02.11.2011 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten: Was Zombiefilme und Politik gemeinsam haben

Pressespiegel

 

02.11.2011 – Maria Berentzen für die Westfälischen Nachrichten
Was Zombiefilme und Politik gemeinsam haben

Abwärts geht es nicht nur in die Abgründe der eigenen Seele, abwärts geht es auch im Pumpenhaus. Etliche Stufen hinab in den Keller, um die Ecke und hinein in den kleinen Saal, in dem sofort das Licht verlischt. Stockdunkel. Dichte Finsternis, die plötzlich dadurch lichter wird, dass eine Gestalt sich eine Taschenlampe vors Gesicht hält: Das Gruseln beginnt und wird an diesem Abend nicht enden . . .

Was Zombiefilme und internationale Politik gemeinsam haben, ist eine Kernfrage des Stücks „Pandaemonium“, das am Dienstag im Pumpenhaus Premiere feierte. Das Konzept stammt von Ruth Schultz und Philip Gregor Grüneberg, der selbst mitspielt. 
„Ich kann nicht atmen, alles wird anders“, raunt Grüneberg über die Taschenlampe hinweg. Im Hintergrund schleicht sich die Tänzerin Jennifer Ocampo Monsalve aus einer Mauernische und nähert sich unbemerkt. Das Licht der Taschenlampe wirft flackernde Schatten. „Ihr werdet nicht mal mehr zum Schreien kommen“, stimmt Grüneberg das Publikum ein.  

Dass das Grauen den immer gleichen Prinzipien folge, lernen die Zuschauer an diesem Abend ebenso wie sie die produktive Kraft des Bösen begreifen sollen. „Nightmare on Elm Street“ steht hier neben der internationalen Politik; der Film „The Fog“ neben dem Ex-US-Verteidigungsminister Rumsfeld, der vor dem Verteidigungsausschuss über das Unbekannte sinnierte. 

Mit drei Tests „von anerkannten amerikanischen Psychologen“ testen die Schauspieler das Publikum: Wer hat das Zeug zum Massenmörder? Wer ist ein echterPsychopath? Es gilt, den Buchstaben F in einem Satz zu zählen und die Lösung für einen Kriminalfall zu finden. Und tatsächlich: Sieben potenzielle Psychopathen befinden sich unter den Zuschauern in der ausverkauften Veranstaltung. „Sehr gut, die Gesellschaft braucht kriminelles Potenzial“, freut sich Grüneberg.

Bald wälzt sich Ocampo Monsalve minutenlang in Todesqualen auf dem Boden, bald fragt Grüneberg nach dem Geschmack von Menschenfleisch. Schließlich mutieren die Schauspieler gar zu Zombies: Steife Glieder lassen sich kaum mitschleppen, ungelenk stolpern sie mit starrem Blick aufs Publikum zu. Dem gefiel die absurd-schräge Produktion so sehr, dass alle minutenlang applaudierten, trappelten und pfiffen.