29.03.2006 – Bitte nur nicht auflegen. Marcus Termeer in der taz über die Geliebte Stimme

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29.03.2006 –
Bitte nur nicht auflegen. Marcus Termeer in der taz über die Geliebte Stimme

Im Bett liegend kämpft eine Frau telefonierend mit dem Ex um ihre Liebe. "Du wolltest doch noch mal anrufen". Zum letzten Mal rechtfertigt sie gegen Ende des mehrfach unterbrochenen ultimativen Telefonats mit dem Mann, der sie gerade verlassen hat, ihre Illusion. Vorher hat sie gelogen, verzweifelt gelacht. Sie war nicht, wie sie behauptet, mit der Freundin essen gegangen. Sie war praktisch gar nicht aus dem Haus gegangen, hatte statt dessen das Telefon mit ins Bett genommen – in Panik vor dem Verlassenwerden sogar eine Überdosis Schlaftabletten genommen. Sie konnte das Zimmer ja auch nicht verlassen. Für die Jüngeren: Noch vor 15 Jahren konnte man und frau in existenziellen Liebesdingen oder in Erwartung eines Anrufs an das heute so genannte "Festnetz" und damit dauerhaft an die Wohnung gefesselt sein. Mit Jean Cocteaus "Die geliebte Stimme" von 1930, das 1948 schon mit Anna Magnani verfilmt wurde, bringt das freie Theater "sursum corda" jetzt sein Einpersonenstück auf die Bühne des Pumpenhaus in Münster. Der französische Schriftsteller, Regisseur, Maler und Choreograf reflektiert darin die damals noch neue Form technikgestützter Distanzierung "mit diesem Apparat" und schrieb gleichzeitig den ersten Telefon-Monolog der Theatergeschichte. Die einheimische Theatergruppe "sursum corda" ist bereits bekannt mit Inszenierungen nach Robert Walser in Dachgeschossen der Westfälischen Landesklinik für Psychiatrie ("Jakob von Gunten", 2000 und "alle geheilt. Schneewittchen", 2004). Cocteaus Thema ist auch die körperliche Nicht-Mehr-Verfügbarkeit des Geliebten, die so das Telefon zum Fetisch werden lässt. Doch wie inszeniert man das im Zeitalter der exzessiven Dauerverfügbarkeit per Handy, das in kurzer Zeit die bürgerliche Trennung von öffentlich und privat aufgehoben hat und so persönlichste Dinge lautstark in aller Öffentlichkeit verhandeln werden? Die Schauspielerin und ihr Regisseur Martin Jürgens misstrauen derartig paradoxen Entformalisierungen und verlegen das Telefon-Solostück einfach ins Zeitlose. Beate Reker brilliert dabei in der Rolle der nicht mehr jungen Frau zwischen Verlustangst, Sarkasmus, Verzweiflung und "Vernunft" inmitten der, auch materiellen, Trümmer der Beziehung. Sie wehrt sich gegen sein Verlangen, einer vollständigen Tilgung – er verlangt nämlich nicht nur alle Briefe, auch seine Handschuhe und, und, und. Die Dispute entfalten sich als "halbierter Dialog": "Sein" Part am anderen Ende der Leitung bleibt ausgespart. Er existiert nur durch "Sie". Klug eingestreute Verfremdungsmomente die an Michael Haneke erinnern, dazu kurze, leicht verändernde Szenenwiederholungen zu Techno-Beats, verhindern ein Abnutzen des Stilmittels. Am Ende weicht die Regie von Cocteau ab, was etwas unvermittelt wirkt: "Sie" zwingt "Ihn", aufzulegen, nimmt die Schlaftabletten nicht mehr, deutet auto-erotische Bewegungen an. Ist das etwa eine neu gewonnene Autonomie? taz NRW Nr. 7930 vom 24.3.2006, MARCUS TERMEER, Rezension

quot;, 2004). Cocteaus Thema ist auch die k

19.03.2006 – Festival Theaterzwang zeichnet Münsters Theaterlabels aus

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19.03.2006 –
Festival Theaterzwang zeichnet Münsters Theaterlabels aus

Münster/ Dortmund. Das Theater im Pumpenhaus gratuliert: Zwei der der heiß begehrten Hauptpreise des Festivals "Theaterzwang" in Dortmund gehen an das fringe ensemble und ein weiterer an das Theaterlabel "klimaelemente" für die Produktion "Leidenschaftlich: Hannah Arendt". In der Produktion von Heike Scharpff und Heike Dreyer spielen Susanne Burkhard, Barbara Englert und Philipp Sebastian. Der Schauspieler des fringe ensembles, David Fischer, bekommt für seine Leistungen in der Inszenierung "Geschichten+" den Preis als bester Darsteller des Festivals in Höhe von 1500 Euro. Die Preise der Fachjury sind mit jeweils 7500 Euro dotiert. Das fringe ensemble begeistert das Publikum in jährlichen Koproduktionen mit dem Theater im Pumpenhaus. Ausgezeichnet wurde die großartige Arbeit unter der künstlerischen Leistung vom Ausnahme-Regisseur Frank Heuel jetzt für "Geschichten+". Neben Harald Redmer, phoenix 5 aus Münster, spielen Bettina Marugg, Laila Nielsen, David Fischer, Stefan H. Kraft und Georg Lennarz. Die Jury begründet ihre Entscheidung so: "Das fringe ensemble hat auf der Basis von dokumentarischem Interviewmaterial deutsche Biografien aus Ost und West für die Bühne theatralisiert und dafür eine sehr eigene und eigenwillige Konzeption entwickelt. Entstanden ist ein Abend der besonderen Art. Getragen von einem glänzenden Ensemble, der Wahl der ästhetischen Mittel und einer Raumlösung, die den Zuschauer auf Drehstühlen in die Position des Interviewers setzt, wird das Publikum zur Anteilnahme an den Lebensgeschichten verführt. Das Herausragende dieser Inszenierung lässt sich nicht auf eine einfache Kongruenz von Form und Inhalt reduzieren, sondern basiert auf der Arbeitsweise des Ensembles, das sich dem biographischen Material ernsthaft, feinsinnig und mit grosser Wärme nähert. Leichtigkeit, Humor und Groteske verbinden sich mit Tiefe, Kraft und Seele." Die Zuschauer dürfen sich bereits auf die nächste Inszenierung des fringe ensembles/ phoenix 5 im Theater im Pumpenhaus freuen. Im Mai erwartet sie die Premiere von Anton Tchechows "Kirschgarten", eine Kooperation mit Künstlern aus Lettland. Noch in dieser Woche kann das Publikum die preisgekrönte Hannah Arendt-Inszenierung sehen, und zwar am Dienstag und Mittwoch, 14. und 15. März, jeweils um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus. Kartentelefon 0251/ 233443. www.pumpenhaus.de