12.12.2008 – Stadtwerke fördern Theater

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12.12.2008 
Stadtwerke fördern Theater

Münster. Weihnachtsspenden für gute Zwecke hat fast jede Firma im Jahresetat. Wenn aber ein Unternehmen es nicht bei der einmaligen Geldzahlung belassen, sondern eine Patenschaft übernehmen will, dann muss es schon eine starke Verbindung zu dem unterstützten Projekt geben. Für die Stadtwerke und das Theater Sycorax heißt dieses Bindeglied mit einem Wort „Energie“.
Seit 1996 schon arbeitet das Theater Sycorax mit Menschen, die psychische Grenzerfahrungen gemachten haben. Immer wieder gelingt es den beiden Leitern Paula Artkamp und Manfred Kerklau, mit den Laienspielern professionell zu arbeiten und durch die ausgewählten Themen auch viel Authentizität in die Präsentation der Stücke zu legen.
Das alles geht natürlich nicht ohne „reichlich Energie und die nötigen finanziellen Hilfsmittel“, weiß Sprecherin Rita Roring. Die Energie bringen alle Mitarbeiter zweifelsohne bei jeder Probe und jeder Aufführung mit. Die Finanzen hingegen sind oft ein hartes Stück Überzeugungsarbeit.
Momentan arbeitet das Ensemble, das sich stets aus zwölf bis 15 Personen zusammensetzt, an einem Stück mit dem Arbeitstitel „Tatendurst“, dessen Idee Manfred Kerklau so beschreibt: „Das Stück handelt von der Arbeit und der Muße und stellt Fragen nach dem Zusammenhang von sozialem Leben und Arbeit.“ In der Entwicklung der Collage beschäftigt sich das Ensemble aber auch ganz intensiv mit der Frage der Arbeitslosigkeit und dem dadurch entstehenden Stand in der Gesellschaft.
Für den Leiter der Stadtwerke, Dr. Henning Müller-Tengelmann, bot das Sycorax-Theater gleich mehrere Anknüpfungspunkte: „Zum einen erkennen wir als lokaler Versorger auch unsere Verantwortung für lokale Projekte.“
Zum anderen komme das kulturelle Angebot bei Fördermaßnahmen im Gegensatz zu sozialen Projekten meist zu kurz, obwohl „Kunst ohne Förderung nicht lebensfähig“ sei. Bei der neuen Patenschaft, die mit einer Spende von 5000 Euro startet, liefern die Stadtwerke der integrativen Theatergruppe im Pumpenhaus nun also sowohl soziale als auch kulturelle Unterstützung.So warten die Beteiligten schon jetzt gespannt auf das Jahr 2009, das nämlich nicht nur die Premiere des Stücks im April vorsieht, sondern auch eine Zusammenarbeit auf anderen Ebenen: „Die Unternehmen können gegenseitig Öffentlichkeitsarbeit machen“, erklärte Stadtwerke-Sprecherin Petra Willing. Außerdem sind Auftritte der Gruppe bei Firmen-Events der Stadtwerke sowie ein Theater-Workshop auf dem Programm.

23.11.2008 – Isabell Steinböck in den Westfälischen: Nachrichten Düster und ein wenig verrückt

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23.11.2008 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten
Düster und ein wenig verrückt

