10.04.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Bohrer tanzen, Becher musizieren

Pressespiegel

 

10.04.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Bohrer tanzen, Becher musizieren

Der ferngesteuerte Bohrer zeigt ein Solo: Auf seinen metallenen Standbeinen schiebt er sich von der Bühnenseite zaghaft Richtung Mitte und lässt sein typisches Bohrgeräusch ertönen, bevor ihn die langen Fahrgestelle in die Horizontale fallen lassen. Eine federnde Spirale, an der Rückseite des Geräts montiert, lässt die Konstruktion sanft „landen“. Ein umgebauter Rasensprenger sowie ein „trommelnder“ Bohrer stimmen ein in dieses kuriose Konzert aus Geräuschen, die man allzu gut aus dem Alltag kennt, jedoch nie auf einer Bühne vermuten würde. 

Absurd, witzig und fantastisch kreativ ist die Performance der Züricher „Compagnie Drift“. Eigentlich sind die drei Tänzer, aber irgendwann fand ihre computergenerierte Musik eine solche Beachtung, dass sie auch Musikstücke kreierten. Im Pumpenhaus haben Massimo Bertinelli, François Gendre und Peter Schelling mit „Schwarzer Peter“ ausdrücklich „kein Konzert“ gespielt. Das ist erstaunlich, schließlich wirkt es sehr musikalisch, wenn sie in schwarzen Anzügen und mit stoischen Mienen vor ihren Computern stehen, hier eine Taste drücken, dort ins Mikrofon pfeifen, hauchen oder die schönsten englischen Lieder singen – im Countertenor, zu den wohlkomponierten Klängen einer Ukulele. Gesungen wird im Stehen, kerzengerade wie eine Puppe, und auf einer Drehscheibe, präsentiert wie eine Spieldosenfigur. Das musikalische Spektrum reicht von Sounds à la Kraftwerk, tänzerisch begleitet von Figuren, die an Science Fiction erinnern, bis hin zu mittelalterlich anmutenden Liedern.

Die eigenwilligen Musikinstrumente sind mit Liebe zum Detail konstruierte kleine Roboter, die die drei Einfallspinsel aus Türklingeln, Schellen, Plastikbechern, Glühbirnen und leuchtenden Lautsprechern in Feinarbeit zusammengebastelt haben. Ohne Mikrofone ginge nichts; in allen Formen und Größen sind die Geräte mit den Performern verbunden, mal auf den Rücken geklebt, mal unter den Füßen befestigt, auf die Bäuche gelegt oder sogar in die Unterhose geschoben, lassen sich damit die unterschiedlichsten Rhythmen zu Gehör bringen. Die Compagnie hüpft, springt, gestikuliert, bewegt sich wie Automaten. Bis zum Schluss bleibt es spannend, welches kuriose Musikinstrument die drei jetzt wieder „aus dem Hut zaubern“; ein Jammer nur, dass die Vorstellung so außergewöhnlich schlecht besucht war.