14.10.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Harmonie trägt ein jeder in sich

Pressespiegel

 

14.10.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Harmonie trägt ein jeder in sich

Ein weiß gekleideter Tänzer sitzt auf einem kugelförmigen Gefäß, blickt entrückt in die Ferne. Wenn er seinen Oberkörper nach hinten biegt, ein Bein angewinkelt über das andere kreuzt oder den nackten Fuß heranzieht, wirkt er wie ein Yoga-Meister; seine Attitüde hat etwas Göttliches. Der Tänzer, der hier im Pumpenhaus steht, ist Jayachandran Palazhy. Der Titel seiner Produktion: „MeiDhwani“, übersetzt: „Echo des Körpers”.

Vor sechs Jahren war die indische „Attakkalari“-Tanzcompagnie das letzte Mal in Deutschland, jetzt sind die sieben Tänzerinnen und Tänzer mit ihrem Chef erneut auf Tournee. Jayachandran Palazhy, der in seinem Centre for Movement Arts in Bangalore zeitgenössischen, indischen Tanz auf beispiellose Weise fördert, spiegelt das Individuum zwischen unverfälschter Natur und rasanter Technologie, gebeutelt von Umweltzerstörung und Krieg.

Anmutige, junge Frauen treten mit runden Silbertöpfen auf, halten sie, wie zur Geburt, zwischen die gespreizten Beine, lassen sie in fließend-schnellem Tanz um die Körper kreisen oder transportieren die Gefäße auf ihren Köpfen. Drahtige Männer kriechen animalisch über den Boden oder jagen mit großartigen Sprüngen über die Bühne, ihre hohen Beine schnellen wie zur Verteidigungnach vorn. 

Ursprüngliches findet sich Elementen wie Feuer und Wasser oder in der Paarkonstellation: Mann – Frau. Die choreografische Handschrift dieses spannungsreichen Tanzstücks ist zeitgenössisch, auch wenn manches unverkennbar klassisch, indisch erscheint, wie etwa die schmalen, angewinkelten Hände der ausdrucksstarken Tänzerinnen. 

Männer und Frauen attackieren einander, bis sie regungslos am Boden liegen; die Musik wird cineastisch, emotional und dramatisch. Die spirituelle Figur des Anfangs läuft verstört über die Bühne. Dann lässt sie sich nieder, zeigt noch einmal seine ruhige Choreografie: Harmonie trägt jeder in sich.