18.06.2009 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung – Schrägstrichtheater: Nicht zaudern bei der Liebe!

Pressespiegel

 

18.06.2009 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Schrägstrichtheater: Nicht zaudern bei der Liebe!

MÜNSTER Alle sind hektisch mit Festvorbereitungen beschäftigt. Ein Mädchen hantiert mit Dekorationsmaterial, eine ältere Dame hat schnell noch Geschenke besorgt, Kleider werden anprobiert, und zwei Jungs schleppen einen gigantischen Ghettobluster auf die Bühne. Nur das Geburtstagskind sitzt still und erwartungsvoll an der langen Tafel.
Noch ist sie allein und genießt die Ruhe vor dem Sturm. „Um 4 bei Ihr“ heißt die neue Produktion des Schrägstrichtheaters, die am Mittwoch im Pumpenhaus Premiere feierte. Das Besondere an dem Stück ist, dass hier geistig behinderte Darsteller zusammen mit Studierenden der Fachhochschule agieren. Unter der Regie von Annette Knuf und Manfred Kerklau ist so eine bunte, bisweilen ins Groteske reichende, manchmal aber auch anrührende Inszenierung entstanden.
Es beginnt ganz harmlos. Geschenke werden überreicht, die Damen stellen sich und ihren Putz zur Schau. Erste Irritationen treten auf, als die Festansprache in einem Idiom gehalten wird, das keiner versteht, und das Geburtstagskind in Gebärdensprache antwortet. Später spielt eine gut gelaunte Folkloreband zum Tanz auf und wird dabei immer wieder durch Rockmusik aus dem Ghettobluster gestört.
Party-Dynamik
Es ist die typische Party-Dynamik, die das Schrägstrichtheater hier mit Witz und Situationskomik auf die Bühne bringt. Verstärkt wird das Ganze durch Missverständnisse, die sich aus dem unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern von Behinderten und Nichtbehinderten ergeben. So übt einer der Darsteller mit viel Sorgfalt eine Liebeserklärung ein. Als er sie aber vortragen will, braucht er dazu dermaßen lange, dass sich die Angebetete gelangweilt abwendet.
Trotz solcher Szenen wird im Stück nicht mit erhobenem Zeigefinger gearbeitet. Vielmehr steht der Spaß an der Kreativität im Vordergrund. Und der führt unweigerlich zum Happyend. Die Geburtstagstorte bringt alles ins Lot.
Weitere Aufführungen am 20., 21., 23. und 24. Juni um 20 Uhr im Pumpenhaus.