Münster. Er dreht sich mit ihr – mal sitzt sie auf seinen Schultern, mal springt sie ihm auf die Hüfte, macht sich steif wie ein Brett. Ihre langen Haare fliegen, die Löcher der zerrissenen Jeans klaffen auf. „You will find me in the garden…“, tönt die Musik in dem Duett „Ven“, und tatsächlich hat man den Eindruck, als würde das Paar einander über den Rasen jagen, irgendwo im Halbdunkel, um schließlich auf eigenwillige Weise miteinander zu verschmelzen.
Die „Compañia Entremans“ spricht eine Tanzsprache, die ohne große Gesten und Symbole auskommt, auch die Bühnenausstattung ist auf das Sparsamste reduziert. Den fünf Tänzerinnen und Tänzern, die ihre Stücke gemeinsam choreografieren, reichen ihre athletischen Körper, die sie bis an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Da werden atemberaubende Saltos geschlagen, jeder einzelne Muskel spricht – etwa, wenn Ana Beatriz Perez Enriquez aka Betty in „Hasta que no te locomas todo“ mit ihren Schultern Geschichten erzählt oder wenn Alexis Fernandez Ferrera aka Macas Waschbrettbauch sich in „Dejandome“ dem Widerstand von Kirenia Martinez Acosta aka Kire entgegensetzt. Und die Art, wie Maca den Kontakt zur Spanierin Caterina Varela Garea aka Kate sucht, wie er ihr auf den Schultern sitzt, leicht wie eine Feder auf die Finger springt und sie schließlich – ihre Hände unter seinen Fußsohlen – hinter sich herzieht, ist einzigartig.
Vier deutsche Erstaufführungen hat die erstklassige Company am Freitag und Samstag im Pumpenhaus gezeigt, dabei sind sie in Europa noch weitgehend unbekannt. Entdeckt wurden die kubanischen Tänzer, die im spanischen Exil leben, von dem Tänzer und Choreografen Samir Akika, der seit Jahren eng mit dem Theater im Pumpenhaus in Münster zusammenarbeitet.
In seiner Reihe „Raw like Sushi“ hat der ehemalige Pina Bausch-Tänzer hier bereits einige sehenswerte Companys gezeigt und dabei ein Insider-Wissen im Bereich des zeitgenössischen Tanzes bewiesen, dem das Publikum vertrauen kann. Dass er „Entremans“ auf die Bühne bringt, ist ein Highlight, ebenso wie Julio Iglesias Ungo aka Julito, der unabhängig von der Compañia agiert und durch seine Arbeiten mit Choreografen, wie Samir Akika oder Wim Vandekeybus etwas bekannter ist als seine kubanischen Landsleute. Mit „Breath Fragment“ zeigte er an beiden Abenden ein furioses Solo, das, ähnlich wie die Entremans-Produktionen, düster, melancholisch und ein wenig verrückt wirkt. So gelingt es ihm tatsächlich, sich in dem surrealistisch anmutenden Stück in einen nach Luft schnappenden Fisch zu verwandeln, und das mit einer Kraft und Virtuosität, die man nicht so leicht vergisst. Am kommenden Wochenende, vom 28. bis zum 30.11., sind die nächsten Produktionen in der Reihe „Raw like Sushi“ zu sehen. Kartentelefon: 23 34 43.

Isabell Steinböck

15.11.2008 – Caroline Kern in www.echo-muenster.de: „Auf Nummer Unsicher“: Generation P muss sich vor dem Abseits hüten

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15.11.2008 – Caroline Kern in www.echo-muenster.de
„Auf Nummer Unsicher“: Generation P muss sich vor dem Abseits hüten

