01.07.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung Mit Blaulicht am Sessel

Pressespiegel

 

01.07.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Mit Blaulicht am Sessel

Theater Cactus beleuchtet mit „Einszweipolizei“ den Polizeiberuf

Die meisten Menschen kennen Polizisten nur aus dem Streifenwagen oder vom Anstehen an der Dönerbude. Näheren Kontakt bekommt man erst, wenn man etwas falsch gemacht hat.

Oder wenn einem etwas gestohlen worden ist. Das Fahrrad zum Beispiel. Dann erstattet man Anzeige und sieht, wie sie Schreibmaschine schreiben. Auch betrunken Auto fahren ist eine Sache die sie nicht mögen. Aber sonst weiß man wenig von ihnen. Abhilfe schafft das Junge Theater Cactus.

Für „Einszweipolizei“ haben drei Jungen und fünf Mädchen unter der Regie von Alban Renz einige Hüter von Recht und Ordnung ausführlich interviewt. Herausgekommen ist eine spritzige, manchmal ernste, oft erheiternde Collage aus Musik, Tanz und Schauspiel, in der die verschiedenen Aspekte des Polizistenberufs beleuchtet werden. Am Mittwochabend hatte das Stück im ausverkauften Pumpenhaus Premiere.

Freund und Helfer?

Es ist die Uniform, die den Privatmenschen zum Dienstmenschen macht. Verändern sich nach dem Umkleiden nicht gleich Gang und Haltung? Wie sieht der Bürger den Polizisten? Ist er der Freund und Helfer, wie gerne propagiert wird? Oder doch nur jemand, der stets dann auftaucht, wenn man gerade so richtig Spaß hat? Wann darf ein Polizist eigentlich Gewalt anwenden? Wie darf diese Gewalt aussehen? Und warum nennt er seine Waffe „Susi“?

Das sind Fragen, die das Ensemble durchexerziert und dabei eine gehörige Portion Fantasie und Spielfreude an den Tag legt. Mit auf Rollen geschraubten und mit Blaulicht versehenen Polstersesseln tanzen sie Streifenwagen-Ballett, simulieren Einsätze oder stellen per Schattenspiel einschlägige Hollywoodfilme nach. Im Mittelpunkt aber stehen die Interviews, die zum Teil eins zu eins, also mit allen Versprechern und Denkpausen, nachgesprochen werden.

Erster Einsatz

In einem Interview erzählt ein Beamter von seinem ersten Einsatz – wegen einer Bahnleiche. Den Schock verarbeitet er am Abend, indem er sich Mettbrötchen schmiert. Die Schauspieler stellen die Situation auf der Bühne nach, verteilen Brötchen ans Publikum.

Meist aber geht es lustig zu. Gefragt, was er machen würde, wenn er nicht Polizist geworden wäre, antwortet einer: „Ich hätte gern Theater gespielt“. Eine sehenswerte Inszenierung, bei der Bürger und Polizisten einiges lernen können.