14.09.2012 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Unterwegs mit zwei Killern

Pressespiegel

 

14.09.2012 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Unterwegs mit zwei Killern

Neunundzwanzig haben sie schon. Einen pro Woche seit April. Der letzte liegt noch im Kofferraum. In Salzwasser eingelegt, damit es wie ein Unfall aussieht. Schiffbruch oder so. Welche Augenfarbe er hat? Keine Ahnung. Wer sieht sich einen Moro schon genau an, bevor er ihn umbringt.

Moros sind illegale Einwanderer aus Nordafrika. Und die beiden Herren, die sich da so ungeniert über ihren Job unterhalten, sind Auftragskiller. Bezahlt von der spanischen Regierung, was sie aber nicht sonderlich zu stören scheint – außer der Tatsache vielleicht, dass ihr Vorgesetzter („irgend so ein Sesselfurzer“) für einen Stempel genau so viel Geld bekommt wie sie für eine Leiche.

Man ist also doch wieder mal auf der Verliererseite gelandet. Aber diese Erkenntnis kommt spät, kurz vor Ende des Stückes erst, auch wenn sie in den Dialogen die ganze Zeit schon mitschwingt.

Über Gott und die Welt

Das Stück „Abgesoffen“, das am Mittwoch unter der Regie von Paula Artkamp im Foyer des Pumpenhauses Premiere hatte, ist eine ebenso makabre wie enthüllende Bühnenadaption des gleichnamigen Romans von Carlos Eugenio López.

Zwei namenlose Männer durchqueren nachts mit dem Auto die Mancha, eine Landschaft im Zentrum Spaniens, um die Leiche des ermordeten Afrikaners zu entsorgen. Dabei kommen sie ins Reden. Über Gott und die Welt, über Frauen natürlich, über Sex, über den Job, der zwar lästig ist, aber den „irgendjemand ja machen muss“.

Dass Killer auch nur Menschen sind, weiß man spätestens seit „Pulp Fiction“. Hier kriegt man es noch einmal serviert, und der Humor ist nicht weniger schwarz, wenngleich man in der rund 60-minütigen Vorstellung insgesamt ein bisschen den Spannungsbogen vermisst.

Banalität des Bösen

Dafür ist es eine Freude, den beiden Schauspielern zuzuschauen. Konrad Haller gibt sich als der Coole, der aber doch immer wieder aufbraust, wenn er sich missverstanden fühlt. Im Gegensatz dazu mimt Stefan Naszay (Foto) den Nachdenklichen, der seine Bedenken eher ausspricht und irgendwann zu dem Schluss kommt, dass etwas nicht stimmen kann, wenn es Leute wie sie gibt.

Die meiste Zeit besteht ihr Gespräch aber aus aufgeschnappten Halbwahrheiten, die deshalb so gefährlich sind, weil sie für komplexe Probleme einfache Lösungen suggerieren. Was hier zum Ausdruck kommt, dürfte ziemlich genau das sein, was Hannah Arendt mit der „Banalität des Bösen“ gemeint hat.