04.04.2011 – Helmut Jasny / Münstersche Zeitung: Suche nach Bedeutung

Pressespiegel

 

04.04.2011 – Helmut Jasny für die Münstersche Zeitung
Suche nach Bedeutung

Tanz: „HeroNeroZero“ im Pumpenhaus

Die Bewegungen mit denen sich Lisbeth Gruwez und ihr Partner Rob Fordeyn aus dem Dunkel herauskämpfen, muten fernöstlich an. Zwei Samurai, die ihr Morgentraining absolvieren, um dann irgendeinen Bedrängten aus der Patsche zu hauen. Eine andere Assoziation wäre Tai Chi, bei dem jemand die Zeitlupe ausgechaltet hat.
Auf jeden Fall wirkt es fremd, geheimnisvoll und hochdiszipliniert, was die belgische Gruppe Voetvolk mit ihrem Tanzstück „HeroNeroZero“ am Wochenende im Pumpenhaus als deutsche Erstaufführung präsentierte.
Gruwez kennt man in Münster schon. Zuletzt war sie vor einem Jahr bein Statements-Festival mit „Birth of Prey“ da, einer ebenso hermetisch wie archaisch anmutenden Choreografie über die Wechselwirkung zwischen Jäger und Beutetier. Leicht wird es dem Zuschauer auch im neuen Stück nicht gemacht, zumindest dann nicht, wenn er unmittelbar verstehen will, was er zu hören und zu sehen bekommt. Es gehe um das Streben nach Erfolg, die Suche nach Bedeutung im Leben, um Selbstbestätigung und um die Angst, in der Vergessenheit zu verschwinden, verrät der Programmzettel.
So weit, so gut. In „HeroNero Zero“ spielt dabei Holz eine Rolle, das in dicken Bohlen am hinteren Bühnenrand liegt und von Maarten Van Cauwenberghe, der auch als Musiker fungiert, nach und nach zu einer Art Labyrinth angeordnet wird. Einige der Bohlen stellt er auf die schmale Stirnseite, dass sie wie Steelen in den Himmel ragen und jeden Augenblick umstürzen können. An andere klammern sich die Gruwez und Fordeyn wie an einen rettenden Strohhalm, bevor er ihnen weggezogen wird und sie im Nichts versinken.
Später schlägt die Stimmung in die eines Splatter-Movies um, wenn Gruwez an der Rampe steht und Grimassen zieht, gegen die jeder Zombie als Sonnyboy durchgeht. Ausgang aus diesem Grauen bietet David Bowie, dessen Hymne auf die „Helden für einen Tag“ die Protagonisten intonieren, während sie sich aus einem Zweikampf in eine liebevolle Umarmung hinein winden.