22.07.2011 – Petra Noppeney / Westfälischen Nachrichten: Tohuwabohu im Kaufladen

Pressespiegel

 

22.07.2011 – Petra Noppeney für die Westfälischen Nachrichten
Tohuwabohu im Kaufladen – Reverend Billy ruft: „Stop shopping!“

s gibt viele Arten, sich Freunde zu machen. Von dieser hier ist abzuraten, zumal wenn es um Geschäftsleute geht: Stakkato-artig das Mantra „Stop shopping!“ singend, fallen US-Konsumkritiker Reverend Billy und sein Gospelchor „The Church of Earthalujah“ zu früher Abendstunde an der Stubengasse in einen Bekleidungsladen ein. 
Im Gefolge: ein Haufen von weit über hundert amüsierten Anhängern, die nicht nur einen Virtuosendes politischen Entertainments und seine Jünger in Aktion erleben, sondern auch erboste bis planlos telefonierende Mitarbeiter beim verzweifelten Versuch, das Ganze zu verhindern.

Schon liegt eine Chorsängerin auf einem Stapel mit reduzierten Jeans. Andere halten Schuhe hoch oder modische T-Shirts: „Schau doch, schau doch!“ Aber der Meister kennt kein Pardon: „Stop Shopping!“ ist die Botschaft.

Der Zug der Fundamentalisten im petrolgrünen Kittel zieht weiter, der wirklich alles gebende, schwer schwitzende Chef mit Megafon voran. Erst Ringelreihen in einer Bankfiliale, verbunden mit Billys frommem Wunsch, „diese verrückten Investments“ zu stoppen – und dann ein erfreuter Aufschrei und Finger, die in eine Richtung weisen: Jener US-Coffee-Shop, der schon vorher per Sprechchor gegeißelt wird, tut sich vor dem Prediger und seiner singenden Meute auf. Und auch hier: Tohuwabohu im Laden binnen kürzester Zeit. 

Und hier gibt´s richtig verbale Haue der Marke „I don`t need no slavery in my coffee“ – „ich brauche keine Sklaverei in meinem Kaffee“.

Fünf Minuten, dann ist der Spuk vorbei. „Und wer räumt jetzt hier auf?“, zischt die Bedienung hinter dem Tresen. Doch die Menge, die eben noch den Laden bevölkerte, ist längst hinter Billy her.