18.11.2011 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten: Der König entpuppt sich als Diktator

Pressespiegel

 

18.11.2011 – Maria Berentzen für die Westfälischen Nachrichten
Der König entpuppt sich als Diktator

Oberhoff/Mousseka zeigen „King Kongo“ im Pumpenhaus

Wie ein Theaterstück beginnen, wenn der Erzähler fehlt? Eine Möglichkeit: Humor und die Zugabe vorziehen. Verständigungsprobleme hatten den Erzähler von „King Kongo“ statt nach Münster in den Schwarzwald verschlagen. Schließlich rief Regisseurin Stefanie Oberhoff sogar den Fehlenden an und ließ die Zuschauer per Lautsprecher wie bei einer Reportage an der Anreise teilhaben. Nach 20 Minuten war der Erzähler im Theater, und es ging los . . .

Die insgesamt zwölf Darsteller ließen sich von jenen Ereignissen nicht verunsichern. Unbeirrt führten sie ihr Stück „King Kongo“ auf, das sie gemeinsam mit Oberhoff und Lambert Mousseka, die selbst mitspielten, inKinshasa entwickelt hatten. Das Stück erzählt im Märchengewand die Geschichte von König Leopold II, der 1884/85 den Kongo als Privatbesitz zugeschlagen bekam.

Es ist ein Stück voller Gewalt und Gräuel: Entpuppt sich der weiße König doch schon bald als Despot, der unter dem Deckmantel der Menschlichkeit Hände abhacken und Frauen entführen lässt.

„Wir haben einen König, er ist weiß“, lautet die Nachricht, die alle in dem kleinen Dorf aufhorchen lässt. Doch zunächst besteht Hoffnung, schließlich „leckt auch der Leopard alle seine Flecken, egal ob schwarz oder weiß“.

Kurzerhand laden die Dorfbewohner den neuen König in ihr Dorf ein, um ihn willkommen zu heißen. Doch bereits die Proben für den Besuch laufen aus dem Ruder: Das Töten eines Darstellers als Kautschuk-Baum erinnert daran, wie Leopold II das Volk für den Rohstoff ausbeutete; sinnlose Machtdemonstrationen wie das Küssen der Füße und Spiel mit Feuer mahnen an die vergangenen Zeiten, die der halben Bevölkerung des Kongo das Leben gekostet haben. Die Musik von „Zehn kleine Negerlein“, die die Brassband „Fanfare Masolo“ spielt, passt hier ins Bild.

Doch damit nicht genug: In Windeseile verwandelt sich Leopold II in den Diktator Mobutu, der das Land ab 1965 drei Jahrzehnte lang als Diktator führte. Auf dem Kopf eine Leopardenmütze, das Gesicht von einer großen Sonnenbrille verdeckt, mordet Mobutu auf der Bühne seine Darsteller, lacht schrill. 

Bei allem schreitet das Stück langsam voran. Immer wieder gibt es „Freeze“-Momente, ein kurzes Innehalten. Die Musik das Brassband trägt dazu bei, das auch wörtlich gewaltige Stück zu entschleunigen. Die Zuschauer spendeten viel Applaus.