„Ich weiß halt irgendwie, dass ich nicht blöd bin“, stammelt Pascal, der angehende Regisseur. Er will zeigen, was er gelernt hat, und nicht mehr nur ein Praktikum nach dem nächsten absolvieren. Stichwort: „Generation P“ – was bedeutet das? P wie Praktikum, aber auch P wie prekär, wie planlos, wie provisorisch.
Adjektive, die zum gemeinsamen Nenner für eine Art eigene Spezies geworden sind. Ein Porträt dieser Generation entwarf am Donnerstagabend das gleichnamige Projekt von Theater Bonn und Fringe Ensemble auf der Bühne des Pumpenhauses – ein Schreckensbild, komisch und beängstigend zugleich. Das Stück, es handelte von jungen Akademikern, auch Dauerpraktikanten genannt, die mit abgeschlossener oder abgebrochener Hochschulausbildung auf der Suche sind nach einer festen Anstellung und doch immer wieder nur das Angebot für die nächste Hilfskraftstelle finden, für ein Taschengeld oder o.V. – ohne Vergütung.
Umtriebige Gesellschaftsgruppe
Auf der Grundlage von Interviews mit Studierenden zeichneten die sechs Schauspielerinnen und Schauspieler unter der Regie von Frank Heuel das Bild einer umtriebigen Gesellschaftsgruppe: Pascal, der verkrachte BWL-Student, der viel lieber im Filmgeschäft Fuß fassen möchte. Marie, die Journalistin werden will und sich bereits elf Mal beworben hat,  bislang aber ohne Erfolg. Nina, die junge Immigrantin, die sich „fünf Jahre ganz harter Arbeit“ vorgenommen hat und dann oben sein will – nur wo, das weiß sie nicht. Auch Kai, Katja und Markus sehen nicht klarer. Nur eines wissen sie alle: „Können,  können wir alles, aber: Ich will es nicht!“
In dieser Inszenierung trafen das Groteske und das Dramatische auf großartige Art und Weise zusammen: Blitzlichtartig wurde den Zuschauern ein Einblick in unterschiedliche Biografien gewährt, stets wissend, dass diese real sind. Unter den Leitfragen „Was sind deine Ziele? Bist Du jetzt glücklich? Wovor hast Du Angst?“ generierte sich ein Psychogramm der Generation P, das authentisch, weil nachvollziehbar die Sorgen junger Menschen zum Vorschein brachte: „Ich habe halt Angst, nicht gebraucht zu werden.“
Festes Arbeitsverhältnis
Kritisch wurde zur Debatte gestellt: Wie belastet ist eine ganze Generation von pessimistischen Prognosen? In der Arbeitswelt hat sich der Wind längst gedreht: Während die Eltern nach Lehre oder Studium nahezu automatisch in ein festes Arbeitsverhältnis rutschten, ist für die Kinder eine gute Ausbildung längst nicht mehr die Eintrittskarte in eine abgesicherte Existenz.
Und apropos Kinder: „Eine Familie wünsche ich mir schon, aber ob das so machbar ist?“, fragte Nina nicht nur sich selbst, sondern auch die Gäste. Fremdbestimmte Lebensplanung, eine bedrückende Vorstellung in Zeiten von Individualismus und pluralisierten Lebensformen.
Wunderbar leichtfüßige Musik
Das Bühnenbild gab diese Stimmung wieder: Eine Montage aus weißen, beweglichen Wänden, Podesten und Würfeln, die die Darsteller wie Bauklötze immer wieder neu zu Fantasielandschaften auftürmten und wieder über den Haufen warfen – genau wie ihre eigenen Biografien. Gepaart mit wunderbar-leichtfüßiger Musik von Gregor Schwellenbach  entstand so ein bizarres Szenario, das den Nerv unserer Zeit nicht besser treffen könnte: „Du hoffst, Du hast das Richtige gemacht, aber das wird sich erst zeigen.“

