09.06.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Die Kindertänzer gehen auf Tuchfühlung

Pressespiegel

 

09.06.2011 – Manuel Jennen für die Münstersche Zeitung
Tanz in der Todeszone

Jun Takahashi lädt zu einem ungewöhnlichen Benefizprojekt für Japan ins Pumpenhaus

Was hat die „Gabel“ mit dem „Belag gemeinsam? Die beiden Wörter sind Anagramme, die durch Umstellung der Buchstaben aus dem jeweils anderen Wort gewonnen werden können. Doch nun die Preisfrage: Klappt das auch mit japanischen Schriftzeichen?

Ja, sagt Asayo Hisai. Die japanische Tänzerin steht heute und morgen in einem Stück mit dem Titel „Anagramm“ auf der Bühne des Pumpenhauses. Choreographiert hat es ihr Kollege Jun Takahashi, der auch sein eigenes Tanzsolo „JunJunScience“ zeigt.
Das spannende Gastspiel der Japaner hat einen traurigen Hintergrund. Pumpenhaus-Chef Ludger Schnieder hat schon lange Kontakte nach Japan, vor allem zu der Tanztheater-Produzentin Junko Hanamitsu. Als Schnieder im Fernsehen die Bilder des Tsunamis und der Atomkatastrophe in Japan sah, war sein erster Gedanke: „Ich muss den Künstlern helfen, da rauszukommen.“ Doch Hanamitsu lehnte das Angebot ab und sagte: „Wir bleiben hier, wo wir gebraucht werden.“ Stattdessen wies sie Schnieder auf Jun Takahashi hin, der ohnehin gerade mit einem Stipendium der japanischen Regierung in Berlin arbeitet. Ludger Schnieder lud Takahashi und seine Mitstreiter ein, und so gibt es nun heute und morgen zwei Benefizaufführungen im Pumpenhaus.

 Der Erlös kommt einem ungewöhnlichen Projekt zugute. Noch immer leben mehr als 100 000 Menschen zusammengepfercht in Notunterkünften in der Krisenregion 350 Kilometer nordöstlich von Tokio. Tänzer gehen in die Schlafhallen und arbeiten mit den Bewohnern, verschaffen ihnen Bewegung und ein bisschen Lebensqualität. Die Programme der Tänzer sind ganz auf das Alter der Menschen zugeschnitten.

Jun Takahashi hat selbst keine Freunde oder Verwandte verloren, aber die schrecklichen Tage der Katastrophe, an denen er in Berlin auf keinem Weg mit der Heimat Verbindung aufnehmen konnte, stecken ihm noch in den Knochen. Er tritt in Münster ohne Gage auf und will nach seiner Rückkehr selbst an dem Tanzprojekt in Japan mitarbeiten.