30.03.2011 – Manuel Jennen / Münstersche Zeitung: Theaterstück „Virgin Suicides“ – Tödliche Diplomarbeit

Pressespiegel

 

30.03.2011 – Manuel Jennen für die Münstersche Zeitung
Theaterstück „Virgin Suicides“ – Tödliche Diplomarbeit

Regisseurin Ruth Schultz zeigt im Pumpenhaus ihre „Virgin Suicides“

 Wie erwirbt eine Regie-Studentin ihr Diplom? Sie überzeugt die Professoren mit einer tollen Inszenierung. Ruth Schultz schaffte das im vergangenen Herbst an der Essener Folkwangschule mit einem düsteren Stück: den „Virgin Suicides“ (Jungfrauen-Selbstmorden) des Romanautors Jeffrey Eugenides.

Schultz betreibt mit dem münsterschen Elektro-Komponisten Kai Niggemann das Theaterlabel „Paradeiser“ und bringt die „Suicides“ am Donnerstag und Freitag auf die Bühne des Pumpenhauses.

Zu sehr behütet

Die Regisseurin und der Musiker erzählen so lebendig, dass man auch ohne Theater sofort in der amerikanischen Kleinstadt-Welt der fünf „Jungfrauen“ versinkt. Einer spießigen Welt der 1970er Jahre. Die Mädchen sind wohlbehütete Teenagerinnen, ihr Vater ist Lehrer, die Mutter Hausfrau. Die Töchter dürfen nur zur Schule und in die Kirche, die Eltern halten sie streng unter Verschluss.

Das treibt die Jungen des Ortes zur Raserei. Sie beobachten die Mädchen auf Schritt und Tritt, sind total verknallt – und werden Zeugen, wie sich alle fünf Schwestern umbringen. Die Jüngste beginnt. Sie wird beim ersten Versuch noch gerettet, und die Eltern geben vor Schreck ihre Abwehrhaltung auf und laden die Jungs zu einer Party für ihre Töchter ein. Doch das hilft nichts mehr. Die Mädchen geraten in einen Rausch der Selbstzerstörung und inszenieren am Ende einen grauenhaften Gruppen-Selbstmord.

Keine Antworten

Warum tun sie das? Weil sie das Eingesperrtsein nicht mehr ertragen? Weil die Jungen sie zu sehr bedrängen? Weil sie verrückt sind? „Das Buch gibt keine Antwort. Es trägt nur unendlich viele Details und Beobachtungen zusammen“, erklärt Ruth Schultz. „Und unsere Inszenierung lässt die Frage auch offen.“

Zumal hier nur die Männer reden und die Frauen schweigen. Die beobachtenden Jungen sind Schauspieler, die Mädchen aber Tänzerinnen ohne Text. Sie bewegen sich zu Kai Niggemanns Live-Elektro-Musik.

„Es war mir wichtig, die Mädchen nicht von Anfang an als scheintote Zombies zu zeigen, sondern als lebensbejahende junge Frauen, die sich erst im Lauf des Stücks durch die Verhältnisse verändern“, sagt Schultz.

Die „Virgin Suicides“ wurden 1999 sehr erfolgreich von Sofia Coppola verfilmt, mit Stars wie Josh Hartnett und Danny DeVito. Ruth Schultz hat sich jedoch an das Buch gehalten und den Film nicht angeschaut: „Sofia Coppola hätte mich sonst bestimmt zu sehr beeinflusst.“