26.03.2009 – Von Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung – Compagnie Flak im Pumpenhaus: Die Körper-Maschine

Pressespiegel

 

26.03.2009 – Von Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Compagnie Flak im Pumpenhaus: Die Körper-Maschine

Bewegungslos wie Statuen stehen sie sich gegenüber, zwei Männer und drei Frauen, alle nur mit einem knappen Höschen bekleidet. Es ist der reine Körper, der hier in Erscheinung tritt. Dann ertönt eine Stimme aus dem Off: „Anatomie eins“, und in die Akteure kommt Leben.
Arme werden gehoben, angewinkelt, die ersten Schritte folgen. Noch wirken die Bewegungen seltsam asynchron. Doch schon bald fügen sie sich in die Abläufe einer perfekt arbeitenden Maschine. Bei dem Tanzstück „Anatomies“, mit dem José Navas und die Compagnie Flak aus Kanada am Mittwoch in Münsters Pumpenhaus gastierten, steht die Komplexität des Körpers im Mittelpunkt. In fünf Durchläufen lotet das Ensemble die Möglichkeiten des Bewegungsapparates aus und erreicht dabei eine Dimension, die tief ins Poetische reicht. Es ist die Geburt des Tanzes aus den Gesetzen der Mechanik.
Schubsen in Zeitlupe
Jeder der Durchläufe beginnt wie eine Lektion aus einem anatomischen Lehrbuch. Allein oder im Zusammenspiel führen die Tänzer die Funktionsweise ihres Körpers vor und steigern sich dabei in immer komplexere Figuren. So vertieft eine der Szenen den Bereich Schultern und Arme, eine andere demonstriert in Zeitlupe die reflexartigen Bewegungen, wenn der Körper angestoßen wird. In Lektion fünf formieren sich die Akteure zu einer Art Laokoon-Gruppe, die langsam zum Leben erwacht.
Das größte Verdienst von Navas‘ Choreografie besteht aber darin, dass diese Vorgänge nicht im Abstrakten stecken bleiben. Zusammen mit der Musik des kanadischen Komponisten Alexander MacSween, der elektronisches Rauschen durch abgehackte menschliche Laute rhythmisiert, erzeugen die Tänzerinnen und Tänzer eine stark emotionale, teils ans Mystische grenzende Stimmung.