21.05.2009 – Die Eröffnung. Von Peter Turrini: Gerhard H. Kock in den Westfälischen Nachrichten

Pressespiegel

 

21.05.2009 – Die Eröffnung. Von Peter Turrini: Gerhard H. Kock in den Westfälischen Nachrichten.
Ohne sie wird er sterben

Münster – „Ich will nicht sterben.“ Da fängt der Unsinn schon an. Dieser Jedermann, den Peter Turrini in seinem Spiel vom Sterben eines hysterischen Mannes vorstellt, ist nicht an seinem Seelenheil interessiert, sondern an spektakulären Auftritten. Je theatralischer, umso besser. Für ein Theater oder einen Darsteller ist also „Die Eröffnung“ ein Paradestück, um sich vorzustellen. Im Pumpenhaus-Keller stellte sich jetzt Carsten Bender mit seinem Theater „gloster!“ vor.
Turrinis Stück ist kurzweilig, und so wird es auch von Barbara Kemmler in Szene gesetzt. Vom Handy-Freisprechanlagen-Verkauf im Bahnhof über das Theater selbst bis in die Psychiatrie geht es Schlag auf Schlag. Dabei kommt kaum Hektik auf, was auch an der Musik von Kai Niggemann liegt, der mit seinem beiläufigen Radio-Sound dem Monolog einen wohltuenden Parlando-Faden verleiht.
Turrinis Stück bietet Darstellern die Gelegenheit, ihr Können in unzähligen Facetten leuchten zu lassen – ein bisschen wie eine Discokugel. Carsten Bender nutzt diese Chance, die Vielfalt seiner Talente als Mime und Sprecher aufblitzen zu lassen – ein Darsteller mit einem reichen Repertoire an Ausdrucksformen, eine markante Stimme, die den Körper auch mal hysterisch posieren lässt (Choreographie Tamami Maemura).
„Die Eröffnung“ von Turrini erzählt von einem Mann, der ständig ein neues Schauspiel eröffnet: Er verliebt sich in eine Frau, doch die oder er verändert sich. Und tschüss. Er kümmert sich um sein Kind, das sich nicht beruhigen lässt. Und tschüss. Er geht in ein buddhistisches Kloster, aber die Erleuchtung kommt nicht. Und tschüss. Dieser Mann ist eine permanente Eröffnung, dieser Mann kommt zu keinem Schluss. Von der Alltags- wechselt er in die Theaterrealität. Keine Wirklichkeit, nicht mal der Tod seiner Tochter, scheint ihn einholen zu können.
Die Absurdität dieser Rampen-Existenz des Mannes offenbart sich am Schluss. Denn der Mann wäre längst tausend Theater-Tode der Peinlichkeit und Panik gestorben, wenn Carsten Benders wortkarger Gegenpart nicht gewesen wäre: Janina Blohm-Sievers. Als unermüdliche Universalhandlangerin hält sie dem Mann den Rücken frei. Sie ist die Souffleuse. Sie liefert (Theater)-Leben aufs Zeichen. Ohne sie droht Tod.
Das Theater „gloster!“ zeigt im Pumpenhaus Turrinis „Eröffnung“ als eine Parabel auf die Autonomie des Menschen, die Lächerlichkeit seines Anspruchs, die Welt kontrollieren zu können. Dabei ist jeder zweite Satz, den wir sagen oder denken, nur Einflüsterungen aus dem Dunkel zu verdanken. Der Rest ist Show.