29.04.2011 – Isabel Steinböck / Westfälische Nachrichten: Lächerliches Computerspiel

Pressespiegel

 

29.04.2011 – Isabel Steinböck für Westfälische Nachrichten
Lächerliches Computerspiel

Monster Truck und Charsoo gastieren mit „Prince of Persia“ im Pumpenhaus

Ein langhaariger Mann in Boxerkluft stemmt mit unbewegtem Gesichtsausdruck einen Fernseher in die Höhe, auf dem in gnadenloser Langsamkeit zu lesen ist, was das Publikum gleich erwartet. Mit der Zeit läuft der schwächelnde Kraftprotz rot an, zittert, wirft den Fernsehapparat schließlich hinter sich, bereit zum nächsten grotesken, langwierigen Prozedere. Wie ein mittelalterlicher Ackergaul ist er nun eingespannt, dreht eine kunstvolle Kons­truktion Sand regnender Säcke stetig im Kreis. Eine originelles Bühnenbild für das nun folgende Märchen, das auch aus 1001 Nacht stammen könnte.

„Prince of Persia“ ist der Titel dieser im Pumpenhaus dargestellten Performance. Das Gießener Kollektiv „Monster Truck“ thematisiert das gleichnamige Computerspiel von 1989, ein Meilenstein des „Jump and Run“-Genres.

Als namenloser Abenteuerer gilt es, die schöne Prinzessin Farah aus den Händen eines Wesirs zu befreien. Während die Zeit unerbittlich läuft, leidet der Held in der Wüste Durst, kämpft mit Hyänen und anderen Widrigkeiten, um schließlich, als besondere Herausforderung, seinem eigenen Spiegelbild gegenüberzustehen.

„Monster Truck“ hat sich das Thema gemeinsam mit dem iranischen Theaterkollektiv „Charsoo“ vorgenommen und eine Produktion auf die Bühne des Pumpenhauses gebracht, die von Absurdität strotzt. Wie in einem Schülertheater springen die hilflosen „Helden“ über die Bühne, lassen die Arme schwingen wie Vögel oder krabbeln auf allen Vieren, mit hängender Zunge, durch Wüstensand. Infantil und komisch wirkt dies, ebenso wie das grimassierende Gesicht im Fernseher – eine Art Computer-Tierchen, das sich von dem mit schwarzer Kutte und metallenem Gesichtsschutz ausgestatteten, wenig aktiven Kämpfer, gerne streicheln lässt.

Spannung oder gar Sogkraft des Spiels bleibt dabei auf der Strecke; die an sich faszinierende Konfrontation des Egos mit sich selbst wird nur erzählt, darstellerisch nicht ausgereizt, dafür verwandelt sich das Ensemble am Ende in fünf Prinzessinnen, die jeder Romantik widersprechen. „Prince of Persia“ gibt letztlich virtuelle Computer-Märchenwelten der Lächerlichkeit preis, ohne dabei in die Tiefe zu gehen – als Gesamtkonzept kann dies nicht immer überzeugen.