09.06.2011 – Arndt Zinkant / Westfälischen Nachrichten: Auf der „Reeperbahn“ von Abidjan

Pressespiegel

 

09.06.2011 – Arndt Zinkant für die Westfälischen Nachrichten
Auf der „Reeperbahn“ von Abidjan

Die „Kindertänzer“ von einst im Pumpenhaus: Breakdance, Salto mortale und viel Schelmerei

 Am Ende geht die Post ab. Genug geschäkert, genug im Nähkästchen der eigenen Kindheit gekramt. Hier geht´s nicht um Betroffenheit, die Tänzer wollen zeigen, was sie draufhaben – und das Publikum im Pumpenhaus geht mit. Zwei Mädels aus der ersten Reihe haben den korrekten Hüftschwung sofort imitiert. Die Lautsprecher wummern, der Sänger beschwört durchs Mikro die „Seele Afrikas“: Alles habe mit Kunst zu tun, mit Stolz und mit Tanz. 
Kein Zweifel, diese früheren „Kindertänzer“ auf der Bühne sind dem harten Wettbewerb auf derAmüsiermeile von Abidjan entwachsen. Längst erfolgreiche Performer, imitieren sie die Kinder, die sie einst waren. Das Duo Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen (Berlin) hat „die Kindertänzer“ mit Laune auf die Bühne gebracht. So selbstbewusst, wie die Afrikaner (drei Tänzer und ein Sänger) auftrumpfen, ist das sympathisch, birgt jedoch die Gefahr, dass Armut und Schmerz in Ironie versickern.

Alles beginnt in der Rue Princess, der „Reeperbahn“ von Abidjan, wo die Kindertänzer um Aufmerksamkeit buhlen. So wie Prince Kreol und Anelka Chanel, die nun im Pumpenhaus cool auf Französisch plaudern, den Simultan-Übersetzer Hauke Heumann im Schlepptau. Am Anfang drucksen sie zum Schein herum: „Mann, ganz schön viele Leute hier! Man schämt sich total.“ Scham ist das Stichwort. Denn vor Publikum zu tanzen, ist wohl nicht das natürliche Bestreben der Jungen. „Aber wenn manche damit Geld verdienen, sagst du dir: Warum mach´ ich das nicht auch?“ So mühten sich die Knirpse um den rechten Hüftschwung – und halten nun der ersten Pumpenhaus-Reihe die Bettelhand unter die Nase: „Gib! Gib!“ Auch ein persönlicher Stil war ein Muss. Da gab es zum Beispiel „Magicien“, den Zauberer, einen echten Star. Oder „Bébé sans os“, das Baby ohne Knochen. Und natürlich Produzenten-Scharlatane, die das Blaue vom Himmel versprechen. 

Plötzlich gesellt sich Franck Edmond Yao (alias „Gadoukou la Star“) hinzu. Der Muskelmann entwickelt mit den heimischen Kids die Tanzprojekte. Im Pumpenhaus ist´s eine Mischung aus Breakdance, laszivem Hüft-schwung, Salto mortale und vielSchelmerei.