04.06.2009 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung: fringe ensemble/phoenix5: Protokolle der Wahrheit

Pressespiegel

 

04.06.2009 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
fringe ensemble/phoenix5: Protokolle der Wahrheit im Pumpenhaus

MÜNSTER. Das Fringe-Ensemble hat im Pumpenhaus Premiere gefeiert mit dem Stück „I said the things you told me not to say“. Kein leichter Stoff.
Wer vor einem halben Jahr beim Fringe Ensemble im Pumpenhaus war, erkennt die schmucklosen weißen Tische vielleicht wieder. An ihnen saß das Publikum damals mit den Schauspielern zusammen, um das Problem der Versöhnung in Konfliktsituationen zu diskutieren.
Die Veranstaltung damals war als eine Art Brainstorming gedacht für die dokumentarische Performance „I said the things you told me not to say“, die am Mittwoch Premiere feierte. Das Stück stützt sich auf Protokolle der Wahrheitskommission in Südafrika, die von Nelson Mandela und Bischof Tutu ins Leben gerufen wurde, um einen Dialog zwischen Tätern und Opfern im Apartheidregime herzustellen.
Terror-Einheit
Es ist kein leichter Stoff, den Regisseur Frank Heuel hier auf die Bühne bringt. Beispielsweise wenn der ehemalige Kommandant einer Anti-Terror-Einheit die ihm nachgewiesenen Morde durch den Verweis auf seine Pflicht als Polizist zu rechtfertigen versucht. Oder wenn die hochschwangere Schauspielerin Laila Nielsen in die Rolle einer Mutter schlüpft, deren Sohn im Widerstand getötet wurde.
Trotzdem wird eine unkritische Emotionalisierung des Publikums verhindert. Das gelingt durch bewährte Mittel wie verfremdetes Sprechen und das Verteilen einer Rolle auf mehrere Darsteller. Justine Hauer bastelt sich einen Kopfschmuck aus Spaghetti, den sie nach und nach verspeist, und Bettina Marugg wirkt bei ihrer Forderung nach „Harmony“ wie eine Mischung aus Cheerleader und TV-Prediger. Für Distanz sorgen auch die an Computer und Harmonium erzeugten Klänge von Gregor Schwellenbach und die von Svenja Pauka pausenlos mit Schlagwörtern wie „Erzählen“, „Vergeben“ oder „Wahrheit“ beschrifteten Zettel.
Gerichtszeichner
Ebenfalls eine tragende Rolle kommt Eduardo Seru zu, der wie ein Gerichtszeichner die einzelnen Szenen auf die Tischplatten überträgt und so den dokumentarischen Charakter der Aufführung betont. Am Ende jedoch greift er zum Hochdruckreiniger. Die Tische, an denen so Furchtbares verhandelt wurde, erstrahlen wieder in unschuldigem Weiß und lassen Hoffnung auf einen Neubeginn aufscheinen.
Weitere Vorstellungen heute sowie am 6., 10., 11., 12. und 13. Juni um 20 Uhr im Pumpenhaus. Karten unter Tel. (0251) 233443.