18.05.2009 – Ssempeke-Amadinda-Quartett von Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten

Pressespiegel

 

18.05.2009 – Ssempeke-Amadinda-Quartett von Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten
Uralte Klänge farbenfroh serviert

Münster – Alte Musik kämpft hierzulande manchmal gegen ein irrendes Vorurteil: Sie sei der Tummelplatz von staubgrauen Spezialisten, die am allerliebsten tief unten in Archiven wühlten. Am „zweitliebsten“ stellten sie ihre Funde auf rekonstruierten historischen Instrumenten einem kleinen Kreise von ergebenen Eingeweihten vor. Alte Musik aus Afrika – genauer vom Königshofe im ehemaligen Buganda (heute Uganda), komponiert im 14. Jahrhundert – gab es mit dem Ssempeke-Amadinda-Quartett am Montagabend im Pumpenhaus zu erleben. Die vier Musiker, zu Gast in der Reihe „Klangkosmos“, spielten auf historischen Instrumenten. Aber: Diese Musik klang kein bisschen angestaubt.
Das afrikanische Xylofon (Amadinda) gibt diesem Musikstil, laut Ssempeke einem der wichtigsten in Uganda, sowie dem Ensemble den Namen. Auf der Bühne war es selbstverständlich auch vertreten und wurde von mehreren Musikern gleichzeitig bedient. Mit dem oberen Drittel der kopflosen Schlägel wurden die über den Instrumentenkorpus herausragenden hölzernen, nicht lackierten Klangstäbe angespielt. Heraus kamen weiche Klangkaskaden in pentatonischer Melodik, entfernt an moderne karibische Klänge erinnernd. Kleine, vertrackte, sich stetig wiederholende rhythmische Figuren lösten einander immer wieder ab, überlappten und verflochten sich zu groovenden, mitreißenden und zugleich meditativen Klängen. Dazu kamen Bogenharfen (die mit ihrem eleganten Hals jede Folkband bereichern könnten), eine in der Armbeuge gehaltene kleine Fiddle mit winzigem, halbrunden Bogen, ein Paar Rasseln, ein überraschend klangstarkes Daumenklavier und die Leier Endongo. Deren sehr kurze klingende gezupfte Töne nahmen sich etwas kokett im weichen Ensembleklang aus.
Die Instrumente sind allesamt aus natürlichen Materialien gefertigt. Jeder Musiker des Quartetts spielte im Wechsel mehrere Instrumente und so ergaben sich immer wieder erstaunliche Klangfarben in anderer Kombination. Der WDR schnitt dieses interessante Klangkosmos-Konzert mit. Es wird demnächst gesendet.
Das Ssempeke Amadinda Quartett (Albert Bisaso Ssempeke, Jimmy Ssewakilyanga, Lutwama Moses und Naggita Prosy) gefiel mit sympathischer Natürlichkeit. Lange instrumentale Vorspiele, im Wechsel vorgetragene Gesangspartien und die ausdrucksvolle Tanzeinlage von Lutwama Moses, der einzigen Dame in diesem Quartett, machten das Konzert zur spannenden Reise in eine uralte Musikkultur.
Albert Bisaso Ssempeke moderierte in knappen englischen Sätzen und führte das Publikum durch dieses von weichen Klängen, polyphonen Rhythmen und Pentatonik geprägte Programm. Diese Musik sei authentisch, betonte er. Eine Bogenharfe war ihm besonders ans Herz gewachsen: er habe das Instrument, dass fünf Mal so alt sei wie er, von seinem Vater übernommen.
Am Ende gab es zwei Zugaben. Hier zeigten sich die kultivierten Hofmusiker als flotte Tanzbodenkünstler und ließen die Trommeln mit in die Füße gehenden Rhythmen sprechen. Selbst Ssempeke ließ sich am Ende zu einem kleinen Tanz dazu hinreißen.