14.10.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Frauen für Anmut, Männer für die Action

Pressespiegel

 

14.10.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Frauen für Anmut, Männer für die Action

Tanz: Kompanie aus Indien im Pumpenhaus

Bangalore im SüdenIndiens ist die Softwareschmiede des Landes. Aber die Millionenstadt hat auch inSachen Kultur einiges zu bieten.
Mit dem Attakkalari Centreof Movement Arts zum Beispiel, einer führenden Einrichtung für zeitgenössischen indischen Tanz. Am Mittwoch war dessen Leiter Jayachandran Palazhy mit seiner Kompanie im Pumpenhaus zu Gast und stellte seine neue Produktion vor.

„MeiDhwani“ bedeutet „Echo des Körpers“ und setzt sich mit dem Verhältnis von
Individuum und Gesellschaft in Indien auseinander, wobei historische Gegebenheiten
ebenso mit einbezogen werden wie spirituelle. Konkret sieht das bei dem achtköpfigen
Ensemble so aus, dass die Frauen für die Anmut und die Männer für die Action zuständig sind.

Weich und fließend bewegen sich die Tänzerinnen durch den Raum und lassen
dabei bauchige Vasen über Arme und Beine wandern, nehmen sie wie Babys in den
Arm oder schwingen sie als kleine Weltkugeln durch einen imaginären Kosmos.
Dann übernehmen die Männer mit einen dynamischen Tanz, der Elemente asiatischer
Kampfkünste einbezieht und bei dem sie mit metallenen Röhren wie mit Waffen
hantieren. Auffällig ist dabei, dass selten beide Geschlechter gleichzeitig auf der Bühne sind. Wenn die Männer auftreten, weichen die Frauen – und umgekehrt.

Erst als sich Jayachandran Palazhy kurz vor Schluss als eine Art Zeremonienmeister
ins Spiel bringt, findet direkte Interaktion zwischen den Geschlechtern statt. Anmut
auf der einen und Kraft auf der anderen Seite verbinden sich zu einem dynamischen
und harmonischen Gruppentanz, der östliche Tradition mit zeitgenössischen westlichen Bewegungsmustern in Einklang bringt – untermalt von einer Musik, die diese Fusion nachvollzieht. Eine beeindruckende Choreografie, die im voll besetzten Pumpenhaus großen Beifall
fand.