Caroline Kern

15.11.2008 – Bernd Liesenkötter in den Westfälischen Nachrichten: Generation P „Irgendwann irgendwas machen

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15.11.2008 – Bernd Liesenkötter in den Westfälischen Nachrichten
Generation P „Irgendwann irgendwas machen

Münster. Das Wort „Irgendwie“ und seine Verwandten „Irgendwas“, „irgendwo“ oder „irgendwer“ als zentrale Vokabeln einer ganzen Generation: „Irgendwie ganz gut“, „irgendwas mit Medien“, „irgendwo in Deutschland“.
Die viel beschriebene Generation Praktikum in dem Theaterstück „Generation P“, das am Donnerstag im Pumpenhaus aufgeführt wurde, hängt in der Luft. Die hoch ausgebildeten Absolventen tingeln, in Praktika hängend, durch die Republik. Finden trotz Uni-Ausbildung keine festen Jobs, dafür aber Angebote für unbezahlte Praktika.
Da ist zum Beispiel Nina (Laila Nielsen). Sie kommt aus Bulgarien und plant „fünf Jahre ganz harte Arbeit!“ Sie schreit diesen Satz oft heraus, fast wie ein Mantra. Damit sie sich mit 40 Jahren etwas leisten kann, um dann das zu tun, was sie „wirklich will“. Oder die angehende Journalistin Marie (Justine Hauer): Sie sucht „Sinn in der Arbeit“, hat hehre Berufsziele und will etwas für den neutralen, objektiven, distanzierten Journalismus tun: „So als Oberziel, irgendwie.“ Beim Rundfunk bekommt sie keinen festen Job. Aber sie kann ja mal jemanden anrufen, der dann vielleicht ein Praktikum vermitteln kann.
Dem Regisseur Frank Heuel gelingt es in dem frischen Stück, ein realistisches Panoptikum dieser gut ausgebildeten jungen Leute zu zeichnen, die einfach hängen: Zwischen Studium und Job, zwischen Lebens- und Arbeitsort, zwischen Praktikum und Planstelle. Nicht immer ganz unironisch und mit einer guten Mischung aus Leichtigkeit und ernsten, verzweifelten Momenten gelingt es der Gemeinschaftsproduktion des Theaters Bonn mit dem Fringe-Ensemble, die Vagheit nachzuzeichnen. Die Authentizität der Texte des Stückes verwundert nicht. Sie stammen aus Interviews, die Severin von Hoensbroech mit Vertretern der „Generation P“ geführt hat.
Applaus verdient auch das Bühnenbild (Ansgar Barody) samt Beleuchtung (Lothar Krüger). Die vermeintlich notwendige Flexibilität, die oftmals eher an Rückgratbruch erinnert, wird grandios in die Bühnengestaltung aufgenommen. Immer wieder tragen die Schauspieler die weißen Elemente durch die Gegend, Sofas werden wie Wohnorte verrückt, Köpfe in Stehlampen versenkt. Es gibt Videoübertragung als Element, und es mutet herrlich grotesk an, wenn Werbemann Markus (Arne Lenk) mit übergroßen Holzklötzen unter den Füßen laut über die Bühne stapft.
Das Stück endet, wie es angefangen hat: Mit einer lauten Kakophonie der sechs Schauspieler. Aus der setzt sich nur der bärenhafte Kai (Raphael Rubino) mit seinem Entschluss hervor: „Nee – jetzt reichts mal!“

