02.03.2011 – Arndt Zinkant / Westfälischen Nachrichten: Wenn „Black Swans“ schluchzen

Pressespiegel

 

02.03.2011 – Arndt Zinkant für die Westfälischen Nachrichten
Wenn „Black Swans“ schluchzen

Sie tanzen, sie kreischen, sie träumen. Sie lesen mit naiv-kindlicher Stimme aus ihrem Tagebuch. Sie marschieren sogar im Stechschritt, als riefe sie jener Kasernen-Appell, der ihnen als Mädchen doch erspart bleibt. Aber Gruppenzwang und Zucht und Enge, die kennen sie eben doch. 
Und dann schlagen alle Acht plötzlich mit den Flügeln, als wäre die karge Bühne der Schwanensee. Eine dehnt und reckt sich klagend wie eine russische Ballett-Elevin. Die schwarzen Kostüme mit dem Federkragen sprechen für sich – jede ein „Black Swan“, dem im Laufe des Stückes mindestens ein Flügel gebrochen wird (die Assoziation mit der frisch gebackenen Oscar-Preisträgerin Natalie Portman war an diesem Abend unvermeidlich).

„Glas“ heißt das Jugendstück, das von er Produktion „kunst.stoff“ und „Hartmann & Konsorten“ auf die Bretter des Pumpenhauses gebracht und am Sonntag jubelnd aufgenommen wurde. Von Johannes Fundermann und Pitt Hartmann inszeniert und choreographiert, zogen die acht Darstellerinnen das volle Haus in ihre Erlebniswelt. Zwischen Mädchenträumen und dem Ernst des Erwachsenwerdens spielten sich deftige, witzige und oft auch traurige Episoden ab. Die stammten alle von den Akteurinnen selbst, aus ihren Tagebüchern und Erinnerungen. Nicht direkt neu oder überraschend, doch mit viel Herz und Power in symbolgeladene Szenen verpackt.

Und wovon träumen diese Girls? Zum Beispiel von Prinz Porno, der im Märchenschloss für Aufruhr sorgt, und der der schlafenden Prinzessin nur unters Röckchen will. Wencke Myhre riet einst ihren Schwestern: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“ – doch diese kessen Evas lassen keinen am Baum vertrocknen. Und eine humorige „Schmink-Pantomime“ zaubern sie auch vor den Spiegel. Lacher garantiert.

Doch meist siegt die Düsternis, die über der Bühne liegt und sich auch in der suggestiven Musik verströmt. Wenn die erste Liebe zerbricht, die Eltern sich trennen, den Patchwork-Familien das Geld ausgeht, wird das Schluchzen immer lauter. Auch sexuelle Gewalt wird krass auf die Bühne gebracht. „Wenn ich ein Vöglein wär´“ singen sie ironisch im Chor: Malina Brinkmann, Hannah Frese, Lea Hoffmann, Nele Koops, Viktoria Mletzko, Caroline Süren, Milena Weber und Nadja Wiedner. 

Bevor es ein schöner Schwan werden kann, muss sich das Küken aus dem Ei kämpfen. Und das tut weh.