08.06.2011 – Lukas Speckmann / Westfälischen Nachrichten: Holt die Autos von der Leine…

Pressespiegel

 

08.06.2011 – Lukas Speckmann für die Westfälischen Nachrichten
Holt die Autos von der Leine…

Festival „Flurstücke o11“

Die Parkplatznot rings um den Dom treibt seltsame Blüten. Jetzt werden die Autos sogar schon an die Leine gehängt…
Das muss man sich mal vorstellen: Sieben Autos wiegen ungefähr sieben Tonnen. Wie dick muss ein Seil sein, um dieses Gewicht zu tragen? Wie viel Gegengewicht, wie viel Organisation ist vonnöten? Und vor allem: Was soll das.

Es ist Kunst. Erdacht von den schrägen Vögeln der französischen Gruppe „Générik Vapeur“, die damit den allgemeinen Autowahn veräppeln wollen. Die ganze Aktion beginnt am Servatiiplatz, wo sieben schneeweiße Autos von einem Schlepper an die Leine genommen und durch die Fußgängerzone gezogen werden. Unterwegs kommt Farbe an die Wagen, bis sie zum Schluss vor dem Dom an die Leine kommen. Vor dem Dom, weil es doch drinnen doch den großen Christophorus gibt, und der ist der Schutzpatron der Autofahrer.

Das Projekt heißt wirklich „Drôles d´Oiseaux“ („schräge Vögel“) und ist vermutlich die spektakulärste Aktion des Festivals „Flurstücke 011“, das Ende Juli gefeiert wird. Das Theater Titanick, das Theater im Pumpenhaus, die Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst und die Filmwerkstatt sind die Macher dieses internationalen Festivals für darstellende Kunst, und die ganze Stadt ist ihre Bühne. Neun Gruppen zeigen an drei Tagen etwa 24 einzelne Aktionen im öffentlichen Raum.

Titanick beispielsweise inszeniert auf dem ehemaligen Zoogelände eine Traumwelt zwischen Schein und Wirklichkeit. „Sonnambulo“, Schlafwandler, heißt die Produktion, die von Dantes „Göttlicher Komödie“ inspiriert ist. Die französische Gruppe „Fanfare Le S.N.O.B“ bespielt die Aaseeterrassen mit einem feierlichen Tanz, und die Filmwerkstatt hat das Amsterdamer „Medialab“ eingeladen, die Fassade der Diözesanbibliothek multimedial zu beleuchten.

Dabei ist die Stadt nicht nur Kulisse. Die internationalen Künstler versuchen zwischen Produktion, Ort und Publikum zu vermitteln. Die Zuschauer haben wiederum die Chance, unbekannte Orte zu entdecken. Insofern steht das Ganze in der Tradition der Skulptur-Projekte.