15.11.2008 – Bernd Liesenkötter in den Westfälischen Nachrichten: Generation P „Irgendwann irgendwas machen

Pressespiegel

 

15.11.2008 – Bernd Liesenkötter in den Westfälischen Nachrichten
Generation P „Irgendwann irgendwas machen

Münster. Das Wort „Irgendwie“ und seine Verwandten „Irgendwas“, „irgendwo“ oder „irgendwer“ als zentrale Vokabeln einer ganzen Generation: „Irgendwie ganz gut“, „irgendwas mit Medien“, „irgendwo in Deutschland“.
Die viel beschriebene Generation Praktikum in dem Theaterstück „Generation P“, das am Donnerstag im Pumpenhaus aufgeführt wurde, hängt in der Luft. Die hoch ausgebildeten Absolventen tingeln, in Praktika hängend, durch die Republik. Finden trotz Uni-Ausbildung keine festen Jobs, dafür aber Angebote für unbezahlte Praktika.
Da ist zum Beispiel Nina (Laila Nielsen). Sie kommt aus Bulgarien und plant „fünf Jahre ganz harte Arbeit!“ Sie schreit diesen Satz oft heraus, fast wie ein Mantra. Damit sie sich mit 40 Jahren etwas leisten kann, um dann das zu tun, was sie „wirklich will“. Oder die angehende Journalistin Marie (Justine Hauer): Sie sucht „Sinn in der Arbeit“, hat hehre Berufsziele und will etwas für den neutralen, objektiven, distanzierten Journalismus tun: „So als Oberziel, irgendwie.“ Beim Rundfunk bekommt sie keinen festen Job. Aber sie kann ja mal jemanden anrufen, der dann vielleicht ein Praktikum vermitteln kann.
Dem Regisseur Frank Heuel gelingt es in dem frischen Stück, ein realistisches Panoptikum dieser gut ausgebildeten jungen Leute zu zeichnen, die einfach hängen: Zwischen Studium und Job, zwischen Lebens- und Arbeitsort, zwischen Praktikum und Planstelle. Nicht immer ganz unironisch und mit einer guten Mischung aus Leichtigkeit und ernsten, verzweifelten Momenten gelingt es der Gemeinschaftsproduktion des Theaters Bonn mit dem Fringe-Ensemble, die Vagheit nachzuzeichnen. Die Authentizität der Texte des Stückes verwundert nicht. Sie stammen aus Interviews, die Severin von Hoensbroech mit Vertretern der „Generation P“ geführt hat.
Applaus verdient auch das Bühnenbild (Ansgar Barody) samt Beleuchtung (Lothar Krüger). Die vermeintlich notwendige Flexibilität, die oftmals eher an Rückgratbruch erinnert, wird grandios in die Bühnengestaltung aufgenommen. Immer wieder tragen die Schauspieler die weißen Elemente durch die Gegend, Sofas werden wie Wohnorte verrückt, Köpfe in Stehlampen versenkt. Es gibt Videoübertragung als Element, und es mutet herrlich grotesk an, wenn Werbemann Markus (Arne Lenk) mit übergroßen Holzklötzen unter den Füßen laut über die Bühne stapft.
Das Stück endet, wie es angefangen hat: Mit einer lauten Kakophonie der sechs Schauspieler. Aus der setzt sich nur der bärenhafte Kai (Raphael Rubino) mit seinem Entschluss hervor: „Nee – jetzt reichts mal!“