01.05.2011 – Isabell Steinböck / Westfälische Nachrichten: Tanzpädagogen unter sich

Pressespiegel

 

01.05.2011 – Isabell Steinböck für Westfälische Nachrichten
Tanzpädagogen unter sich

Fünf Frauen bewegen sich in einer Reihe hintereinander durch den Bühnenraum des Pumpenhauses. Die Damen tanzen eine Lokomotive: Mal sind ihre Arme angewinkelt, bewegen sich vor und zurück wie bei einer Dampflok, mal halten sie einander an den Händen, bilden Brücken, unter denen die anderen herlaufen.

Yolanda Bertolaso demonstriert eine Tanztherapiestunde für Kinder, die an einer Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Eigentlich hätten Erkrankte teilnehmen sollen, ebenso wie in der Stunde zuvor Nicht-Tänzer gefragt waren, um sich im zeitgenössischen Tanz oder Ballett zu probieren. Doch stattdessen saßen die Veranstalter – neben Bertolaso auch Heidi Sievert, Günther Rebel und Ingeborg Kölling, allesamt namhafte münsterische Tanzpädagogen, fast allein im Theater. Als Mitglieder der Anfang des Jahres gegründeten Münster-Sektion des „Conseil International de la Danse“ (CID), des Tanz-Rates der Unesco, haben sie zum Welttanztag einen Mitmach-Tag organisiert, mit kostenlosen Schnupperstunden, die sich an Interessierte richten sollten, die bis dato kaum Tanzerfahrung hatten.

Die vier Frauen auf der Bühne haben fast alle Tanzerfahrung; als die Tanztherapeutin sie bittet, anstelle der fehlenden Kinder auf die Bühne zu gehen, sind sie sofort dabei. „Im ersten Jahr ist der Anlauf schwer“, bedauert Heidi Sievert die spärliche Resonanz. 2012 habe man einen längeren Vorlauf, wolle man den Tanztag besser bewerben. Dann stünden auch keine Osterferien im Weg und keine Hochzeit im englischen Königshaus. Doch auch als Profi lernt man dazu: Dass sie am Welttanztag Kollegen über die Schulter schauen kann, freut die Ballettschulleiterin. 

Yolanda Bertolaso, eine ehemalige Bühnentänzerin, die heute an der Akademie für Musik- und Tanztherapie in Münster Studenten ausbildet, erklärt ihren Kollegen, worum es in ihrer Arbeit mit ADHS-Erkrankten geht. „Diese Kinder können ihr Tempo nicht einschätzen, laufen immer im 5. Gang. Das macht ihnen Angst.“ Um ihnen eine Struktur zwischen Langsamkeit und Schnelligkeit zu ermöglichen, lässt sie das Tempo durch Bewegung spüren. Zur Musik von Camille Saint-Saëns´ „Karneval der Tiere“ wird improvisiert: Gemütliche Schildkröten sind ebenso Thema wie schnelle Hühner oder majestätische Löwen. „Es geht darum, die Bewegung umzustrukturieren und damit den Radius der Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern“, erklärt Yolanda Bertolaso.