27.06.2011 – Heike Eickhoff / Westfälischen Nachrichten: So klingen die Gefühle

Pressespiegel

 

27.06.2011 – Heike Eickhoff für die Westfälischen Nachrichten
So klingen die Gefühle

Unter der coolen Oberfläche der jungen Gesichter auf der Leinwand steckt eine Menge Gefühl. Sehnsucht, Enttäuschung, Liebe, Einsamkeit und fast noch kindliche Zärtlichkeit kommen schüchtern in sehr ehrlich wirkenden Statements hervor. Im Video, in kleinen Häppchen serviert, flimmern die Bilder über den Fransenvorhang, der als Leinwand dient und durch seine bewegliche Struktur den Bildern Unwirklichkeit verleiht.

Dazu erschaffen drei Musiker live auf der Bühne Klänge und Beats mit Elektronik und akustischen Tonerzeugern. Gitarre, kleine Steine und meterlange Seile, die wie ein archaisches Monochord tiefe Basstöne hervorbringen, werden von der Elektronik aufgenommen, verstärkt und verfremdet bis Original und Variation eine enge Symbiose eingehen. Zwei Installationen auf Holzstellwänden sind clever erdachte Musikinstrumente. Von oben nach unten laufen durch die Röhren, Handschuhe und Leisten kleine Kugeln, landen am Ende gar auf einer Trommel und fügen weitere Sounds ins bizarre Spiel. So entsteht ein ständig nach vorn drängendes Tongeflecht zu den Videos der Schüler aus Düsseldorfer Haupt- und Gesamtschulen, die für die Produktion „Unter der Haut“ sensibel und freimütig Auskunft gaben. Heutige Gefühlswelten junger Menschen, fast noch Kinder, sollen aufgezeigt werden. Und genau dies gelingt.

Ingo Toben, Regisseur aus Düsseldorf und spezialisiert auf die Arbeit mit Jugendlichen, hat ein eindringliches multimediales Gesamtkunstwerk geschaffen. Dabei geht es weder um sprachliche Virtuosität der interviewten jungen Menschen noch um die strenge Einhaltung von musikalischen Formen. Letztere bestimmt der Film, und so geht die Musik von Christoph Grothaus häufig den Impulsen des Videos nach, entpuppt sich also bei aller Improvisationsfreude als gut gemachte Filmmusik.

Zu sehen war das interessante Werk im Rahmen des Festivals für Junges Theater „Exit to Full Screen“ im Pumpenhaus, das noch bis zum 10. Juli läuft. Die Termine finden sich auf der Website des Pumpenhauses