03.03.2009 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung: Gespenster in der Nacht: Emily Jane White singt melancholisch in Münster

Pressespiegel

 

03.03.2009 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Gespenster in der Nacht: Emily Jane White singt melancholisch in Münster

Münster. Ihre Stimme ist ein dunkel gefärbter Alt, fragil manchmal und ein bisschen verraucht. Aber nicht zu sehr. Rauchzart sozusagen.
Die Melancholie findet hier bequem ein Zuhause. Traurig sind sie sowieso, die Lieder, die Emily Jane White auf ihrem 2007 erschienen Debüt-Album „Dark Undercoat“ versammelt hat.
Dunkler Schatten
Am Montag gastierte die Sängerin und Songschreiberin aus San Francisco mit ihrer Band im Pumpenhaus und demonstrierte, dass Tristesse auch etwas Schönes haben kann, wenn man sie nur richtig in Szene setzt. Das bedeutet hier einfache, eingängige Melodien, minimale Arrangements und ein Gesang, der sich wie ein dunkler Schatten über alles legt.
Das Cello webt einen düsteren Klangteppich, aus dem die Gitarre einzelne Töne pickt. Der Bass treibt den Rhythmus in stoischem Fatalismus voran, und das Schlagzeug erzeugt eine Stimmung, wie man sie aus den Geschichten von Edgar Allan Poe kennt. Gleich, denkt man, huscht eine Gespensterschar aus den Kulissen und zieht Band plus Publikum in schwarze Nacht hinein. Metaphern von Vergänglichkeit und Tod bestimmen die Texte. Der Geliebte geht. Einsamkeit und Isolation machen sich breit. Und nirgends ein Horizont, an dem sich so etwas wie ein Lichtstreif abzeichnen könnte.
Amerika ohne Hoffnung
Whites Amerika ist ein Land, in dem die Hoffnung schon längst zu Grabe getragen wurde. In „Frozen Heart“ klappern Skelette durch ihr Gemüt, in „Liza“ werden ihre Träume vom Wüstensand begraben, in „Hole in the Middle“ formieren sich die Protagonisten zum Tanz mit dem Teufel.
Es ist der ewige Blues, der hier alles fest im Griff hat. Thematisch zumindest. Musikalisch finden sich Einflüsse von Country, Folk, Spiritual und Rock. Nick Cave meint man herauszuhören, P.J. Harvey und natürlich die Blues-Queen Bessie Smith, der White den ersten Song auf „Dark Undercoat“ gewidmet hat. „Oh, father lay me down“ heißt es da in geradezu religiöser Ergebenheit. Ein schönes Konzert und ein gefundenes Fressen für Melancholiker.
Emily Jane White: Dark Undercoat. Label Talitres; Bestellnr. 88300392; ca. 10 Euro.