01.07.2011 – Arndt Zinkant / Westfälischen Nachrichten: Blaulicht und Ganoven-Walzer

Pressespiegel

 

01.07.2011 – Arndt Zinkant für die Westfälischen Nachrichten
Blaulicht und Ganoven-Walzer

„Einszweipolizei“: Szenen-Mix des jungen Theaters Cactus wurde begeistert aufgenommen

Tatort Pumpenhaus. Auch wenn man die berühmten Augen im Fadenkreuz nicht sieht – die ebenso berühmte „Tatort“-Musik rennt los, stolpert über „Derrick“, braust durch die „Straßen von San Francisco“ und schunkelt am Ende gemütlich übers „Großstadtrevier“. Da heißt es „Action!“ für acht Sessel mit Blaulicht, die wie beim Autoscooter umeinander wuseln und sich dann träumerisch zu Derricks Ganoven-Walzer wiegen. 
Fette Beats und harte Schnitte, Originalzitate und getanzte Szenen – das Motto der neuen Cactus-Theater-Produktion hieß einmal mehr: Es lebe die Collage! Ein rasanter Szenen-Mix rund um Freunde und Helfer in Uniform, der im vollen Pumpenhaus begeistert aufgenommen wurde.

Die Basis von „Einszweipolizei“ (Regie: Alban Renz) sind Interviews, die Jugendliche mit Polizisten geführt haben. Bis auf wenige Ausnahmen gehen alle Texte darauf zurück. Die acht jungen Akteure (fünf Frauen, drei Männer) schlüpfen hier nicht in Uniformen, sie spüren den Individuen nach, die sie tragen. „Manche interessiert der Mensch überhaupt nicht“, sagt einer. Man fühle sich in Uniform immer beobachtet. Und: „Man ist Repräsentant des Staates.“

Dialogszenen kreisen um die Kernfragen: Hast du Vorurteile gegen Schwarze? Glaubst du wirklich an alle Gesetze? Und: Wann ist Gewalt unvermeidlich? Plötzlich verschanzen sich alle hinter einem, der nicht mehr Herr der Lage ist, gestoßen und getrieben von der Menge. Die Polizisten fallen zu Boden, werden wie Mordopfer mit Kreide ummalt.

Ein tolles Ensemble: Andreas Strietzel, Shaun Fitzpatrick, Fabio Gunnemann, Meike Katthöfer, Lisa Kessler, Nicola Schiefel, Marie Heiderich und Sara Ranjana Häuser. Ein männlicher Darsteller mehr hätte der Authentizität gut getan. Aber auch wenn das Collage-Prinzip mittlerweile die Regel ist: Hier sind doch alle Zutaten stimmig. Da gibt es eine grimmige Choreografie (Sara Ranjana Häuser), die aus den Posen des Kampfsports entwickelt scheint. Da werden Szenen aus dem Al-Capone-Film „The Untouchables“ von 1987 mit Schattenspiel auf der Leinwand verballhornt. Und das Wichtigste kommt nicht zu kurz: Die Angst der Polizisten – vor Einsätzen, vor dem Töten und der Schuld, die man auf sich laden könnte. Am Ende erinnert sich einer an seinen Amtseid, und dazu blinkt ein einsames Rotlicht.