15.11.2008 – Wolfgang Halberscheidt in www.echo-muenster.de: Adam Riese Show: Talk-Gäste machten dem Moderator mit amüsanten Anekdoten die Arbeit leicht

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15.11.2008 – Wolfgang Halberscheidt in www.echo-muenster.de
Adam Riese Show: Talk-Gäste machten dem Moderator mit amüsanten Anekdoten die Arbeit leicht

Devise: Beide oder keinen. Deshalb treten sie zumeist gemeinsam auf. Gerd und Ritski Bracht, das bekannteste Doppel-Pack der Stadt. Haben sich als Musiker, als Skilehrer und seit letztem Freitag auch als Interviewpartner empfohlen. Denn in der Adam Riese Show laufen die Zwillinge vor ausverkaufter Pumpenhaus-Kulisse zur Höchstform auf.
Unterhaltsam sind sie, obendrein ausgesprochen schlagfertig. Zwei, die sich wunderbar ergänzen. Was der eine an Informationen nicht rausrückt, plaudert prompt der andere aus: dass sie zur gleichen Zeit, „aus Solidarität“, in der Schule sitzen blieben, dass sie ihre Prüfer während des Sportexamens betuppten, dass die Damenwelt, „bis auf die Segelohren und den Fingerring“, sie kaum zu unterscheiden vermochte (Verwechslungen nur zu gern erwünscht …). Beim Übereinstimmungstest erzielt das Duo fast identische Resultate.  Das Zeichen, wie gut die Mittfünfziger übereinander Bescheid wissen: Wo sie am liebsten Kaffee trinken, das Bierchen schlürfen, wo sie die Hosen kaufen und die CDs besorgen – nicht eine Frage wird unbeantwortet gelassen.
Liebenswerte Marotten
Obendrein offenbart jeder von sich und dem Gegenüber die kleinen, allzu menschlichen Marotten. Da bekommt das Publikum erzählt, dass Ritski den vor Jahren zugesagten Kasten Bier bis heute nicht lieferte. Und dass Gerd mit dem selbstverfassten Krimi jetzt am Brüderchen, der 25 Jahre lang unbedingt die Songtexte schreiben wollte, heimlich Rache nimmt, auch dies werden die Zuhörer gewahr.
Vollblut-Musiker Ritski Bracht. Gemeinsam mit Bruder Gerd und Markus Paßlicks Original Pumpernickels sorgte der „Zwilling“ für den guten Ton. Foto: Halberscheidt
Riese braucht lediglich geschickt Stichworte einzustreuen, schon verstricken sich die Nebenmänner in muntere Zwiegespräche. Wenn die Herren in den roten Anzügen dann zu Saxofon und Kontrabass greifen, zusammen mit Markus Paßlicks Original Pumpernickels zu jazzen anfangen, führen sie ihre besonderen Qualitäten vor – ein Gespann, das sich stilistisch blindlings versteht.
Private Geheimnisse
„Natürlich“, „sympathisch“ – Eigenschaften, die das Auditorium Ina Paule Klink alias „Alex“ zuerkenntt, der Assistentin aus den Wilsberg-Krimis. Ähnlich wie bei den Brachts entlockt ihr der Talk-Master gar manch privates Geheimnis. Als Tochter einer Maskenbildnerin wurde sie „quasi zwischen Schminkutensilien“ groß, imitierte bereits im Teenager-Alter Pop-Star Michael Jackson, wirkte in Musicals mit, studierte u.a. Gesang und klassischen Tanz.
An der Seite von Leonard Lansink hilft die Schauspielerin seit der dritten Folge mit, Verbrecher zu jagen. Außerdem hat sie die Westfalen-Metropole richtig lieb gewonnen, das verdeutlicht der Vergleich mit Berlin. Aber: die Skulptur-Projekte 2007 rauschten an ihr nahezu unbemerkt vorbei, wenngleich Paule beim zugehörigen Quiz durchaus Kunstverstand beweist. Als Frontfrau hinterm Mikrofon punktet sie zusätzlich. Kein Wunder: Wer mit „Ärzte“-Trommler Bela B. durch die Republik tourt, der muss auf der Bühne einfach fit sein.
Gute Tipps vom Profi
Multitalent „Paule“, die Frontfrau: Wer mit „Ärzte-Trommler Bela B. durch die Konzertsäle tourt, muss im Showgeschäft einfach fit sein. Foto: Heyken
Wie Persönlichkeiten ihr Profil vervollkomnen können, darüber berichtet Friseurmeister Bernd Rüther, 62, der bereits mit dreizehn die Lehre begann, sich mit dreiundzwanzig selbstständig machte, nun eine Kommunikationsschule leitet (s. Foto rechts). Den Coiffeur-Betrieb übergab er unlängst der Kollegin Sigrid Rottmann, Doch ganz an den Nagel hängte der Profi sein Handwerk nicht. „Dafür habe ich zu lange in dem Beruf gearbeitet.“ So werden Stammkunden weiterhin von ihm bedient. Genauso souverän, wie er einst mit Kamm und Schere hantierte, kümmert sich der Münsteraner mittlerweile um jene, die mehr Erfolg im Leben verbuchen wollen. Dass dabei die eigene Körpersprache, die eigene Ausstrahlung von entscheidender Bedeutung sind, dokumentiert der Coach in einem Video-Clip, der die Fernsehleute Gottschalk und Jauch auf dem „Wetten dass“-Sofa bei telegenen Fachsimpeleien zeigt. Klar – die haben gelernt, wie sie sich draußen „verkaufen“ müssen.
Starker Schlussapplaus
Beim Finale wird’s besonders haarig: Das Rottmann-Team, so lautete Rieses Bitte, solle während der Veranstaltung hinter den Kulissen im provisorisch hergerichteten Salon ein anderes Zwillingspärchen individuell stylen. Der Schlussapplaus im Saal ist Beleg genug: Aufgabe bravourös gelöst. Und Riese? Der strahlt Zufriedenheit aus: Bis auf die wenigen technischen Pannen war’s ein gelungener, ein kurzweiliger Abend. Die charmanten Couch-Gäste besaßen daran maßgeblichen Anteil.  

Wolfgang Halberscheidt 

11.11.2008 – Philip Isenbart in den Westfälischen Nachrichten: Alles wird sich hier verändern: Armut ist nun mal nicht erbaulich

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11.11.2008 – Philip Isenbart in den Westfälischen Nachrichten
Alles wird sich hier verändern: Armut ist nun mal nicht erbaulich

