauer sind keine Voyeure, die der simplen Story einer psychosozialen Eskalation beiwohnen. Sie werden durch die Sprache des Autors und die Ansprache des Akteurs zu einem Teil des schönen Spiels rund um den Realitätsverlust. Denn in „Still leben“ ereignet sich keine Geschichte, sondern es ereignet sich Sprache.

Jan Peter Bremer hat feine, anscheinend scheinbar falsche Fäden in die Erzählung gelegt, Fährten, die auch Leitfäden sein könnten. Der Hörer versucht Zusammenhänge herzustellen. Die aber zerbröseln unmerklich, aber stetig und vor allem an einer Figur, die ständig präsent, aber nicht anwesend ist: „Mein lieber Freund“.

An diesen Freund richten sich die Briefe. Er hat ebenso wenig einen Namen wie die Frau, die Tochter und der Sohn. Die Familie lebt auf einem namenlosen Berg, in einem namenlosen Tal – ein vielsagendes Überall, ein omnipräsentes Nirgends.

Gian-Philip Andreas gestaltet den prosa-lyrischen Text bewundernswert sicher. Aber vor allem bringt Andreas das irre idyllische Glück zum Leuchten. Und er treibt die zunehmende Verwirrung, die Wut, den Wahn nicht ins Psychopathische. Andreas kreiert gespenstische Magie, die schon der Text verspricht: „Ich bin ein Wunsch. Du bist mein Freund.“ „Wenn man sich so lieb hat wie wir, ist Enge der größte Reichtum.“ Wenn das keine Drohung ist . . .?

Das Publikum (darunter der Berliner Autor und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Jan Peter Bremer selbst) nahm die Uraufführung mit begeistertem Applaus auf.

Weitere Aufführungen: 16., 24. und 27. April jeweils 20 Uhr im Pumpenhaus. Karten: 23 34 43.

18.04.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung: Die Empfänger von Hartz 11

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18.04.2008 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung, 18.04.08
Die Empfänger von Hartz 11

Münster. Sie sind jung, motiviert und derart flexibel, dass sie gar nicht mehr wissen, wo sie hinsollen. Deshalb ziehen sie in einem alten Wohnwagen durchs Land, immer auf der Suche nach einem Putzjob oder sonst einer untergeordneten, schlecht bezahlten Tätigkeit.
Denn eine Wohnung können sie sich schon lange nicht mehr leisten. Zumindest nicht in den großen Städten, wo es ab und zu noch Arbeit für sie gibt.
„White Trailer Park Trash“ nennt Ralf Hinterding seine bitterböse Satire über die Arbeitswelt von morgen, mit der das Münchner Ensemble uncertainty production noch bis Sonntag in Münsters Pumpenhaus gastiert. Man ist mittlerweile bei „Hartz Eleven“ angelangt. Was früher Mittelstand war, hat sich fast vollständig im Prekariat aufgelöst. Zu diesem gehören auch Alex und Claudia. Zusammen mit ihrem Leibwächter, einem Asylbewerber aus Nigeria, ziehen sie den letzten Jobs hinterher. Später kommt der Exfreund von Alex hinzu und versucht die Arbeitskraft der Mädchen ans Publikum zu verhökern.
Nicht romantisch
Das Stück ist eine gelungene Mischung aus Road Movie und Crashkurs für Globalisierungskritiker. Durch die geschickte Verknüpfung von Spiel- und Videoszenen mit aktuellen Slogans aus Wirtschaft und Politik werden aus unpersönlichen Statistiken menschliche Schicksale. Manchmal versuchen die Protagonisten ihr unfreiwilliges Nomadentum romantisch zu verklären. Von Zigeunerleben und Goldgräberstimmung ist dann die Rede. Aber insgeheim träumt doch jeder von einer bürgerlichen Existenz mit Eigenheim, Hollywoodschaukel und Zahnarzt-Zusatzversicherung.
Wortwitz
Dass die an sich düstere Utopie nicht in Depression abgleitet, dafür sorgen Hinterdings Wortwitz und eine gehörige Portion Selbstironie seitens der Darsteller. Deren spritziges Spiel und die enge Verbindung von Komik und Kritik machen die Inszenierung so sehenswert.