12.09.2009 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten: Auswegloses Labyrinth

Pressespiegel

 

12.09.2009 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten
Auswegloses Labyrinth

Münster. Wendeltreppen führen ins Nichts, Türen verschwinden, Wände bauen sich plötzlich auf und versperren den Weg. Es ist ein Labyrinth, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint, ein kafkaeskes Szenario, von dem man nicht weiß, ob es real existiert oder dem Hirn eines Verrückten entsprungen ist. Das einzig Fassbare ist der Straßenname, „Mystic Avenue 3847“, und eine Stimme, die dem Protagonisten seinen Namen gibt: Joe. Doch ob es sich dabei um Selbstgespräche handelt oder ob das Gegenüber existiert, bleibt bis zum Schluss ungewiss.

„Paradeiser“ ist der Titel des Tanztheaters, mit dem die junge Compagnie „DNS“ im Pumpenhaus debütierte. Der Name setzt sich aus den Initialen der maßgeblich beteiligten Künstler aus Frankfurt, Münster und Essen zusammen: Malda Denana (Choreografie), Kai Niggemann (Musik) und Ruth Schultz (Regie). Zwei Tänzerinnen, ein Tänzer und ein Schauspieler bilden das Ensemble, zwei von ihnen studieren noch an der Folkwang Hochschule, ebenso wie die Regisseurin, Ruth Schultz, die sich für das Erstlingswerk von Daniele Benatis surrealem Roman „Amerika gibt es nicht“ inspirieren ließ.

Der Schwerpunkt liegt weniger auf dem Schauspiel von Pascal Riedel, der viel rezitiert, wenig darstellt, als auf Malda Denanas Choreografie. Immer wiederkehrende Gesten zeugen von Hilflosigkeit und Verwirrung; man rauft sich die Haare, tippt sich an die Stirn, marschiert, rennt. Die Tänzer rollen auf dem Boden, schlagen Haken, zeigen ästhetisch schöne Sprünge oder Pirouetten. Dass die vier Darsteller gleichzeitig den Protagonisten wie auch die ihn umgebenden Figuren mimen, ist klar. Videoprojektionen sorgen für Dopplungen und lassen eine virtuelle Gesellschaft entstehen.

Dramaturgisch lässt „Paradeiser“ an Spannung missen, dafür zeigt das Tanzensemble eine solide Leistung. Mit Abstand am stärksten, auch was Präsenz und Ausdruck betrifft, stellt sich die finnische Tänzerin Leena Keizer dar. Ihr gelingt es, die in Aufruhr begriffene Gefühlswelt des Protagonisten nicht nur in Bewegung, sondern auch in Mimik umzusetzen und sich dabei derart zu wandeln, dass sie mühelos von einer Rolle in die andere schlüpft.