13.05.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Mark Sieczkarek im Takt der Liebe

Pressespiegel

 

13.05.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Mark Sieczkarek im Takt der Liebe

Etwas scheint ihm in den Fingern zu jucken. Flatterig bewegt er sie hin und her, während aus den Lautsprechern frühlingshaftes Vogelgezwitscher ertönt.
Dann greift die Bewegung auf den ganzen Menschen über. Entspannt tänzelt er jetzt zu leichtfertigem Klaviergeklimper über die Bühne, in legerer Sommerkleidung, einen Hut auf dem Kopf, der ihn ein bisschen wie einen Gärtner aussehen lässt. Oder wie Hermann Hesse, der in Montagnola durch sonnenbeschienene Hänge streift, auf der Suche nach der lang ersehnten Einheit von Körper und Geist.

Dass Mark Sieczkarek es gerne harmonisch hat, konnte man schon bei seinem letzten Münster-Besuch im Dezember vermuten, als er die Choreografie „Eu estive aqui“ (Ich war hier) vorstellte, ein von südländischer Leichtigkeit geprägtes Tanzstück, das in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Tanzgruppe Porto Alegre entstanden ist. Harmonie und Einklang der Bewegungen prägen auch seine neue Produktion „In Person“, die am Mittwoch im Pumpenhaus Premiere hatte – als erster münsterscher Beitrag zum Festival „Tanz.NRW“, das zurzeit in acht Städten des Landes stattfindet.

Unverschämt leicht

Es ist, wie der Titel schon sagt, ein sehr persönliches Solostück, das frühere Arbeiten aufgreift, verändert, weiterführt. Und bei dem die Liebe eine tragende Rolle spielt. In zarten Liedern und in mehreren Sprachen wird sie besungen. Einmal ist sie so schmerzlich, dass Sieczkarek in den Tönen förmlich zu waten scheint, ein andermal wirkt sie belebend und animiert ihn zu weichen Bewegungen, die wie ein Strom von Gefühlen aus ihm herausfließen. Immer aber ist der Tanz von großer Eleganz geprägt und wirkt trotz der Exaktheit der Bewegungen unverschämt leicht.

Dazu passen auch die Landschaftsbilder, die Oliver Iserloh auf die Rückwand der Bühne projiziert. Üppige Regenwälder sieht man da, pittoreske Wasserfälle oder einen antik anmutenden Säulengang, durch den der Tänzer als überlebensgroße Videoprojektion direkt auf das Publikum zuläuft, wobei die Zeitlupe die Kraft, die in den Bewegungen steckt, eindrucksvoll herausarbeitet.

Tanz mit Armen und Händen

In weiten Teilen absolviert Sieczkarek seinen Tanz nicht mit den Beinen, sondern mit Armen und Händen. Die sind ständig in Bewegung, kreisen, winden sich um den Körper und korrespondieren auf geheimnisvolle Weise miteinander. Damit werden sie Ausdruck einer irgendwo im Spirituellen angesiedelten Sinnhaftigkeit, die zu erschließen Aufgabe des Publikums ist. Oder man lehnt sich einfach zurück und genießt die Aufführung.