22.07.2011 – Gerhard H. Kock / Westfälischen Nachrichten: Générik Vapeur mischt den Verkehr auf

Pressespiegel

 

22.07.2011 – Gerhard H. Kock für die Westfälischen Nachrichten
Générik Vapeur mischt den Verkehr auf

Es war wie bei den Skulptur-Projekten: Neugier, Gespräche und gelegentlich auch Kopfschütteln. Die beiden Installations-Performances „Pick ´n´ Place“ von Angie Hiesl und Roland Kaiser auf der Stubengasse und am Harsewinkelplatz vermittelten Sinnlichkeit, Nachdenklichkeit und Freude.
Gernot Bogumil agiert in der Aktenwelt. Akkurat stellt er die Ordner ins Regal. „Müssen die gelben nicht eine Etage tiefer?“, fragte ein Passant. „Nein“, entgegnete der Aktenmensch, „eine Etage höher.“ Auf den Ordner stand Brockhaus, Goethe, Christa Wolf. „Entschuldiggen Sie, der Zweite in der oberen Reihe steht zwei Millimeter vor.“ „Oh, danke“, freute der Akteur sich über die Mithilfe.

In der Veraltungsmetropole Münster kennt man sich halt mit Akten aus. Aber Salat und Unterhosen zwischen den Deckeln? Da wunderten sich viele: „Der Salat hält sich da aber nicht lange.“ Und einer schätzte mit einem Blick: „Das werden 500 Aktenordner sein.“ „Es sind 498“, informierte eine Helferin auf Nachfrage. Tja, einMünsteraner kennt sich halt mit Aktenbergen aus. 

Aus diesen Akten führte Bogumil fünf Stunden lang ein Leben. Yang Yunzhi agierte mit Plastikbehältern. Die kamen aus China, wie abgerissene Aufkleber zeigten. Yunzhi kletterte akrobatisch über und durch die Regale. Hielt inne und hielt Zwiesprache mit den Bottichen. Er erzählte von erbärmlichen Produktionsbedingungen seiner Landsleute, davon, wie er als Kind in diesem stinkenden, schlechten Plastik nicht gebadet werden wollte und von den Eltern geschlagen wurde. 

Leise erzählte er seine berührenden Geschichten. Wer lauschte, erfuhr etwas über die Vorwelt des Wohlstands – inmitten der schönen, neuen Konsumwelt.

Tanzende Politessen

Eine Kolonne französischer Landpolizisten machte gestern am späten Nachmittag die Innenstadt unsicher. Politessen zeigten Bein, Gendarmerie mit reichlich Schatten um die Augen trillerte das Volk auseinander, und inmitten des Publikums tanzte die muntere Schutzmann-Truppe eine Art Tarantella. Das war mal eine Staatsgewalt zum Liebhaben – respektlos, aber sympathisch. Ähnlichkeiten mit wirklichen Polizisten aus Frankreich sind vermutlich rein zufällig – möchte man annehmen?.?