28.06.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Alle Hindernisse werden übersprungen

Pressespiegel

 

28.06.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Alle Hindernisse werden übersprungen

Theater: „Fly Society“ im Pumpenhaus

Sie definieren es als Freiheit und sich selbst als „Freiheitskämpfer der anderen Art“. Dabei besteht ihre Kunst im Wesentlichen darin, von A nach B zu kommen. Allerdings auf die effektivste Art. Und wenn ihnen dabei etwas im Weg steht, wird es einfach übersprungen, überklettert oder sonst wie überwunden. Wie das in der Praxis aussieht demonstrieren sie anhand von Podesten, Gerüsten und künstlichen Hindernissen, die sie rasant überspringen und dabei eine akrobatische Geschmeidigkeit an den Tag legen.

Die Rede ist von COAX, einer Hamburger Formation aus 27 Jugendlichen unter der Leitung von Rica Blunck und Nic Baginsky, die am Sonntag beim Festival „Exit to full Screen“ im Pumpenhaus gastierte. Ihr Stück „Fly Society: Das Leben kennt mich“ basiert auf der urbanen Trendsportart Parkour, die sie mit Elementen modernen Tanzes verbinden. Auf diese Weise entsteht eine mitreißende Show, die in sportlicher Hinsicht ebenso überzeugt wie in ästhetischer.

Parkour oder seine Spielart Free Running wird normalerweise im öffentlichen Raum praktiziert und hat zum Ziel, diesen neu zu definieren. Entsprechend philosophisch unterfüttert ist das Ganze. Der Weg ist das Ziel und Konkurrenz findet nicht statt, denn „Konkurrenz ist Illusion“, wie einer der Protagonisten erklärt. Es gilt, der Intuition zu folgen und so die eigene Balance zu finden. Überhaupt sei das Leben nichts weiter als “ eine endlose Probe für eine Vorstellung die niemals stattfindet“.

Salto aus dem Stand

Nun, die Vorstellung findet bei COAX sehr wohl statt. Und sie kann sich sehen lassen. Wenn die Traceure (wie sich die Parkour-Aktivisten selbst nennen) in spektakulären Sprüngen durch die Luft fliegen, aus dem Stand heraus Saltos machen oder bei ihren Aktionen die historische Dachstuhlkonstruktion des Pumpenhauses miteinbziehen, dann hält auch das Publikum den Atem an. Zwischendurch erzählen die Protagonisten von ihrem Leben und davon, was die Kunst für sie bedeutet, so dass neben den Sinnen auch der Kopf angesprochen wird.