13.09.2011 – Arndt Zinkant / Westfälischen Nachrichten: Im Schatten der Türme aufgewachsen

Pressespiegel

 

13.09.2011 – Arndt Zinkant für die Westfälischen Nachrichten
Im Schatten der Türme aufgewachsen

Die Katastrophe des Elften September wabert anlässlich des zehnten Jahrestags durch alle Fernsehkanäle. Als sich im Pumpenhaus der Bühnennebel lichtete und acht weiß geschminkte Gesichter wie Totenmasken hervorschälten, hatte die Erinnerungsarbeit auch Münsters Gartenstraße erreicht. Verloren tasteten sich die jungen Frauen und Männer in die Wirklichkeit zurück. Und die traurige Szene schmolz zusammen in jenem Satz, den Peter Struck damals im Bundestag sagte: „An diesem schweren Tag sind wir alle Amerikaner.“
Die acht jungen Darsteller sind zwar im Schatten der zerstörten Türme aufgewachsen – aber dennoch war diese Szene nur eine unter vielen, die die Befindlichkeit ihrer Generation auf die Bühne schmetterte. Das Jugendstück „young & furious“ wollte viel – zu viel. Was der prämierte algerische Choreograf Samir Akika und der münstersche Jungregisseur Johannes Fundermann präsentierten, war einmal mehr eine Collage. Ein wilder Mix aus historischen Splittern und persönlichen Wehwehchen, die die junge Truppe ebenso wild rüberbrachte. Mal leidenschaftlich tanzend, mal ironisch feixend. Das frenetisch klatschende, ebenso junge Publikum klaubte sich all diese Splitter willig zusammen, die die Acht aus Belgien und Deutschland hinpfefferten (meist auf Englisch). 

Zwei Themen stechen hervor: die Sorge ums persönliche Glück und die um den Planeten, der mit blutroter Farbe ganz wörtlich an die Wand gemalt wird. Kein Wunder, dass Al-Gore-Fan Sara sich so Rage redet. Aus Sorge? Oder Enttäuschung über den präsidialen Selbstdarsteller? 

Ein cooler Typ dagegen ist Thijs, der zwischen Macho-Posen und Slapstick wechselt – und plötzlich uralte Vampir-Witze einstreut. Zufall? Schließlich sind die Untoten ja auch jugendlicher Kitsch-Kult. 

Am besten wirken die gut gebauten Tanzszenen, zu denen eine Art Waldgeist wie „DJ Oberon“ die Musik einspielt. Am Ende rappt er den Darstellern wütend Bescheid und schmeißt sie aus seinem Wald. Dann aber zieht sich das Ende lange, lange hin. Das Ensemble spielt einem quasi Theater-Workshop im Schneidersitz vor: „Wie ging´s dir bei den Proben? Warum bist du immer so gut drauf?“ Und als die Bühne dann mit Schleim aus Milch und Klopapier bekotzt wird, kratzt sich mancher verwundert am Kopf.