20.05.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Mensch wird zur Skulptur

Pressespiegel

 

20.05.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Mensch wird zur Skulptur

Tanz: Choreografien von José Navas im Pumpenhaus

Wer das Publikum bei der Stange halten will, muss einen gewissen Spannungsbogen aufbauen. Das ist nicht immer einfach. Vor allem dann nicht, wenn man keine zusamenhängende Geschichte erzählt, sondern Momentaufnahmen liefert, die zudem noch sehr persönlich und nicht immer leicht zu deuten sind. Und genau das macht José Navas in seinem Solo „Personae“, das am Mittwoch im ausverkauften Pumpenhaus Deutschlandpremiere feierte.

Zu klassischer Musik von Vivaldi, Lara, Verdi, Rachmaninoff und Ravel und einem Song von Patti Smith hat er sechs Choreografien entwickelt, die alle nur wenige Minuten dauern, aber eine große Bandbreite an Ausdrucksformen zeigen. So beschränkt sich das erste Solo im Wesentlichen auf die Darstellung des Körpers als Bild.Verschiedene Posen nimmt Navas dabei ein, während das Licht jeden einzelnen Muskel herausarbeitet. Dann zieht er sich wieder auf seinen Stuhl am hinteren Bühnenrand zurück und kleidet sich in aller Ruhe um.

In den folgenden Szenen tanzt er in roten Pumps einen wunderbar minimalistischen Tango. Oder er rollt, sich selbst liebkosend, über die Bühne und lässt sich dabei zu immer eindeutigeren Bewegungen hinreißen. Ein Auftritt verleiht ihm eine geradezu religiöse Aura. Mit schlangenhaft sich windendem Körper und weit ausholenden Armen scheint er alles segnen zu wollen, was ihm über den Weg läuft.

Die sakrale Stimmung wird anschließend mit einer dämonisch anmutenden Hundemaske gebrochen und einem Tanz, der an eine außer Kontrolle geratene Comic-Figur erinnert.

Alle Darbietungen werden von Navas mit Virtuosität und großem Ernst ausgeführt. Einige wollen vor Bedeutung schier zerbersten, andere wirken in ihrer Zurückhaltung fast schüchtern. Leicht zu deuten sind sie jedoch nie, obwohl man durch die integrierten Umkleidepausen reichlich Zeit dazu hätte. Der hohe künstlerische Anspruch des Tänzers fordert dem Zuschauer auch einiges an Konzentration ab.

Aber am Ende wird er belohnt durch eine fulminate Interpretation von Ravels „Bolero“. Navas begleitet das Stück zunächst nur mit Armen und Händen, als müsste er das Orchester dirigieren. Doch dann steigert er sich immer mehr hinein, bis er am Ende eins wird mit der Musik und dafür donnernden Schlussapplaus erhält.