16.12.2011 – Wolfgang Halberscheidt / Westfälischen Nachrichten: Der Bestseller aus dem Pumpenhaus

Pressespiegel

 

16.12.2011 – Wolfgang Halberscheidt für die Westfälischen Nachrichten
Der Bestseller aus dem Pumpenhaus

Früher, in besten Tagen, gab er den Verführer. Mittlerweile reicht´s eher dazu, auf Kaffeefahrten als schleimiger Conférencier den Omis Rheuma-Decken unterzujubeln. Doch im Advent überkommt den Provinz-Mimen Theo Stolze-Stadelmann die Leidenschaft. Dann treibt es ihn raus – raus auf die Bretter. Gemeinsam mit dem treuen Helfershelfer Bernhard erzählt er die gefühlsselige Geschichte vom Jesulein. 

Na bitte: „Der Messias“, ein Bestseller aus dem Pumpenhaus, ist zurück. Am Mittwoch feierte das himmlische Vergnügen dort wieder Premiere, im 23. Jahr hintereinander. Beifallumrauscht – auch wenn jetzt, zu Beginn der aktuellen Staffel, Sitzreihen leer blieben. Regisseur Martin Jürgens hatte die originelle Komödie Ende der Achtziger bei Berliner Avantgardisten aufgespürt, anschließend für das münsterische Transittheater in Szene gesetzt.

Seitdem entwickelte sich die Produktion zum Zuschauermagneten – obwohl sich, abgesehen von Seitenhieben auf den politischen Zeitgeist, nie etwas ändert. Eigentlich ist alles wie immer: Texte, Bühnenbild, Requisiten, Glockengeläut und Orgelklang zum Auftakt. Ins Outfit von damals passen die Akteure auch. Dennoch lockt der Klassiker scharenweise neue Besucher an. Diesmal ließen sich Achtklässler der Friedensschule – Frischlinge im bunt gemischten Auditorium – von dem Weihnachts-Spaß begeistern. 

Was den derart anziehend macht? Bei dem Versuch, die Geburt im Stall von Bethlehem authentisch nachzuempfinden, geraten Theo und Co. in mancherlei missliche Lage, da sie aus Kostengründen sämtliche Rollen selbst übernehmen. Da sind die Pannen, die Streitigkeiten programmiert. Als schließlich Frau Timm, ein abgetakelter Opernstar, ihre Arien schmettern will, droht zusätzliches Wirrwarr. Den Frieden auf Erden gibt´s bei den Dreien aber trotzdem.

Weil es von Anfang bis Ende unter ihnen richtig menschelt: Krach – Versöhnung, Krach – Versöhnung. Autor Patrick Barlow gelang mit der Vorlage das Kunststück, die Geheimnisse zum Kind in der Krippe dem Publikum anhand der Vorfälle innerhalb der Looser-Truppe mit viel schrägem, britischem Humor nahe zu bringen – ohne sich jedoch ins Pietätlose zu verlieren. 

Dass der Kassenschlager vor Ort längst Kult-Charakter erlangte, ist zweifellos Pitt Hartmann und Benedikt Roling, den beiden quasi alterslosen Hauptdarstellern, zu verdanken. Mimik, Gesten, Präsenz – einfach grandios. Zwei versierte Routiniers, die ihre Parts, spielfreudig wie eh und je, glänzend meistern. Zusammen mit Partnerin Gabriele von Groote, der Dritten im Bunde, bilden sie das reinste Dreamteam. Als wäre das Script eigens nur für sie geschrieben worden.