26.03.2011 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Unterbrechungen führen am Ende zu Liebe

Pressespiegel

 

26.03.2011 – Isabell Steinböck für die Westfälischen Nachrichten
Unterbrechungen führen am Ende zu Liebe

Tänzer dehnen ihre Arme in die Weite, ziehen lange Beine in die Höhe. Kurze, abrupte Bewegungen bilden den Kontrast dazu, mal als Solo, mal zu zweit oder in der Gruppe. Der eine bewegt den anderen, aggressiv, mit angedeuteten Tritten männliche Tänzer untereinander, fließend, mitunter harmonisch, die Tänzerinnen.

Continuous Interruptions“ ist der Titel von Olga Ponas aktueller Produktion, die nur wenige Tage nach ihrer Weltpremiere in Russland von 13 erstklassigen Tänzern des Chelyabinsk Contemporary Dance Theatres auf die Bühne des Pumpenhauses gebracht wurde. 

Konkrete Inhalte lassen sich schwer ausmachen. Es geht abstrakt um „die Suche nach flüchtigen Konstanten in einer zersplitterten Welt“. 

Tänzerisch bringt die russische Choreografin ihr Thema zum Greifen nah. Die Tanz-Sequenzen in Solo-Stücken, Pas de deux oder Gruppen-Choreografien sind letztlich Gebilde aus Körpern, die es zueinander drängt, ohne bleiben zu können. Faszinierende Szenen entstehen; im Bewegungsfluss formen sich immer neue, ästhetische Tanz-Bilder. Die Choreografie ist athletisch und akrobatisch, schnell und fordernd vom Anfang bis zum Schluss, dabei beeindruckt jede Tänzerpersönlichkeit für sich durch Ausdruck und Virtuosität. 

Olga Pona, die Pionierin des zeitgenössischen Tanzes in Russland, hat ihre Tanzsprache weiter entwickelt, bis hin zur Perfektion. Wirkten frühere Produktionen weniger ausgereift und mitunter dem Turnen näher als dem Tanz, so präsentieren sich Tänzer wie Choreografin jetzt in Höchstform. Dabei sind es gerade die Unterbrechungen (interruptions), die das Stück so spannend machen. Gebrochene Bewegungen gehören ebenso dazu wie der Wechsel von einer Stimmung zur nächsten oder der Kontrast von Geräuschen, schneidend-hohen Tönen und melodisch eingängiger Musik.

Wirken die Tänzer-Beziehungen über lange Strecken ohne echten Zusammenhalt, so scheinen sich gegen Ende Liebe und Optimismus durchzusetzen, wenn Paare einander in der Umarmung finden oder Freundinnen eng nebeneinander auf dem Boden liegend, Sterne beobachten. Eine Vision, die über jegliche Grenzen hinweg anrührt.