02.04.2011 – Petra Noppeney / Westfälischen Nachrichten: Verliebte Jungs, versteckte Mädchen

Pressespiegel

 

02.04.2011 – Petra Noppeney für die Westfälischen Nachrichten
Verliebte Jungs, versteckte Mädchen

Paradeiser Productions inszenierte „The Virgin Suicides“ als spannendes Tanz-und Theaterstück

Paul ist der einzige, der schon mal im Haus war. Durch einen unterirdischen Tunnel hatte er sich reingeschlichen. Mit „Badezimmer-Fantasien“ über die abgeschirmten Lisbon-Mädchen war er zu seinen pubertierenden Freunden zurückgekehrt. Und dann das: Die Jungs werden offiziell eingeladen – und erleben eine Überraschung: die Mädchen, in ihren Träumen längst zu einem Objekt der Begierde verschmolzen, sind doch tatsächlich „fünf unterschiedliche Menschen“.

Das Spiel mit den Zahlen hält Regisseurin Ruth Schultz in der gelungenen Inszenierung von „The Virgin Suicides“ nach Jeffrey Eugenides´ Roman konsequent durch. In dem Stück, das jetzt im Pumpenhaus Münster-Premiere hatte, lässt sie die fünf Tänzerinnen mal die fünf Mädchen verkörpern, mal tanzen alle eine Figur. Und weil die Mädchen, die Faltenröcke und pinke Kniestrümpfe tragen, 75 Minuten lang stumm bleiben, hat Schultz Bewegungen kreiert, die die Gefühle klar transportieren.

Reden müssen im Stück von Paradeiser Productions aus Münster die verliebten Jungs. Auch sie wechseln die Rollen, sind mal die vier forschen Buben, mal die farblosen Eltern der Mädchen. In jedem Fall sind sie gut informiert über das, was im prüden Fünf-Mädel-Haus in der US-Provinz in jenem Jahr passiert, als sich erst Cecilia umbringt und später ihre Schwestern folgen.

Die Tragik könnte erdrücken. Doch Schultz´ Diplom-Inszenierung hat viel Ironie und sprachliche Wucht. Nur zum Ende hin, wenn sich des Dramas letzter Akt ankündigt, wird sie bleiern.

Dass das Stück dennoch die Spannung hält, liegt am Unausgesprochenen. Die Jungs zitieren, 30 Jahre danach, noch immer Aussagen und Beweisnummern. Aber was gilt es eigentlich zu beweisen? Die eigene Unschuld vermutlich angesichts drückender Schuldgefühle, die sich in Sätzen wie „Mit den Tränen sind wir glücklicher als mit Frauen“ manifestieren. Woher sie all ihre Kenntnisse haben, bleibt nebulös.

Die bilderstarke Inszenierung kommt mit wenigen Requisiten aus. Lampen, die die Jugendzimmer der Mädchen, die durchaus Verbotenes tun, andeuten, und die transportablen Radiogeräte fügen sich mit Kai Niggemanns Musik, die von Radio-Fetzen bis zum Schwof-Chanson reicht, zu einem stimmigen Gesamteindruck. Freundlicher Applaus dafür – und für die gute Ensembleleistung.