20.07.2011 – Gerhard H. Kock / Westfälischen Nachrichten: Traumhafte Welten erscheinen

Pressespiegel

 

20.07.2011 – Gerhard H. Kock für die Westfälischen Nachrichten
Traumhafte Welten erscheinen

Als Kind hat Uwe Köhler noch die Elefanten und das gestreifte Haus gesehen. Das sind nur noch vage Erinnerungen. Konkrete Erscheinungen inszeniert der Münsteraner jetzt zusammen mit Raschid D. Sidgi an gleicher Stelle. Theater Titanick lässt am Alten Zoo seinen traumwandlerischen Spaziergang „Sonnambulo“ Wirklichkeit werden. 

Schädel von Mensch und Tier liegen bereits herum, Stahlgerüste mit Rost und Wattebäuschen harren auf Feuer, gigantische Maden hängen in Bäumen – Titanick hat das Areal zwischen Himmelreichallee und Promenade in Höhe der heutigen Musikschule komplett belegt. Schließlich sollen hier an zwei Abenden jeweils mindestens 2000 Leute durchflanieren. Die (kostenlosen) Karten sind zwar alle schon weg. Aber für jeden Besucher, der das Ereignisgelände vor Mitternacht wieder verlässt, darf wieder einer rein – eine Chance für die Geduldigen unter den Glücksrittern.

Da die Inszenierung, die aus Bildern von Bosch undBreughel sowie Dantes Göttlicher Komödie aussoziiert ist, keine Chronologie hat, lässt sie sich schnell oder langsam erlaufen und erleben. Es gibt zwar einen Musiker, der wie ein Zeiger den Kreislauf durchwandelt. Wem aber das eine Bild, die eine Szene besonders gut gefällt, der kann stehen bleiben und den Rest später erwandeln.

Es gibt acht Szenen und sieben Welten. In einer Welt sucht eine blinde Sängerin in einer Trauerweide den Partner, in einer anderen liebt der Knochenmann das Spiel und den Tod; es gibt die Welt des Klingenschleifers, des Ballonisten, der Regenmacherin, der Leichenwäscherin und des Energieträgers. In Szenen wird aus der weißen Frau eine schwarze Spinne, Liebende finden sich in der Folter wieder . . .

Die Sequenzen dieser „performativ kinetischen Installation“, wie Köhler sie nennt, sind zwischen drei und sechs Minuten lang. Sie wiederholen sich ständig (wegen der Anwohner nur bis Mitternacht) – wie Erscheinungen in einem Traum.

» Das „Flurstücke“-Festival beginnt am heutigen Mittwoch um 17.30 Uhr auf der Ludgeristraße mit „Mamas Beerdigung“ von Cacahuète. Eröffnet wird es um 18.30 Uhr im Festivalzentrum am Alten Steinweg. Um 19 Uhr tanzt dort „La Macana“, um 19.30 Uhr spielt dort Jan Klares „The Dorf“.