27.05.2011 – Sabine Müller / Münstersche Zeitung – Mutoto Chaud: Die Akrobaten aus dem Kongo

Pressespiegel

 

27.05.2011 – Sabine Müller für die Münstersche Zeitung
Mutoto Chaud: Die Akrobaten aus dem Kongo

Akrobatik, Theater und Musik aus dem Kongo: „Mutoto Chaud“ zeigt im Pumpenhaus ein neues Bühnenprogramm. Es ist der Auftakt zu einer dreimonatigen Tournee durch Deutschland.

Die Kinder und Jugendlichen türmen sich zu Pyramiden, schlagen Salti. Einige trommeln, singen, tanzen. Ein junger Mann balanciert eine Flasche auf einem Stock, den er nur mit dem Mund hält. Das ist „Mutoto Chaud“.

Die Energie der Akrobatik- und Theatergruppe ist körperlich spürbar. Die 15 Akrobaten sind zwischen sechs und 26 Jahre alt, kommen aus dem Kongo, genau: aus Lubumbashi. Sie sind Ex-Straßenkinder. Die meisten haben ihre Eltern durch die Kriege und Unruhen im Land verloren, leben in einem Internat, das mit Hilfe des münsterschen Vereins Mutoto gebaut wurde. „Mutoto Chaud“ tourt jetzt zum dritten Mal durch Deutschland. Drei Monate lang zeigen sie ihre Künste in 25 Städten zwischen Sylt und Stuttgart. Tourstart ist Münster. Am 1. Juni ist im Theater im Pumpenhaus Premiere.

Körperkunst und Jonglage

„Das sind nicht nur ein paar Straßenkinder, die ein bisschen Theater machen“, sagt Richard Nawezi, Vorsitzender des Trägervereins Mutoto, der seit elf Jahren Kinder im Kongo mit kulturellen Projekten unterstützt. „Die haben richtig was drauf.“ Sie trainieren täglich auf dem Internatsgelände, wollen eine Akrobatikschule bauen.
Ihr neues Programm besteht aus der 40-minütigen Show „Mutoto Anasimama“ (Das Kind ist aufgestanden) mit Körperkunst, Jonglage, Tanz, Gesang und Musik sowie aus dem 40-minütigen Theaterstück „Waldbrand“, das ein ernstes Thema behandelt.

Erzählt wird die Geschichte von Anna, die seit ihrer Geburt Aids hat. Ihre Eltern verschweigen die Krankheit, Anna nimmt Medikamente, ohne zu wissen warum. Als sie 16 Jahre alt ist, wird sie sexuell aktiv, steckt andere an. Ihre Eltern wissen davon nichts.

Aufklären über Aids

Die Schauspieler sprechen auf der Bühne Swahili, es wird simultan übersetzt, doch auch ohne Sprachkenntnisse erschließt sich die Handlung. Basis des Stücks sind Interviews, unter anderem mit Aidskranken, Sozialarbeitern und Ärzten. „Das Stück will sensibilisieren für das Thema“, erzählt Nawezi. „Aids ist eine Krankheit wie jede andere auch, man muss darüber reden und offen damit umgehen“, sagt er.

In Nachbarstaaten des Kongos liegt die Quote der Erkrankten bei 25 Prozent, im Kongo wird es ähnlich sein, doch Krankheit und auch Sexualität sind tabu. „Aids ist aber nicht nur ein afrikanisches Problem“, sagt Nawezi. Auch in Deutschland tut Aufklärung Not. Bei einem Film- und Diskussionsabend im Cinema mit „Mutoto Chaud“ sollen sich Gespräche zwischen Jugendlichen aus dem Kongo und Deutschland entwickeln.