27.06.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Selbst Liebe ist nicht privat

Pressespiegel

 

27.06.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Selbst Liebe ist nicht privat

Theater: „Unter der Haut“

Bei der Bühne waren eindeutig Bastler am Werk. Merkwürdige Konstrukte von herrlicher Sinnlosigkeit stehen darauf herum. An die hintere Wand hat man einen komplizierten Hindernisparcour genagelt, durch den sich später eine Stahlkugel ihren Weg durch die Schwerkraft suchen wird. Auf dem Boden liegt ein Keyboard, das mit Computer und Mischpult verbunden ist. Damit erzeugen die drei Akteure eine Kakofonie elektronischer Klänge, während auf einer großen Leinwand Videos von Jugendlichen zu sehen sind, die über Liebe reden.

Die Bilder und Vorstellungen, die wir von Liebe haben, sind nicht privat, sondern gesellschaftlich vermittelt. Das in etwa ist der Denkansatz im Stück „Unter der Haut“, das am Freitag beim Jugendtheater-Festival „Exit to Full Screen“ im Pumpenhaus zu sehen war.

Es ist nicht so sehr Theater was Regisseur Ingo Toben hier mit Düsseldorfer Haupt- und Gesamtschülern auf die Bühne bringt, sondern viel eher eine Videoinstallation mit Musik und Apparaturen. Ob das Ganze wirklich unter die Haut geht, darüber mag man streiten. Eindringlich ist es auf jeden Fall, allein schon durch die permanente elektronische Klangattacke.

Besser man konzentriert sich auf die Videos, die in ihrer Nachdenklichkeit einen wirksamen Kontrast zum Musikgetöse bilden. Ein Mädchen erzählt von den Problemen, die sie mit ihrem Freund hat, ein anderes davon, wie sie Jungs kennenlernt. Ein drittes sinniert, wie es geschehen kann, dass sich Liebe immer mehr in Hass verwandelt. Sogar ein Junge redet über seine Gefühle, die er für seine Freundin hegt, und wundert sich, warum diese Gefühle bei ihr nachgelassen haben, obwohl er sie doch nicht schlecht behandelt hat.

Beeindruckend intim

Das beeindruckende an der Inszenierung ist die Intimität, mit der Jugendliche ihre Geschichten erzählen. Hier wirkt nichts konstruiert oder für die Öffentlichkeit geglättet. Dieser Eindruck von Wahrhaftigkeit verstärkt sich noch, wenn die Kamera ganz nah an die Protagonisten herangeht. Die Großaufnahmen blicken hinter die Fassade und zeigen, wie verletzlich Liebe macht, wie sehr sie unter die Haut gehen kann. Da stimmt der Titel dann wieder.