Münster. Die gerade vorgestellte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt es auf beunruhigende Weise: Die Armut wird zu einem immer dringenderen Thema. So ist auch die Frage nach der Darstellung von Armut im Theater durchaus konsequent. Doch ist dort die Darstellung von Armut überhaupt möglich? Ja, lautet die Antwort. Dies bewiesen am Mittwochabend die Regisseure Alexander Kerlin, Fabian Lettow und Mirjam Schmuck mit ihrer Inszenierung des Dramas „Die Schauspieler“ von Einar Schleef im Theater im Pumpenhaus.
Der Abend beginnt so wie er enden wird: mit bedrückender Stille. Die zunächst unbesetzte Holzplankenbühne strahlt trostlose Leere aus. Nach einer gefühlten Ewigkeit erhebt sich einer der Schauspieler von seinem Stuhl und schleppt sich auf die Bühne, legt sich wie vor Schmerz verzerrt auf den Boden und stößt ein erschütterndes Seufzen aus. Allmählich erwachen auch die anderen Figuren aus ihrer Starre und verwandeln sich in winselnde, brüllende oder auch stampfende Wesen, die mit verstörender Obsession sinnlos erscheinende Tätigkeiten wiederholen, wie etwa das ständige Putzen des mit Wasser benetzten Bodens. Ein chorisches Kollektiv sorgt für weitere, in ihrer Wildheit zuweilen archaisch anmutende Dramatik.
Schleefs Theaterstück aus dem Jahre 1986 wurde durch die Aufzeichnungen des russischen Schauspielers und Regisseurs Konstantin Stanislawski über die Vorbereitung der Uraufführung von Maxim Gorkis „Nachtasyl“ inspiriert. Darin suchen Schauspieler ein Asyl auf, um die dort lebenden Ausgestoßenen für ähnliche Bühnenrollen zu beobachten. Doch das Experiment scheitert auf dramatische Weise, wie etwa die angedeutete Massenvergewaltigung einer Schauspielerin zeigt: Ehe sie es sich versehen, werden die Gäste selbst Teil des einstudierten Elends.
Die insgesamt 30 Akteure boten dem zahlenmäßig etwa gleichstark vertretenen Publikum im Pumpenhaus einen verstörenden Abend voller Schmerz, Wut und Gewalt. Keine Zweifel: Erbauliches Theater ist etwas anderes. Aber Armut ist nun mal nicht erbaulich.

07.11.2008 – Barbara Maas in den Westfälischen Nachrichten: Mein erster Sony: Kindlicher Blick aufs Absurde

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07.11.2008 – Barbara Maas in den Westfälischen Nachrichten
Mein erster Sony: Kindlicher Blick aufs Absurde

Münster. Jotam ist ein Sammler. „Ich habe wahrscheinlich die größte Kassettensammlung im Nahen Osten, vielleicht sogar der ganzen Welt“, sagt der Protagonist gleich zu Anfang des Stücks „Mein erster Sony“, das Stéphane Bittoun nach dem gleichnamigen Roman von Benny Barbasch inszeniert hat und das am Mittwoch zum ersten Mal im Pumpenhaus zu sehen war.
Mit unbändiger Neugier und seinem Kassettenrekorder nimmt der Junge im Tel Aviv der 90er Jahre alles auf, was ihm begegnet. Die streitenden Eltern. Den Asthma-Anfall der Schwester. Sex. Familienfeiern. Die Stille des Toten Meeres, in der Jotams Vater das Lachen des verstorbenen Großvaters hört, Jotam seine eigenen Gedanken, der Bruder nichts und das Publikum eine verträumte Melodie.
Die totale sekundenlange Stille, die völlige Leere, bewahrt Stéphane Bittoun für den Moment auf, in dem ein Opfer des Holocaust vor Grauen nicht über seine Erlebnisse sprechen kann. Israelische Geschichte und Familien-Anekdoten, Alltagsleben in Tel Aviv und große Politik – Jotam ist das gleich viel wert. Er dokumentiert alles.
Durch Playback-Theater mit Kinder- und Erwachsenenstimmen, Video-Sequenzen von den Straßen Tel Avivs und Musik gibt Bittoun seiner Inszenierung den Anstrich einer Fernsehdokumentation. Ihr Tempo gewinnt sie, wenn die Schauspieler Dennis Cubic, Peter Dischkow, Ralph Gander, Rebecca Rudolph und Juliane Werner gelegentlich auf Gleitschuhen herumrollen – gehetzt wie bei einem Wettrennen im Streit, harmonisch wie beim Eiskunstlauf, wenn es um die Liebe geht. Den Rest erledigen fahrende Sessel, die wie Luxus-Autoscooter anmuten, und Mini-Trampoline.
Der rastlose, kindlich-komische Blick auf die Absurditäten des Erwachsenenalltags bricht sich dabei immer wieder an berührenden Momenten und wird nachdenklich.
Trotz aller Multimedialität zwingt das anachronistische Medium „Audio-Kassette“ dem Stück seine Form auf. Rückblenden, Vorwegnahmen und schnelle Schnitte verpacken die Handlung häppchenweise in kurze Episoden – auf die zufällig eine völlig andere folgt, wenn die Kassette im Rekorder umgedreht wird. Das Stück ist am heutigen Freitag um 20 Uhr noch einmal im Pumpenhaus ( 23 34 43) zu sehen.

