17.05.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Lotosblume bringt den Tänzern Glück

Pressespiegel

 

17.05.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Lotosblume bringt den Tänzern Glück

Gelungenes Finale für Mark Sieczkarek

Seine Choreografie „Oblivion Sauve“ für das Tanzfestival „Tanz NRW“, das im Theater im Pumpenhaus stattfand, wurde im ausverkauften Haus gefeiert.

Im Prinzip ist es eine Blumentapete. Unzählige Lotosblüten reihen sich auf der Rückwand der Bühne eng aneinander. Alle von Mark Sieczkarek in monatelanger Kleinarbeit selbst gepinselt und alle von großer symbolischer Bedeutung im Buddhismus, jener östlichen Weisheitslehre, der der schottische Choreograf und Tänzer auch im Leben anhängt. Für absolute Selbstlosigkeit und Reinheit steht die Pflanze dort, aber auch für Schönheit und Glück Es sind also durchweg positive Kräfte, die „Oblivion Sauve“ bestimmen.

Das Stück ist eine Neuinszenierung der 2009 in Wuppertal entstandenen Choreografie „Waiting in Vain“ und hatte am Sonntag in Münsters Pumpenhaus Premiere. Für das achtköpfige Ensemble ist der Weg hier eindeutig das Ziel. Der Tanz gestaltet sich wie ein Fluss, der irgendwo in den Bergregionen des Unbewussten entspringt, sich als sprudelnder Bach seinen Weg ins Tal sucht, dabei immer breiter wird und schließlich als mächtiger, sich selbst bewusster Strom von der Unendlichkeit des Meeres aufgenommen wird – metaphorisch gesprochen.

Paare finden sich

Konkret sieht es so aus, dass die Protagonisten scheinbar ungeordnet auf die Bühne purzeln und dort ihre Übungen absolvieren. Zunächst jeder für sich, ohne Bezug zu dem, was ihn umgibt. Aber bald wird man aufeinander aufmerksam, erkennt den anderen als Spiegelung des eigenen Ichs und tritt mit ihm in Kontakt. Paare finden sich, agieren erst nebeneinander, später miteinander, bis sich auch andere Paare in das Spiel mischen und man zusammen eine Gemeinschaft bildet.

Poesie und Anmut bestimmt die Atmosphäre. Das gilt für die Musik wie für den Tanz, der sich immer wieder beim fernöstlichen Figurenrepertoire bedient. Filigran bewegen sich Arme und Beine, die Hände deuten kleine Vögel an, die sich in die Lüfte schwingen wollen. All das verdichtet sich im Lauf des Abends und versetzt den Zuschauer in eine meditative Stimmung. Bis kurz vor Schluss die Musik verstummt und die Tänzer noch ein paar Sekunden wie auf einer Probebühne weitermachen. Dieser kleine Kunstgriff holt das Publikum nach 60 Minuten perfekt wieder zurück in das, was man gemeinhin Wirklichkeit nennt.