21.10.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Festival Theater und MedizinÖffentliche Operationen

Pressespiegel

 

21.10.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Festival Theater und MedizinÖffentliche Operationen

2008 hat der Arzt und Schauspieler Tugsal Mogul das „Theater Operation“ gegründet, um Bühnenwerke an der Schnittstelle von darstellender Kunst und Medizin zu entwickeln.

„Halbstarke Halbgötter“ befasst sich mit dem Klinikalltag von Ärzten; in dem Stück „Somnia“ geht um die Träume und Bewusstseinzustände von Intensivpatienten. Beide Produktionen wurden bundesweit aufgeführt – nicht nur im Theater, sondern auch in Kliniken und auf Ärztekongressen. „Die Stücke kommen an, weil wir die Welt der Medizin auch unter kritischen Gesichtspunkten betrachten“, meint Agnieszka Barczyk, die in „Somnia“ eine überforderte Krankenschwester spielt.

Theater wird Klinik

Jetzt spannt das „Theater Operation“ den Bogen noch weiter. Beim interdisziplinären Festival „Der Traum der Medizin“, das vom 27. bis 30. Oktober im Pumpenhaus stattfindet, kommen Philosophen, Soziologen, Architekten, Filmemacher und bildende Künstler zu Wort – und das Publikum, das im Anschluss an die Vorträge und Lesungen Gelegenheit zur Diskussion hat. „Wir verwandeln das Theater in eine Klinik und werfen dabei einen frischen Blick auf Kranke und Gesunde“, so Produktionsleiterin Judith Schwellenbach.

Das Programm ist breit gefächert. Unter anderem beschäftigt sich der Philosoph Stephan Meier-Oeser mit dem Verhältnis von Traum und Realität in der Wahrnehmung. Der Künstler Timm Ulrichs setzt sich mit der Frage auseinander, ob Schmerz sein muss. Die Historikerin Barbara Duden bringt in einer Lecture-Perfomance das Verhältnis von Arzt und Patient im Wandel der Jahrhunderte zur Sprache und wird dabei von einer Sängerin begleitet.

Becketts Bewusstseinsstörungen

Henrik Wels referiert über „Quantitative Bewusstseinsstörungen im Werk Becketts, und Katarina Peters dokumentiert in einem Film den Krankheitsverlauf bei ihrem Mann. Außerdem führt das „Theater Operation“ seine beiden Erfolgstücke wieder auf. Am Samstag bei der „Langen Nacht der Medizin“ sogar im Doppelpack mit anschließendem therapeutischen Feiern im „Koma-Klub“.
Intensivmedizin

An die Veranstaltung im Pumpenhaus angeschlossen ist am 29. und 30.10. ein Symposium im Franz-Hitze-Haus, bei dem es um Intensivmedizin aus ethischer Sicht und um Nahtod-Erlebnisse geht.