10.06.2011 – Manuel Jennen / Münstersche Zeitung: Theatermann Tugsal Mogul: „Ich habe viele Alis gespielt“

Pressespiegel

 

10.06.2011 – Manuel Jennen für die Münstersche Zeitung
Theatermann Tugsal Mogul: „Ich habe viele Alis gespielt“

Tugsal Mogul schickt die Menschen ins Reich der Träume. Auf zwei ganz verschiedene Arten. Als Anästhesist der Raphaelsklinik sorgt er für die richtige Dosierung des Narkosemittels. Als Schauspieler und Regisseur bringt er mit seinem „Theater Operation“ das Leben im Krankenhaus auf die Bühne.

Sein Stück „Somnia“ über Menschen auf der Intensivstation ist in der nächsten Woche wieder im Pumpenhaus zu sehen.

Doppeltes Studium

Das allein wäre schon eine fesselnde Geschichte. Welcher Arzt hat neun Jahre lang Medizin und Schauspiel parallel studiert? Ist am berühmten Berliner Maxim Gorki Theater in Goethes „Clavigo“ ebenso aufgetreten wie in der ZDF-Serie „Soko 5113“?

Doch noch bewegender ist die Antwort auf die Frage, warum Tugsal Mogul überhaupt bei der Medizin geblieben ist. Warum hat er die Bühne nicht zu seinem alleinigen Beruf gemacht?

„Weil ich nicht immer nur den Türken spielen wollte“, sagt er. Wie bitte? Tugsal Mogul ist ein moderner, attraktiver Mann mit viel Ausstrahlung und makelloser Aussprache. Seine Eltern kamen 1967 aus Istanbul nach Beckum, er wurde zwei Jahre später geboren. Warum sollte er nur „den Türken“ spielen? Wer denkt heute noch in solchen Schubladen, während koreanische Tenöre an jedem Opernhaus italienische Liebhaber verkörpern?

„In der Oper ist das etwas anderes“, sagt Mogul. „Im Schauspiel wird viel stärker nach dem passenden Typen besetzt. Und dann sagt der Regisseur beim Vorsprechen im Stadttheater: Danke, aber einen Türken haben wir schon im Ensemble. Noch einen brauchen wir nicht.“

Mit rollendem R

Er habe im Fernsehen „viele Alis und Hüseyins gespielt“, sagt der Künstler. In der Soko-Folge „Mord auf der Wiesn“ war er zuletzt ein türkischer Vater: „Da habe ich mich sehr gefreut, als der Regisseur sagte: Sprechen Sie einfach normal Deutsch! Viele wollen hingegen, dass ich das R rolle. Oder ich werde als armenischer Asylant besetzt und darf nur ,Gut, gut, danke, danke‘ sagen.“

Mogul beschwert sich nicht über diese Rollen: „Ich mache das gern, das ist schon o.k. Aber mir wurde bald klar, dass ich nur damit nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten konnte.“ Im Krankenhaus arbeitet er heute auf einer halben Stelle, dort gebe es überhaupt keine Vorurteile.

Umso mehr genießt Tugsal Mogul, dass es im Theater Operation überhaupt nicht ums Türkischsein geht. Im Pumpenhaus wird er für einen Kollegen einspringen und neben der Regie auch eine Rolle übernehmen.
Der Arzt lebt mit seiner Frau in Münster. Was wünscht er sich hier? „Ich vermisse eine richtige türkische Community, Cafés, in denen sich alle Altersgruppen begegnen, und richtig guten Börek.“