28.06.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Über Kisten und Kästen zum Kick

Pressespiegel

 

28.06.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Über Kisten und Kästen zum Kick

Die Bühne wirkt wie eine Mischung aus Klassenraum und Turnhalle: Zahlreiche Tische sind aufgestellt, dazwischen sieht man Kästen und dicke Matten. An einer Seite steht ein Baugerüst, passend zur Projektion im Hintergrund aus wechselnden Häuserfassaden und Straßenszenen. Mauern, Dächer, Brücken sind Orte, die Jugendliche, wie Hewad Miraky, Befahr Iranmanesh und Robert Ihns magisch anziehen. Sie gehören zur „Fly Society“ aus Hamburg, jugendliche Parkour-Aktivisten, die Hindernisse wie Stuntmen überwinden und dabei die eigene Angst hinter sich lassen, immer auf der Suche nach dem ultimativen Kick, der Freiheit bedeutet.

„Fly Society: Das Leben kennt mich“ ist eine Produktion von Rica Blunck und Nic Baginsky, die im Rahmen des 1. Festivals für Junges Theater, „Exit to Full Screen“, am Sonntagabend im Pumpenhaus zu sehen war. Viele Jahre gehörten die beiden zu den erfolgreichsten freien Tanztheatergruppen Deutschlands. Nun haben sie sich wieder zusammengefunden, um in einem Multi-Kulti-Projekt mit 27 Jugendlichen zu arbeiten. 

Junge Mädchen sind dabei, wie Sevgim Canay, die mit strahlendem Ausdruck, tänzerisch erstaunlich versiert, auf der Bühne steht. Und Jungs wie Lukas Vie­ring, der erzählt, wie gerne er auf Dächer und Brücken klettert, um meterhohe Tiefen zu überwinden, bevor er in rasanter Akrobatik über Tische, Kästen und Stufenbarren jagt. „Parkouring“ ist eine maskuline, Kräfte fordernde Disziplin. Gerade mal ein Mädchen ist dabei, das Flickflack und große Sprünge meistert und auf den Händen läuft. Aber nicht so flink wie die Jungs.

Faszinierend, wie sie übereinanderhechten, die Körper um die eigene Achse drehen und in verschiedenen Positionen durch die Luft fliegen. Den roten Faden bildet „Robi“, der mit eckigen Bewegungen und geschwellter Brust mal eine Art „Terminator“-Verschnitt auf die Bühne bringt, mal als Barbies Ken dasteht, um den anderen die Klamotten „abzuziehen“. Angstfigur für die einen, Fleisch gewordenes Hindernis für die anderen. Denn letztlich geht es nur darum, den eigenen Weg durchs Leben zu finden.