04.02.2008 – VON FRIEDEMANN BIEBER in den Westfälischen Nachrichten Theater-Soap: Immer wieder bröckelt die Fassade

Pressespiegel

 

04.02.2008 – VON FRIEDEMANN BIEBER in den Westfälischen Nachrichten
Theater-Soap: Immer wieder bröckelt die Fassade

Münster. Gut, dass die flippige Helena immer das Positive sieht: „Na, ist doch schön!“ Was auch kommt, ihre Antwort bleibt gleich. Und es kommt eine Menge: Drunter und drüber geht es in ihrer schrägen WG; heftig rumort es in der freakigen Nachbarschaft. Münsters Theater-Soap unter künstlerischer Leitung von Alban Renz und Barbara Kemmler startet in die zweite Staffel – aber wie!

Aufregung im Kreißsaal: Melissa wendet sich in heftigen Wehen, Dr. Viktor Kobald, ein ominöser Halbgott in Weiß, beruhigt: „Vertrauen Sie mir. Das ist meine 43. Geburt!“ Finsternis. Das Pochen der Herzschläge aus dem Off wird langsamer, verstummt. Ein Jahr später. Melissa sitzt auf einem roten Sofa, im Arm ein grünes Bündel. Doch sie hat kein Baby. Frauenarzt Kobald spricht von einer Totgeburt, aber Melissa ist überzeugt: „Mein Kind lebt!“ Unerbittlich ordnet sie die Krankenhausakten – die Seite 43 fehlt.

Immer wieder die verschlagene 43 – mit einer mysteriösen Weissagung um die Zahl endete die erste Staffel. Seitdem hat sich vieles verändert. Neue Charaktere stürmen die Bühne, andere haben die Soap verlassen. Dem Autorenduo Peter Grasemann und Regina Laudage ist der schwierige Übergang geglückt.

Jetzt wird die Gemeinde sogar gläubig. Pater Claudius drillt Besucher in den Kirchenbänken mit Fitnessübungen. Walker G. Major – Jeans, Dreadlocks, Cowboyhut – ist der neue Organist aus Texas mit einer Vorliebe für Countrystyle. Und als wäre das nicht schon genug, platzt jetzt auch noch Bine in den feierlichen Trauergottesdienst. Bine ist die neue Praktikantin in der Gemeinde. Und es wäre keine Soap, würde sie sich nicht in Pater Claudius verlieben. Heimlich notiert sie: „Wenn du ein Berg wärst, wär ich Reinhold Messner!“ Offensiver agiert da die forsche Reporterin Donna, die sich an den schmierigen Dr. Kobald ranschmeißt. Wenn sie ein Geheimnis wittert, lässt sie nicht mehr locker…

Eine Menge Chaos ist also programmiert, denn jedes der 13 Soap-Mitglieder hat seine ganz eigenen Geheimnisse und Ticks. Immer wieder bröckelt die Heile-Welt-Fassade oder fällt gleich ganz in sich zusammen. Feindschaft und Freundsein, Weinen und Lachen, Enttäuschung und Glücksmomente liegen eng beieinander. Doch die Theatersoap ist kein kitschiger Klamauk, sondern eine Mischung aus bissiger Persiflage und waschechter Seifenoper. Spitzfindig karikiert sie die Fernsehsoaps, um sich im nächsten Moment ihrer ureigensten Waffen zu bedienen. Der Spagat glückt. Treffsicher und peppig kommt die erste von fünf Folgen daher und nimmt das Publikum mit: begeisterter Beifall statt Werbepause.

Zum Abschluss des Stücks gibt es stilecht einen fernsehwürdiger Cliffhanger: Ein Autocrash, Visagist Johann schleppt sich blutüberströmt auf die Bühne. In seiner ausgestreckten Hand zittert der Ring, mit dem er Melissa einen Antrag gemacht hat. Im Schock vereint steht die Soap-Community bangend zusammen. Na, ist doch schön! Wiederholungen der ersten Folge: 7., 8., 9., 10.2. im Pumpenhaus. |www.das-soap-ding.de