20.10.2008 – Club Guy + Roni: Sinn in der Sinnlosigkeit – Astrid Hilbert in den Westfälischen Nachrichten

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20.10.2008 – Club Guy + Roni: Sinn in der Sinnlosigkeit
Astrid Hilbert in den Westfälischen Nachrichten

Münster. „Poetic Disasters“: Das neue Tanztheaterstück von Club Guy and Ronie hält, was es verspricht: Expressionistische Choreografien, teils disharmonische Kompositionen und extatischer Tanz sorgten im Pumpenhaus für ästhetische Zerstreuung im oft chaotischen Alltag.
Inspiriert von der Chaostheorie brachte das Ensemble ein außergewöhnliches Stück auf die Bühne: Eine gelungene Auseinandersetzung mit der persönlichen Befreiung und der Bewältigung traumatischer Ereignisse. Erzähltes von Affen, Hunden und Kaninchen; von nackten Männern, schweizer Schokolade und amerikanischen Limousinen; von Sex auf offener Straße und von einem Flugzeugabsturz: Mütter, die in den Trümmern ihre Kinder suchen, „die Kinder sind bei Mc Donalds“. Bizarre Geschichten und Bilder bauen aufeinander auf und ergeben Sinn in der Sinnlosigkeit.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, schrieb schon Platon und meinte Sokrates’ Entwicklung der Selbsterkenntnis. Wer sind wir? Was macht uns vollkommen? – Kurze, oft nur angedeutete Bewegungen und eine konsequent dunkel gehaltene Bühne machen die Unsicherheit über das Selbst in einer aus den Angeln gehobenen Welt verständlich.
Auch ohne mit dem Verstand zu begreifen, was Club Guy and Ronie da auf die Bühne brachten, wurde die Sehnsucht ein wenig gestillt, sich endlich verstanden zu fühlen. Nach gut der Hälfte vom „Poetic Disaster“ knisterte auf der Bühne die Luft: Erotisch-rhythmische Bewegungen, kurzatmige Musik und gedämpfte Beleuchtung entfachten die Illusion, den süßen Duft der Leidenschaft riechen zu können.

03.10.2008 – Isabella Glogger über „Kränk“ (Sycorax) in den Westfälischen Nachrichten

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03.10.2008 – Isabella Glogger über „Kränk“ (Sycorax) in den Westfälischen Nachrichten
Pures Spiel mit der Sprache

Münster. Ein klassisches Thema: Ein Sohn rebelliert gegen seinen Vater, eine Tochter lehnt sich gegen die eigene Mutter auf. Die Erwachsenen – Chef und Angestellte – kommen sich bei einem Abendessen langsam näher, während sich ihre beiden Kinder, nun freundschaftlich verbündet, immer mehr von ihren Erziehungsberechtigten entfremden. Soweit, so bekannt. Doch „Kränk“, das das Theater Sycorax jetzt im Pumphaus zeigte, ist anders.

„Änders“ um genau zu sein. Denn der Sohn, der sich selbst nur noch Ernk nennt, spricht nicht nur im übertragenen Sinn eine andere Sprache als sein Vater. Er spricht „Kränk“, bei der aus einem „A“ auch mal ein Umlaut wird, bei der Substantive in nicht enden wollender Reihe aufeinanderfolgen und die Erwachsenen bisweilen den Kopf schütteln lässt. „Kränk lernen heißt Kränk missverstehen“, so lautet die erste Regel seiner Sprache, mit der Ernk seine neue Freundin Rosa, die Tochter der Geliebten seines Vaters, mit in seine Welt nimmt.

