17.05.2011 – Isabell Steinböck / Westfälische Nachrichten: Beeindruckend poetisch

Pressespiegel

 

17.05.2011 – Isabell Steinböck für Westfälische Nachrichten
Beeindruckend poetisch

Mit „Oblivion Suave“ der Sieczkarek-Company endete im Pumpenhaus das Landesfestival „Tanz NRW 11“

Im Takt zur Musik heben acht Tänzerinnen und Tänzer die Arme, lassen ihre Hände zur Seite klappen; indische Sitar verbreitet meditative Stimmung. Die Mark Sieczkarek Company teilt den Bühnenraum in exakte Diagonalen, formiert sich zu Paaren, bildet mit abgezirkelten Bewegungen gerade Linien. Der Choreograf arbeitet präzise und sein erfahrenes Ensemble versteht die Kunst zeitgenössischen Tanzes genau.
Das münsterische Publikum sieht erfreulicher Weise bekannte Tänzer wieder auf der Bühne: Tsutomu Ozeki ist dabei wie auch Eun-Sik Park-Wacker, beide ehemalige Ensemblemitglieder von Daniel Goldins Tanztheater. In der Company des ehemaligen Pina Bausch-Tänzers stellen sie erneut ihre Virtuosität unter Beweis. „Oblivion Suave“ ist die zweite Premiere, die Mark Sieczkarek im Pumpenhaus im Rahmen des Festivals „tanz nrw 11“ präsentierte, das mit dieser Vorstellung in Münster endete.

Ähnlich wie sein Solo „In Person“ ist die Atmosphäre ruhig. „Oblivion Suave“ allerdings zeigt auch technisch-anspruchsvollere, schnelle Bewegungssequenzen, die mitunter reizvolle Kontraste zur kontemplativen Grundstimmung bilden.

Der „rote Faden“ des Stückes lässt sich im Thema Lotusblume als Symbolgewächs finden. Auf Papier gemalt, von Sieczkarek selbst in Kleinarbeit mit Tusche gefertigt, entsteht aus diesen Zeichnungen, unter- und nebeneinander geheftet, ein fragiles Bühnenbild. Tänzerinnen und Tänzer laufen mit angewinkelten Armen, verschwinden hinter dem Vorhang aus Lotus, zeigen einzelne Blumen-Bilder. Ihre Beine sind gebeugt, die Bewegungen Boden zentriert; im Fokus steht für Sieczkarek einmal mehr die großartige Tänzerin Jeong Lee.

Der Lotus steht für den Neuanfang, weitere Attribute, die man der asiatischen Blume zuschreibt, sind Selbstlosigkeit und Reinheit, Ewigkeit und Schönheit. Mark Sieczkareks Company bringt dies mit Leichtigkeit auf die Bühne. Höhen und Tiefen sind ausgespart, dafür kann sich das Publikum fallen lassen. Nichts erstaunt oder befremdet, alles fließt in schönster Harmonie. Bis zur Perfektion durchdacht, wirkt die ästhetisch-poetische Choreografie asiatischer Schlichtheit. Ein beeindruckender Kreislauf niemals endender Bewegungen, in einer ewigen Welt aus Werden und Vergehen.