04.06.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Rasantes Theater aus dem Kongo

Pressespiegel

 

04.06.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Rasantes Theater aus dem Kongo

Mutoto Chaud spielt rau und authentisch

Die demokratische Republik Kongo ist ein Land mit vielen Gesichtern. Manche davon sind schön: das Klima, die Flora und Fauna, das Nebeneinander verschiedener Sprachen und Kulturen. Andere sind hässlich: die Korruption, die Armut, die militärischen Übergriffe, die vielen Aids-Toten. Alle diese Aspekte finden sich im Stück „Waldbrand“ wieder, mit dem die Theater-Akrobatikgruppe Mutoto Chaud aus Lumbashi derzeit im Pumpenhaus gastiert, um anschließend auf eine dreimonatige Deutschlandtournee zu gehen.
Im Mittelpunkt der geschichte steht die junge Anna, die seit ihrer Geburt Aids hat, ohne es zu wissen. Als ihre Eltern sie über die Krankheit aufklären, hat sie bereits andere Leute angesteckt – einen LKW-Fahrer, ihren Schulfreund und einen Polizisten.

Situation im Land

In einer temperamentvollen Mischung aus Musik, Tanz und Schauspiel entwerfen die Darsteller ein Bild von der Situation in ihrem Land. Armut treibt Anna in die Arme des Lastwagenfahrers. Das korrupte System lässt es zu, dass der Polizist sich an ihr vergeht. Über allem steht die Scham. Statt sich behandeln zu lassen, versuchen die Betroffenen, ihre Krankheit zu verbergen. Der Kampf zwischen einem Arzt und einem Patienten bringt diese Problematik zum Ausdruck. Es ist eine handfest ausgeführte Szene, die mit ihren akrobatischen Einlagen gleichzeitig einen Vorgeschmack auf den zweiten Teil des Abends gibt.

Tanz und Akrobatik

Denn nach der Pause steht mit „Mutoto Anasimame“ („Das Kind soll aufstehen“) eine rasante Tanz- und Akrobatik Show auf dem Programm. Zu traditionellen Gesängen, die von Trommeln und Banjo begleitet werden, tanzen die Akteure über die Bühne, springen durch Reifen und schlagen waghalsige Saltos. Dann bauen sie schwindelerregende menschenpyramiden, die bis zum Schnürboden hinaufreichen. Von der Spitze lassen sich die Jüngsten herabstürzen, um im lezten Augenblick von den Älteren aufgefangen zu werden.

Mutoto Chaud ist im Rahmen eines Sozial-Projekts entstanden. In der 15-köpfigen Truppe trainieren ehemalige Straßenkinder mit Künstlern. Das merkt man den Autritten an, die nicht glatt und gefällig daherkommen, sondern das rauhe Leben spiegeln, aus dem heraus sie entstanden sind. Das verleiht ihnen Kraft und Authentizität, die man auf hiesigen Bühnen selten erlebt.