Für den Zuschauer im Pumpenhaus hieß das jedoch, das Stück „Kränk“ richtig zu verstehen. Eine Lesung kündigte das Programmheft an, doch die Darbietung von Sycorax sollte weder eine reine Lesung werden, noch konnte es als eine Inszenierung des Werkes gelten. Denn ohne Bühnenbild und Requisiten, dafür aber mit Texten ausgestattet, lasen und spielten die fünf Ensemble-Mitglieder das Stück zugleich, das aus der Feder Martin Heckmanns’ stammt. Reduziert auf die minimalistische Bewegung des Aufstehens und Hinsetzens, stand so die Sprache im Mittelpunkt des Geschehens.

„Und genau die war für uns das Reizvolle an ‚Kränk‘“, erklärt Manfred Kerklau. „Dieses pure Spiel mit der Sprache.“ Der künstlerische Leiter von Sycorax saß zwar selbst mit auf der Bühne, sprach aber, am Geschehen unbeteiligt, mit knappen Einwürfen quasi aus dem Off und ermöglichte damit auch ohne sichtbare Veränderungen schnelle Ortswechsel im Geschehen.

Die szenische Lesung des Ensembles schaffte es so, den Konflikt zwischen den Generationen auf die bloße Ebene des Satzes zu reduzieren – wenn auch immer mit der Gefahr, dass das Verstehen zwischen Wortsalven und Sprachspielen unterzugehen drohte.

VON ISABELLA GLOGGER

21.09.2008 – Sabine Müller in der Münsterschen Zeitung Tanz: Debussy, Hoghe und der Nachmittag eines Fauns

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21.09.2008 – Sabine Müller in der Münsterschen Zeitung
Tanz: Debussy, Hoghe und der Nachmittag eines Fauns

MÜNSTER Sich fallen zu lassen, das Gefühl über den Verstand zu stellen: Einen solchen Zustand erreicht ein Mensch in wenigen Situationen. Beim Sex. Oder bei einem Tanztheaterstück für zwei Männer und zwei Gläser Milch.

Es ist die deutsche Erstaufführung von Raimund Hoghes Interpretation des berühmtes Ballettstücks „L’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy. Der Nachmittag eines Fauns. Bei der Uraufführung im Jahr 1912 löst es einen Skandal aus, wegen seiner strotzenden Erotik. Im Theater im Pumpenhaus in Münster sieht man am Freitagabend davon fast nichts mehr. Hoghe reduziert den Tanz, bis er fast gar kein Tanz mehr ist.

Rituale

Nur noch langsame Bewegungen, die im Laufe der guten Stunde zu Ritualen werden. Sein Tänzer Emmanuel Eggermont setzt das phänomenal zurückgenommen, mit eiserner Disziplin, Körperbeherrschung und Präzision um. Er zeichnet mit einer Hand seine eigenen Körperkonturen nach, spreizt seine Finger, fächert seine Hände auf und wieder zusammen, baut mit seinen Armen rechte Winkel, stellt einen Fuß über den anderen, schreitet die Bühne in exakten Linien ab – rückwärts, nur auf den Hacken gehend. Er formiert seinen Körper in einer langen, fließenden Bewegung immer wieder neu. Ein menschliches Mobile, das vom Nachmittagswind sanft bewegt wird. Das Gesicht ist ausdruckslos. Geschichten werden hier nicht erzählt.

Liebe und Tod

Auch Debussys Musik tut das nicht. Das sinnliche Motiv ist reines Gefühl. Hoghe will aber auch erzählen – und fügt drei Gustav-Mahler-Lieder ein. Die Worte sind da. Liebe, Einsamkeit und Tod.Wären nicht die zwei Gläser Milch mit Eggermont auf der Bühne, von Hoghe höchstpersönlich eingeschenkt und immer wieder akkurat umgestellt, wäre die Spannung nur halb so groß. Von Beginn an, als Eggermont noch am Boden zwischen den Gläsern liegt, wartet man darauf, dass die Milch verschüttet wird. Und endlich ist der erlösende Moment da. Beide Männer tun es. Die Milch fließt – und mit ihr kommt das Chaos. Weiße Laachen, in denen die beiden rühren, die sie mit der Wange fast berühren. Dann stehen sich beide Männer gegenüber. Es gab keinen Sex, keine offene Erotik, keinen ekstatischen Tanz. Und doch hat man das Gefühl, bei etwas Unerhörtem, Großem dabei gewesen zu sein.