07.11.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Parodie der Gierigen

Pressespiegel

 

07.11.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Parodie der Gierigen

Fünf Performer stehen nebeneinander auf der Bühne; mit gewollt bedeutungsvoller Attitüde treten sie auf der Stelle, breiten die Arme aus, hüpfen. Infantil und komisch kommt diese Compagnie aus schwarzen und weißen Darstellern daher; vor allem Hauke Heumann, der das Französisch der Afrikaner übersetzt, ihre Bewegungen nachahmt, wirkt in seinem Übereifer wie eine Parodie afrikanischer Machos, die sich bald als Politiker, Geistliche oder charismatische DJs entpuppen. Und alle wollen manipulieren, gieren nach Macht und Geld. 

„Erleide meine Inspiration“, eine Produktion der preisgekrönten Regisseure Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen, eröffnete die dreiwöchige Reihe imPumpenhaus „Jenseits der Gleichgültigkeit: Performing black Africa“. Die Künstler aus Berlin und Abidjan haben in Münster schon mehrfach Themen der Elfenbeinküste auf der Bühne gebracht, begeisterten stets durch ihre Art, politische und gesellschaftliche Konflikte ironisch überzeichnet und dennoch authentisch darzustellen. So unterhaltsam war es allerdings selten, auch wenn der Tanz diesmal nur am Rande eine Rolle spielte. 

„Hier ist zu viel Inspiration“ übersetzt Heumann den afrikanischen Performer SKelly, der mit knallrotem Outfit und orange gefärbtem Haar schon optisch eine skurrile Erscheinung ist. „Ich bin gekommen, euch Idioten zu retten“, brüstet er sich als Präsident und gibtAngela Merkel gönnerhaft Tipps in Sachen Griechenland-Krise. Große Reden schwingen, nur nicht an Selbstbewusstsein verlieren; Abidjans Politiker machen „müde im Kopf“, sagt SKelly in einem ernsthaften, faszinierend ehrlichen Augenblick, bevor sich das Stück auf den nächsten Höhepunkt zuspitzt. Diesmal steht Gotta Depri als Priester und Teufelsaustreiber im Rampenlicht. „Hallelujah“ brüllend, tobt das Improvisationstalent über die Bühne und hat im Publikum bald ein Opfer gefunden, dem er Absolution für Steuerhinterziehung erteilt – unter der Bedingung, dass alles der Kirche gespendet wird. 

Die Sinnlosigkeit von Gewalt demonstriert Franck Edmond Yao in einer eindringlichen Westernszene. Wie im Film, so konnte es auch real an der Elfenbeinküste nur einen Präsidenten geben. „Stirb für mich“, fordert Yao als Machthaber – menschenverachtender geht es kaum.